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Von Behindertensportlern lernen Projekttag mit Bronzemedaillengewinner und Weltcupsieger Josef Giesen


Melle. Den Projekttag „Von Behindertensportlern lernen“ werden die Schüler des Gymnasiums wohl nicht so schnell vergessen. Schließlich durften sie den mehrfachen Weltcupgesamtsieger und Medaillengewinner bei den Paralympics im Biathlon Josef Giesen kennenlernen.

Berührungsängste überwanden die Kinder schnell und fragten den Gast mutig aus. Nein, nicht in erster Linie über Sport, sondern über seine Conterganschädigung. „Meine Mutter wusste noch nicht, dass sie mit mir schwanger war, und nahm eine einzige dieser Tabletten“, erzählte der Sportler. Und sein Leben mit den sehr kurzen Armen habe ihm doch eine Fülle wunderbarer Erlebnisse und Erfolge geschenkt. „Wie putzen Sie sich die Zähne?“ oder „Kann man Ihre Schrift auch lesen?“ wollten die Schüler von ihm wissen. Der technische Zeichner berichtete frank und frei über sein Leben als Mensch mit Handicap. Sein Fazit: Er sei ja nicht krank, sondern habe einfach nur kurze Arme.

Der Behindertensportler des Jahres präsentierte seine Sportart in einem kurzen Film und erläuterte, dass er als Teilnehmer bei internationalen Wettkämpfen die gleiche Strecke Ski fahren müsse wie die Nichtbehinderten. „Die fahren allerdings schneller“, sagte er, „weil sie ihre Arme zu Hilfe nehmen können.“ Schießen kann er allerdings nur in der Bauchlage, weil er die Waffe im Stehen nicht halten kann. Zum Nachladen benutzt er das Kinn. Seine Waffe habe er in den 15 Jahren seiner Sportlerkarriere immer weiter entwickelt, sodass er als sehr guter Schütze punkten konnte.

Natürlich hatte Giesen seine Bronzemedaille mitgebracht. Begeistert durften alle Schüler sie einmal in die Hand nehmen.

Wie es sich anfühlt, beim Basketball im Rollstuhl zu sitzen, erfuhren die Schüler in der Turnhalle. Einige Coaches erklärten kurz die Grundtechniken des Rolli-Fahrens, dann stürmten die Kinder die rollenden Sportgeräte. Vorwärts und rückwärts fahren, bremsen und drehen beschäftigten die Schüler so sehr, dass sie über die Menschen mit Handicaps kaum noch nachdachten.

Aus der 2. Bundesliga des Rollstuhlbasketballs war als einer der Coaches Martin Kluck aus Hannover angereist. Er spielt schon viele Jahre lang als „Fußgänger“, wie die Behindertensportler die laufenden Kollegen bezeichnen, Rolli-Basketball. „Das Spiel im Rolli ist dynamisch und schnell“, erklärte er. Und der Umgang mit den Teamkollegen sei sehr viel freundschaftlicher als im Nichtbehindertensport. Er ließ die Rolli-Neulinge um Hütchen Slalom fahren. Auch das Spielen mit dem großen Basketball führte er ein, Zuwerfen und Dribbeln, alles, was sonst so selbstverständlich ist, mussten die Schüler jetzt üben.

Dass der überaus interessante Projekttag überhaupt im Gymnasium Melle veranstaltet wurde, ist dem inzwischen pensionierten Lehrer Herbert Michels zu verdanken. In seiner Eigenschaft als zweiter Vorsitzender des Behindertensportverbandes Niedersachsen hatte er das Projekt „Von Behindertensportlern lernen“ bereits im letzten Jahr begleitet. Es war ihm ein besonderes Anliegen, es nun auch an seine „alte Schule“ zu holen, um dem Gymnasium damit mit dem „hervorragenden Botschafter Josef Giesen etwas zurückgeben zu können.“


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