Im Sturzflug auf Beutejagd Fischadler ist auch in Melle zu beobachten

Von Sigrid Sprengelmeyer

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Der Fischadler hat eine beeindruckende Flügelspannweite von bis zu 1,70 Meter. Foto: Patrick Pleul/dpaDer Fischadler hat eine beeindruckende Flügelspannweite von bis zu 1,70 Meter. Foto: Patrick Pleul/dpa

Melle. Der Fischadler schließt nun den Reigen dieser Serie. Insgesamt haben wir zwölf regelmäßig in dieser Region zu beobachtende Greifvögel vorgestellt, wobei erstaunlicherweise sogar noch etwa vier weitere Arten in Melle vorkommen. Diese sind jedoch nur sehr selten zu sehen.

Wer an fischreichen Teichanlagen und der Else die Augen offen hält, kann ihn entdecken und beobachten: den Fischadler. Volker Tiemeyer von der Stiftung für Ornithologie und Naturschutz erklärt, dass er ein Kosmopolit sei. Im 19. und 20. Jahrhundert galt er in fast allen westeuropäischen Ländern als ausgestorben. Er ernährt sich von lebenden Fischen und wurde als Nahrungskonkurrent bejagt. Seine Gelege wurden geplündert oder seine Horstbäume gefällt.

Brutplatz am Dümmer

Inzwischen gibt es europaweit wieder 8000 Brutpaare. Davon allein 700 in Deutschland und rund 15 in Niedersachsen, wo er seit 1991 wieder brütet. Der Melle am nächsten gelegene Brutplatz befindet sich am Dümmer. Der Fischadler ist ein imposanter Vogel mit einer Spannweite von annähernd 1,70 Metern und einem sehr kontrastreichen Gefieder. Während die Oberseite dunkelbraun ist, erstrahlen Rumpf und Unterseite in Weiß. Über der Brust verläuft ein bräunliches Querband.

Flugbild, wie das eines Fischadlers

Vor ein paar Tagen wurde unsere Mitarbeiterin in Westerhausen, in unmittelbarer Nähe des Ententeichs, auf einen großen Vogel kreisend in hohen Lüften aufmerksam. Ein Flugbild, das ihr unter den letzten elf vorgestellten Greifvögeln noch nicht begegnet war. Die Idee, dass es sich um einen Fischadler handeln könnte, wurde gestärkt durch seine Größe und der Nähe zu einem Gewässer. Auch der Vergleich des Flugbildes in der Fachliteratur unterstrich ihre Gedanken. Eine Whatsapp- Anfrage an Volker Tiemeyer zu dieser Beobachtung, wurde umgehend beantwortet: „Zurzeit ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, ihn in Melle zu beobachten. Auszuschließen ist jedoch gar nichts“.

Quartier in Baumkronen

Als Breitfrontzieher scheut der Fischadler weder Meere noch Wüsten und überquert sie abenteuerbereit, um ungefähr im Oktober sein Winterquartier in Afrika zu erreichen. Zurück in Westeuropa beginnt er ab April mit dem Bau seines Horstes an Seen, die oft von Wäldern umgeben sind. Quartier bezieht er dann meist in Baumkronen, neuerdings sogar in Hochspannungsmasten oder auf künstlichen Nistplattformen, und das alles in schwindelerregender Höhe.

Fischadler kann auch ertrinken

„Im Alter von drei bis fünf Jahren schreitet er zur Brut. Ihn zeichnet eine Brutort- und Lebenspartnertreue aus“, so Tiemeyer. Spektakulär ist sein Jagdverhalten. Er fixiert aus 20 bis 30 Metern Höhe im Rüttelflug die Beute unter der Wasseroberfläche, stürzt dann mit angewinkelten Flügeln herunter. Kurz vor dem Erreichen des Gewässers streckt er seine beiden Fänge mit ihren Krallen weit hervor, durchdringt die Wasseroberfläche und taucht mit einer Wasserfontäne ein. Taucht mit dem Fisch in den Fängen wieder auf und bringt ihn zu seinem Kröpfplatz. „Ist ein Fisch für ihn zu groß, lässt er ihn zwar in der Regel los. Dramatisch wird es für den Fischadler, wenn er seine Krallen nicht aus dem großen Fisch lösen kann. Seine schwere Beute zieht ihn dann in die Tiefe und der Fischadler ertrinkt“, berichtet der Ornithologe.

Ob der in Westerhausen gesichtete große Greifvogel tatsächlich ein Fischadler war, wird wohl leider ein ungelöstes Rätsel bleiben.

Weitere Folgen aus der Serie über Greifvögel im Grönegau:


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