Was ist angemessene Kleidung? Hotpants sind zu hot für Meller Schulleiterin

Von Kirsten Muck

Angemessen oder nicht? Hotpants sind im Klassenzimmer nicht immer willkommen. Foto: Britta Pedersen/dpaAngemessen oder nicht? Hotpants sind im Klassenzimmer nicht immer willkommen. Foto: Britta Pedersen/dpa

Melle. Angemessene Schulkleidung: Was ist das eigentlich? Bei hochsommerlichen Temperaturen schmeißen sich die meisten Schüler in möglichst luftige und kurze Klamotten, damit das Schwitzen im Klassenzimmer nicht überhandnimmt. Doch genau daran stößt sich jetzt die neue Schulleiterin an der IGS. Sie nahm die in ihren Augen übertriebene Freizügigkeit einiger Schüler zum Anlass, die Eltern in einer E-Mail für das Thema zu sensibilisieren.

Es waren Hotpants, aus denen nach Angaben von Kerstin Lemke Pobacken hervorguckten. Die fand sie dann doch zu freizügig. Die könnten den Unterricht stören, weil Schüler abgelenkt würden oder sich belästigt fühlen könnten, meint die Schulleiterin der IGS. Sie weiß, dass die ultrakurzen Hosen ein Modetrend sind. Aber sie weist im Gespräch mit unserer Redaktion auch darauf hin, dass es einen Unterschied zwischen Schul- und Freizeitkleidung gebe. Deshalb ihr Appell an die Eltern: Sie sollen darauf achten, dass ihre Kinder in angemessener sommerlicher Kleidung zur Schule kommen. Extrem kurze Hosen oder Röcke oder bauchfreie Tops möchte sie an ihrer Schule nicht sehen. Um ihr Anliegen zu untermauern, führt sie im Gespräch noch Paragraf 58 des niedersächsischen Schulgesetzes ins Feld. Dort steht in Absatz 2: „Sie (Schüler) dürfen durch ihr Verhalten oder ihre Kleidung die Kommunikation mit den Beteiligten des Schullebens nicht in besonderer Weise erschweren.“

E-Mail sorgt für Verunsicherung

Übertrieben finden viele Schülerinnen die Reaktion. Ellen und Marieke, beide 17, hätten es besser gefunden, wenn die Mitschülerinnen, die angeblich zu freizügig angezogen waren, einfach von den Lehrern angesprochen worden wären. „Bei warmem Wetter sollten kurze Hosen erlaubt sein“, meint Marieke. Doch die E-Mail sorgt für Verunsicherung. „Heute sind viele Mädchen in langen Hosen zur Schule gekommen, obwohl es so warm ist“, stellt sie fest. In einem Punkt gibt sie der Schulleiterin allerdings Rückendeckung: Pobacken von Mitschülerinnen möchte auch sie nicht sehen.

Ähnlich sieht es die 14-jährige Alina. Pobacken: nein, viel Bein: ja. Ein bisschen bauchfrei findet sie auch in Ordnung und zeigt dabei so zwei Fingerbreit über ihren Hosenbund. Solange alle sich normal anziehen, sei das doch ok. Dass Jungs sich von kurzen Hosen abgelenkt fühlen, glaubt sie nicht.

Diskussion in Whats-App-Gruppe

„Übertrieben, ich glaube nicht, dass die Jungs sich angemacht fühlen“, meint ein 15-jähriger Schüler. Das Thema sei schon in der Klassen-Whats-App-Gruppe diskutiert worden – mit einem ähnlichen Tenor. Außerdem, merkt er an, würden ja auch viele Lehrerinnen Shirts mit einem tiefen Ausschnitt tragen. Keit (14) findet, dass jeder sich so anziehen sollte, wie es ihm oder ihr gefällt. „Das ist unfair den Mädchen gegenüber. Was sollen die denn noch anziehen? Etwa sowas wie wir?“, sagt er und zeigt auf seine schlabberigen Shorts.

Keine Vorgaben

An den anderen weiterführenden Schulen in Melle wird das Thema gelassener gesehen. „Manchmal sprechen wir Schülerinnen wegen ihres zu tiefen Ausschnitts an. Aber das ist selten“, berichtet Angelika Grobe, Schulleiterin der Oberschule in Buer. Luftig und leger, beschreibt sie den Bekleidungsstil an ihrer Schule. Momentan seien das freizügigste wahrscheinlich ihre Flip-Flops, scherzt Grobe. An der Ratsschule gab es laut Schulleiter Ludger Jansen wegen zu freizügiger Kleidung noch keinen Handlungsbedarf. Auch am Gymnasium gibt es keine Veranlassung, Vorgaben in puncto Bekleidung zu machen. „Wir sind sehr liberal“, sagt Ulrich Look, der stellvertretende Schulleiter. Kurze Hosen und Trägertops seien bei der Hitze auf jeden Fall erlaubt. Sollte ein Top oder eine kurze Hose doch nicht geeignet sein, würde die Schülerin darauf angesprochen. Und an der Oberschule in Neuenkirchen sind Hotpants anscheinend eh kein Thema. „Nee, so hot sind wir nicht“, kommentiert Schulleiterin Sandra Apeler das Thema mit einem Lachen.