Fips Asmussen im Interview „Das kann ich in Melle machen, aber nicht in Hamburg“

Meine Nachrichten

Um das Thema Melle Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Legt Wert auf Unverwechselbarkeit, die man ihm ohne Weiteres bestätigen kann: Fips Asmussen. Foto: Saloon MelleLegt Wert auf Unverwechselbarkeit, die man ihm ohne Weiteres bestätigen kann: Fips Asmussen. Foto: Saloon Melle

Melle. Am 1. Juni tritt Fips Asmussen (jüngst 80 geworden) im Saloon Melle auf. Im Interview erzählt der Komiker, dass Dieter Krebs Gags bei ihm geklaut habe, Markus Krebs kein Künstlertyp sei und deshalb nicht auf die Bühne gehört aber so partout nicht, wo er selbst eigentlich seine Witze herbekommt.

Wie entstand der Künstlername Fips Asmussen?

Das ist ganz einfach. Der Name sollte lustig und norddeutsch sein, ich bin ja Hamburger. Auf der anderen Seite sollte er unverwechselbar sein. Ich habe an der Werbeakademie studiert und weiß, wie das in der Werbung läuft: anders sein als andere. Egal, was ich mache, beim Namen angefangen: anders sein als die anderen. Nicht die Gags von irgendjemanden klauen. Ich bin heute der Meistbeklaute in Deutschland. Selbst die Fernsehleutehaben Gags von mir geklaut, zum Beispiel für ,Sketchup‘ mit Dieter Krebs. Da haben 30 Leute für geschrieben, aber vieles ist von mir geklaut. Ich bin darüber aber nicht böse.

Wie ist der Künstler Fips Asmussen entstanden?

Aus der Jugend heraus mit der Art, die er drauf hatte, lustig die Leute zu unterhalten. Das hat sich langsam entwickelt. Ich habe früher gesungen und Gitarre gespielt, Seemannslieder. Das war alles gut und schön, aber was die Leute hören wollten, waren einfach die Gags. Ich habe über 50 CDs gemacht, die alle eine Stunde dauern. Was meinen Sie, wie viele Gags da drauf sind. Es gibt eine große Anzahl von Witzen, die ich schon gar nicht mehr drauf habe.

Wahrscheinlich haben Sie schon mehr Gags vergessen, als Sie noch im Kopf haben.

Genau. Das kann man ja alles gar nicht behalten.

Wer nennt Sie Fips, wer nennt Sie Rainer?

Den Namen kenne ich überhaupt nicht. Den sollten wir ganz schnell vergessen.

Sind Sie ein trauriger Clown oder auch privat ein Unterhalter?

Privatunterhalter ist nicht ganz richtig. Ich bin Optimist. Ich sehe nichts negativ, sondern alles eigentlich positiv. Was ich negativ sehe, ist die ganze Medienlandschaft, die wir im Moment im Fernsehen und Rundfunk teilweise haben. Die ist katastrophal. Wer da reden darf und gar nicht reinpasst – das ist ganz schlimm. Man sollte eigentlich mal ein paar Tage aufs Fernsehen verzichten und gar nichts hören und sehen. Da beruhigt man seine Nerven.

Lieber mal in ein Live-Programm gehen, was?

Das mache ich ja. Ich habe alle möglichen Fernsehsendungen gemacht. Von Harald Schmidt bis Kerner. Alles gut und schön, aber leben tue ich von meinen CDs und Tonträgern. Da habe ich über sieben Millionen verkauft und davon kann ich gut leben. Nicht finanziell, sondern was den Bekanntheitsgrad betrifft. Die Leute finden einfach gut, was sie von mir hören und das macht mich stolz.

Ich habe zig Angebote, die ich im Moment alle ablehne. Wenn ich drei Minuten im Fernsehgarten auftreten soll - das mache ich heute gar nicht mehr. Da muss ich drei Tage runterfahren, um für drei Minuten zu proben. Die Leute da hören mir auch gar nicht zu. Die gucken nur, wo die Kamera ist, da wird gewunken. Ich habe mit Karl Moik diese Stadl-Sachen gemacht. Das war so schlimm. Ich habe das gemacht, aber die Leute im Publikum sind so was von schlimm. Die gucken nur, wo ist die Kamera, wo bin ich im Bild? Was bringt es? Gar nichts.

Es zeigt doch zumindest: Sie sind noch da, Sie leben noch.

Das schon, aber das brauche ich nicht. Fünf Monate vor meinem Auftritt im Hamburger Tivoli ist der schon ausverkauft. 650 Leute sind da drin. Der Termin ist erst im September. Das ist für mich besser als einen drei-Minuten-Auftritt im Fernsehen zu haben. Bringt für mich überhaupt nichts und da gucken auch die verkehrten Leute zu. Die 650 Leute in Hamburg, das sind genau meine Fans. Die lieben meinen Humor. Der eine liebt das, der andere sagt: Asmussen finde ich Käse. Da muss ich mit leben. Aber wenn meine Veranstaltungen gut besucht sind, ist das für mich viel wichtiger als wenn jemand schreibt: Den Asmussen mag ich nicht. Das geht mir am Arsch vorbei.

Wie kommen denn Ihre Witze zu Ihnen? Recherchieren Sie die, lesen Sie die, schreiben Sie auch eigene Gags?

Auf meinen 52 CDs sind so viele Gags, die aktuell sind. Ich erzähle nie Witze über ,Elefant und die Maus‘, sondern Sachen aus dem Leben. Wenn man etwas reifer geworden ist, kann man natürlich aus dem Leben viel mehr erzählen als ein junger Typ, der mit 25 Jahren auf der Bühne steht und von seiner Ehe erzählen will. Ich kann über meine Ehe erzählen. Ich kann auch über gewisse Leiden erzählen. Dass ich mit meinem Knie was habe. Wenn ich heute mit grauen Haaren auf der Bühne stehe, dann bin ich einfach vom Alter her glaubhafter.

Kennen Sie denn die junge Generation Comedians? Gucken Sie sich die Kollegen im Fernsehen an?

Kaum. Man schaltet rein und sagt sich: Nein, das kannst du vergessen. Die nicht singen können, werden Rapper und die, die nicht rappen können, werden dann Comedians. Die bilden sich ein, sie können lustig sein. Sind sie aber nicht. Vom Aussehen her nicht, von der Art her nicht und die Gags auch nicht. Da muss man für geboren sein. Mit dem Aussehen fängt es schon an. Auch die Stimme muss anders sein. Und vom Repertoire her. Da sagen die Leute beim ersten Ton: Was der Asmussen sagt, da ist Musik drin. Ich sage ja nicht: ,Guten Abend, ich froh, dass ich hier bin‘. Das machen andere. Ich nicht.

Kommen Sie denn immer noch durchs Publikum rein und begrüßen die Leute erst mal, quatschen ein bisschen mit denen?

Das ist meine Art und das macht ja auch kaum jemand. Aber dann müssen da Gags kommen. Die Hand zu geben und zu sagen: ,Ich bin froh, dass ich hier bin‘, das ist zu wenig.

Sie sind ja auch nicht da, um neue Freunde zu finden. Mögen Sie Markus Krebs, der ja auch Witze erzählt, wenn auch breiter ausgewalzt und nicht wie so ein Schnellfeuergewehr, wie Sie das machen?

Der hat offenbar keine Augen, trägt immer Sonnenbrille. Dann hat er seinen Text auf der Bühne auf dem Tisch liegen und die Sonnenbrille auf. Ich arbeite drei Stunden frei aus dem Hut.

Wie viel ist denn bei Ihnen fest und wie viel kommt spontan aus dem Hirnarchiv in drei Stunden?

Ich habe immer ein paar neue Gags und wenn die mal nicht so gut kommen, lasse ich sie morgen weg.

Sie bereiten doch bestimmt ein Gerüst vor, an dem Sie entlanghangeln. Wie geht das vonstatten, wenn Sie ein neues Programm erarbeiten?

Ich habe 60 Din-A4-Seiten, die ich auswendig kann und die bringe ich auf der Bühne.

Wie viel passt da so drauf?

Eine Din-A4-Seite, handgeschrieben - eine Menge. Nach drei Stunden sagen die Leute noch, wir brauchen eine Zugabe. Dann mache ich noch eine Viertelstunde. Ich mache dann auch mal ein bisschen Tucholsky aus meiner Zeit, als ich noch Kabarett gemacht habe. Das wollen die Leute auch hören, wenn es gut gemacht ist. Ich mache meine Gags nie für mich, sondern teste immer, was beim Publikum ankommt. Es nicht entscheidend, was ich gut finde. Nach dem Auftritt sagen viele Leute, dass das ein unvergesslicher Abend war. Aber sie haben keinen Gag behalten, weil es einfach zu viele sind. Und dann sagen sie: beim nächsten Mal gehe ich wieder hin, weil ich nur einen Gag behalten habe. Das macht mich stolz.

Probieren Sie die Witze zuhause an Ihrer Frau aus?

Kaum. Ich kann mal den einen oder anderen Gag probieren, aber im Grunde genommen probiere ich alles auf der Bühne. Ich baue die in Geschichten ein.

Das heißt, zu Hause feilen Sie nicht großartig an den Pointen oder wie Sie es bringen? Das passiert live?

Wenn ich meine ganzen CDs höre – da ist so viel drauf, da brauche ich nur mal durchzublättern und dann weiß ich auch, welcher Gag gut ankommt.

In einem Interview haben Sie mal gesagt: Es gibt keine alten und neuen Gags, sondern nur welche, die man kennt und solche, die man noch nicht kennt.

Ich habe 20 Jahre Kabarett gemacht, unten im Rheinland. In Köln, Düsseldorf, überall. Was meinen Sie, was da an Text von Asmussen geklaut wurde. Die haben ja alle meine Gags geklaut.

Aber die Gags sind doch nicht alle von Ihnen. Die haben Sie doch bestimmt auch irgendwo gelesen oder gehört.

Nein. Die sind aus dem Leben. Über die Ehe, Krankheiten und dieses und jenes.

Erzählen die Leute Ihnen denn auch Witze nach dem Motto: Kennst du den schon? Oder: Bring den doch mal im Programm?

Das gibt es, aber da muss ich immer gähnen, weil das alles Asmussen-Gags sind.

Die kennen Sie schon alle?

Natürlich, ich kenne die alle. Da muss ich mit leben und freue mich darüber. Aber die erzählen die Witze teilweise auch verkehrt. Der Krebs erzählt auch viele Dinge verkehrt. Das ist kein Künstlertyp. Der gehört nicht auf die Bühne.

Ich habe Sie mal im Ersten in ,Inas Nacht‘ gesehen. Da wollte Gastgeberin Ina Müller Ihnen Witze nach Stichwort entlocken. Das hat aber nicht geklappt. Offenbar funktioniert Ihr Witze-Gedächtnis anders. Wie denn?

Die hatte alte Kassetten von mir gehört und da waren Sachen dabei, die kannte ich selber gar nicht mehr und die wollte sie nun von mir hören. Habe ich ihr natürlich knallhart gesagt. Nach der Sendung hat sie zu mir gesagt: Fips, heute habe ich von dir nur neue Sachen gehört und die alten nicht. Da war sie ein bisschen enttäuscht.

Und wie funktioniert Ihr Witze-Gedächtnis nun? Wie kommt da eins zum anderen?

Das ist eben mein Gedächtnis. Man muss sich trainieren. Ich arbeite ja an meinem Repertoire. Ich halte mich überhaupt nicht mit anderem Kram auf, zum Beispiel Finanzamtssachen oder so. Ich beschäftige mich in meiner Freizeit nur mit meinem Repertoire. Ich höre und teste und trainiere. Genau wie ein Sportler trainiert, trainiere ich mein Gehirn. Wenn das nicht funktioniert, gehe ich auf der Bühne baden.

Da ist Ihre Freizeit dann wohl schmal?

Ich muss mich nicht mit anderen Sachen beschäftigen, nur mit meinem Repertoire.

Passen Sie ein paar Gags lokal an? Bekommen die Meller am 1. Juni ihr Fett weg?

Die Meller an sich nicht. Die Frage ist: Bin ich in Hamburg oder bin ich in Melle? In Melle kann man auch mal einen Gag machen wie: Der Dalai Lama kommt demnächst nach Melle. Das ist schwer für den Mann. Vom Dach der Welt zum Arsch der Welt. Das kann ich in Melle machen, aber nicht in Hamburg.

Können Sie zum Schluss noch mal einen raushauen?

Nein, das ist nicht meine Art. Ich habe auch keinen Lieblingswitz.

Ich habe aber neulich in der Bild-Zeitung acht Lieblingswitze von Ihnen gesehen.

Die sind aber nicht von mir. Die hat der sich selbst einfallen lassen. Sie wissen, wie die Zeitungen manchmal sind. Der wollte ein paar Witze von mir hören, habe ich aber nicht erzählt. Dann sagte er, er lässt sich etwas einfallen. In der Bild-Zeitung werden viele Witze von mir geschrieben. Ich erkenne einiges wieder. Ich bin darüber nicht sauer. Der geschriebene Witz ist sowieso immer schlechter, als der erzählte. Wenn ich den erzähle, sagen die Leute: Mensch, der ist aber gut. Wenn der geschrieben ist, kommt der Gag nicht rüber. Das habe ich immer wieder erlebt. Asmussen ist einfach Asmussen und da bin ich auch stolz drauf.


Termin

Fips Asmussen im Saloon Melle (Gelbe Riede 14, Melle-Westerhausen): Tickets zum Preis von 27 Euro gibt es auf saloon-melle.de und per telefonischer Bestellung unter 01 72 / 8 70 93 37.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN