Mehr Betreuer gesucht Hospizinitiative Melle gibt ein rares Gut: Zeit

Sterbebegleiter: Carl Martin Becker. Foto: Christoph FrankenSterbebegleiter: Carl Martin Becker. Foto: Christoph Franken

Melle. Die Hospizinitiative Melle macht mobil: Der neue Vorstand mit Elisabeth Sternberg und Carl Martin Becker will insbesondere neue Betreuer für die Sterbebegleitung gewinnen.

Becker (58) ist der 2. Vorsitzende des Vereins. Der frühere Pharma-Marketingfachmann wirbt um Mitstreiter, denn die Meller Initiative ist vergleichsweise klein.

Für Becker war der Tod sowohl als Kind als auch als Erwachsener immer schon „ein spannendes und mysteriöses Thema“. Erste Erfahrungen in der Sterbebegleitung machten er und seine Frau, als sie vor zehn Jahren eine gute Freundin bei sich zu Hause drei Monate lang bis zu deren Tod betreuten. „Dies habe ich am Ende als sehr erfüllend und sinnvoll erlebt“, berichtete Becker.

Da er es sich mit 58 Jahren jetzt leisten konnte, beruflich aufzuhören und gleichzeitig erkannte, dass in der Hospizarbeit allgemein und damit auch hier in Melle noch viel zu tun ist, stieg er nach entsprechender Ausbildung bei der Hospizinitiative als Sterbebegleiter ein.

Mulmiges Gefühl

Am Anfang habe er dabei schon ein mulmiges Gefühl, gehabt. Aber fast immer habe sich dann eine gute Beziehung zu den Sterbenden und deren Angehörigen entwickelt. „Das ist außerordentlich befriedigend für beide Seiten“, betonte Becker. Und: Im Sterbeprozess herrsche oft eine Atmosphäre, in der sich Authentizität zeigt, denn er werde ehrlich und ungeschminkt miteinander umgegangen. Das sei zum Teil zwar auch bedrückend, trotzdem oder vielleicht gerade deshalb gebe es aber dann auch sehr schöne und erfüllte Momente. „Tod und Sterben hat bei jedem Menschen eine ganz eigene Dynamik.“

Thema bekannter machen

Becker ließ keinen Zweifel daran, dass die Meller Initaitive insgesamt schlagkräftiger werden wolle und künftig auch nach außen mehr in Erscheinung tritt. „Wir wollen das Thema Hospiz hier in Melle einfach bekannter machen.“ Dazu gehören künftig Kursangebote, Vorträge und Ausstellungen. Ziel sei es natürlich, auch mehr Betreuer zu gewinnen.

Momentan besitzt die Initiative 41 Mitglieder, von denen 14 in der Sterbebegleitung aktiv sind. „Wir brauchen mehr von diesen Aktiven und es wäre schön, wenn sich auch jüngere Menschen engagieren würden“, betonte Becker. Das sei möglich, wie Beispiele anderer Initiativen in Niedersachsen zeigen. Die Initiative arbeite zudem überkonfessionell und rein ehrenamtlich. Ihre Mitstreiter brächten aber immer ein rares Gut mit: Zeit.


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