Teure Reparatur einer „Acht“ Ist der Radständer am Meller Markt ein Felgenkiller?

Von Michael Hengehold


Melle. Da hat Johannes Staab sein Rad schon extra im Farbton Melle-Magenta bestellt und dann das: Der neue Fahrradständer am Markt erweist sich als Felgenkiller. Die Stadt sagt allerdings, diese Ständer kämen seit vielen Jahren zum Einsatz – unbeanstandet.

Eins vorweg: Er will den Stab nicht über die Stadt brechen, betont – wenn auch in anderen Worten; also ohne billiges Wortspiel – der Augenarzt, der seine Praxis in der Ladenzeile am Markt genau gegenüber des neuen Ständers (neben den öffentlichen Toiletten) hat. Bei ihm klingt das so: „Schreiben Sie es nett. Ich bin nicht böse auf die Stadt, sondern möchte darauf hinweisen, dass sie sich hier eine Gefahrenquelle geschaffen hat.“ Seiner Ansicht nach sitzt die Schlaufe zu tief, sodass sie nur den kleineren Teil des Vorderrades umfasst und lässt zudem zu viel Spiel. Die alten, in den Boden eingelassenen Halterungen fand er besser.

Staab kam in der vergangenen Woche mittags von seinem Arbeitsplatz und fand das Rad auf der Seite liegend vor. Der Vorderreifen steckte aber noch in der Haltevorrichtung – mit einer dicken Acht drin. Immerhin 110 Euro hat die Reparatur gekostet.

„Diese Dinger taugen einfach nicht“

Gut, das Rad ist ein hochwertiges Norwid-Produkt mit Riemen statt Kette und Rohloff-Nabe, bei anderen könnte die Schadenbeseitigung wohl günstiger ausfallen, aber darum geht es ja gar nicht: „Hochwertig oder nicht, diese Dinger taugen einfach nicht“, sagt Staab. Mit denen könne man durchaus Radtouristen vergraulen. Zumal die nicht eben zu Fuß nach Hause gehen können, wenn sie aus dem Café kommen und das Runde ist zum Eckigen geworden: „Dann kommst du nicht mehr weg.“

Stadt will Fahrradständer überprüfen

Die Stadt reagiert verständnisvoll: „Nach dem aktuellen Vorfall wird das Tiefbauamt die neu installierten Fahrradständer überprüfen“, sagt Mediensprecher Jürgen Krämer. Zugleich betont er aber, dass mit dem fraglichen Radhalter „allein in den Jahren 1993 bis 1998 etwa 230 Bushaltestellen“ ausgestattet wurden, 600 Radstellplätze mithin. „In all den Jahren“ seien dazu keine kritischen Stimmen von Nutzern eingegangen.

Die Stadt ist nur schadenersatzpflichtig, wenn sie ihre Amtspflichten verletzt

Im aktuellen Fall stelle sich also die Frage, wie die Beschädigung zustande gekommen sei und ob sie überhaupt ursächlich auf die Beschaffenheit des Ständers zurückzuführen sei. Krämer: „Denn es ist nicht auszuschließen, dass der Schaden fahrlässig oder mutwillig von einer unbekannten Person herbeigeführt wurde.“

Und was die Kosten angehe: Die Stadt ist nur schadenersatzpflichtig, wenn sie ihre Amtspflichten „schuldhaft“ verletzt. Da es sich um „einen genormten und aus unserer Sicht vielfach bewährten Fahrradständer handelt“, gehe das Tiefbauamt davon aus, dass das hier nicht der Fall ist.


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