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Mit Faden und Feuer Haarentfernung auf Türkisch

Von Conny Rutsch


Melle. Eine Pinzette braucht Ali-Osman Demir nicht. Der Azubi im Meller Friseursalon „by Tarik“ fixiert einen Baumwollfaden im Mund, wickelt ihn einmal um die Finger, und verkreuzt ihn dann mehrmals, ähnlich wie bei dem Fadenspiel. Er bringt das Fadenkreuz ans Gesicht der Kundin und entfernt mit schnellen Bewegungen die störenden Härchen auf der Oberlippe und an den Augenbrauen.

„Tut das denn nicht weh?“, stellt sich die Frage. „Es ziept nicht mehr als mit der Pinzette“, sagt Friseurin Simone Stenzel, die sich freundlicherweise zu dieser Behandlung zur Verfügung stellt. Und Ali-Osam Demir fügt hinzu: „Mit der Pinzette erwische ich immer nur ein einzelnes Haar, mit dem Faden ein paar mehr.“

Eine zweite Drehtechnik mit dem Faden ermöglicht es der Kundin sogar, sich selber die Härchen zu entfernen: Zu einem Ring geschlossen und dann gedreht, entfällt die Hilfe des Mundes.

Und dann wird es richtig spannend: Ahmet Pasic aus Riemsloh ist nach dem Besuch eines Fitnessstudios zum Haareschneiden gekommen. Auf die Frage der Journalistin hin erklärt er sich sofort damit einverstanden, die Haare aus seinen Ohren mit Feuer entfernen zu lassen.

Der Friseur Gökhan Bakircioglu entzündet die Spitze einer Art Minifackel und schlägt ganz schnell an das Ohr des Kunden. Weh tut ihm das nicht, sonst wäre er bei der Berührung mit dem Feuer sicher zusammengezuckt. „Das ist sogar angenehm“, sagt er. Verbrennungsgefahr besteht nicht, zu spüren ist ein nur ein wenig Wärme. Aber spektakulär sieht es auf jeden Fall aus.

Manchmal gönnt sich Ahmet Pasic auch eine türkische Rasur mit dem Messer. So auch heute. Gökhan Bakircioglu gibt heißes Wasser in ein Schälchen und schäumt mit dem flachen Rasierpinsel in einem zweiten Schälchen die Rasierseife auf.

Es dauert nicht lange, und das Gesicht des Kunden verschwindet fast bis unter die Augen unter sahnig-weißem Schaum. Das kurze Messer ist scharf, sehr scharf. Das ist zu sehen. Der Friseur, im Augenblick mehr Barbier, legt das Messer flach an und schabt sehr vorsichtig die Barthaare mit dem Schaum ab.

An schwieriger zu erreichenden Partien wie um die Mundwinkel drückt er mit der linken Hand vorsichtig die Gesichtshaut ein wenig zusammen und rasiert die so entstehende Hautaufwölbung.

„Die Messerrasur ist sehr gründlich, das bekommt man zu Hause nicht so hin“, lobt Ahmet Pasic, fügt aber augenzwinkernd hinzu: „Aber man muss auch Vertrauen haben.“ Das lässt sich denken, denn auch die Halspartie um den Kehlkopf behandelt der Friseur mit dem Messer.

„Die türkischen Friseure arbeiten sehr feinfühlig und sauber“, sagt der Kunde, „man kann dabei richtig gut relaxen.“

Dazu gehört zum Schluss eine Gesichtsmassage mit einem Rasierwasser, die Ahmet Pasic sichtlich genießt. Fazit: Der Fühltest anschließend beweist, „weich wie ein Babypopo.“