Als Reisebegleitdienst Bald mobile Bahnhofsmission in Melle

Von Petra Ropers

Fahrtkarte kaufen – aber wie? Der Reisebegleitdienst hilft Menschen mit Assistenzbedarf auch dabei. Foto: Petra RopersFahrtkarte kaufen – aber wie? Der Reisebegleitdienst hilft Menschen mit Assistenzbedarf auch dabei. Foto: Petra Ropers

Melle. Kinder, die mit dem Zug ihr getrennt lebendes Elternteil besuchen, ältere Menschen oder Reisende mit Behinderungen, die beim Ein- und Aussteigen wie auch während der Fahrt auf Unterstützung angewiesen sind: Ihnen allen bietet die Bahnhofsmissiobald auch in Melle einen Reisebegleitdienst an.

Im Ausschuss für Soziales, Jugend, Familie, Senioren und Integration stellte Marcel Bohnenkamp, Leiter der Bahnhofsmission Osnabrück, am Mittwoch das Projekt vor, das nach einer Vorbereitungszeit zum 1. Oktober an den Start gehen soll. Seit Jahren gibt es in Osnabrück den Reisebegleitdienst. Denn gerade für ältere Menschen ist eine Fahrt mit dem Zug oft mit vielen Unsicherheiten verbunden: Lässt sich das Ein- und Aussteigen bewältigen? Wo ist überhaupt der richtige Bahnsteig? Und was ist mit dem schweren Koffer?

Ehrenamtliche helfen

Die Begleitung erfolgt durch eigens ausgebildete Ehrenamtliche: Sie kommen zum Bahnhof, wenn nötig auch zur Bushaltestelle, und bleiben die ganze Fahrt über an der Seite der Reisenden. Und sie helfen bei allem, was das Zugfahren so mit sich bringt. Doch der Reisebegleitdienst wendet sich nicht nur an Senioren. Einen wesentlichen Teil der ehrenamtlichen Arbeit macht vielmehr die Begleitung von alleinreisenden Kindern mit Unterstützungsbedarf aus.

Wenn nach einer Trennung der Eltern das Budget ohnehin kaum ausreicht, sitzt eine zweite Fahrkarte nicht drin, um das Kind auf dem Weg zum anderen Elternteil zu begleiten. Doch die Ehrenamtlichen bieten mehr als Sicherheit für die Kinder, die ansonsten ganz allein reisen müssten:

„Kein Rosenkrieg“

„Es gibt keinen Rosenkrieg, wenn sie die Kinder begleiten“, berichtete Bohnenkamp aus langjähriger Erfahrung. Stattdessen entwickele sich spätestens nach drei bis vier Begleitungen Verlässlichkeit. „Und das ist gut für die Kinder!“

Die Koordinierungsstelle in Osnabrück sorgt dafür, dass die Begleitung zum Bedarf passt. Sind schwere Koffer zu tragen? Braucht ein Junge oder ein Mädchen die Begleitung? Die Erfahrungen in Osnabrück sind positiv: „Im vergangenen Jahr mussten wir keine einzige Fahrt ablehnen“, betonte Bohnenkamp. Für eine räumliche Ausweitung des Angebotes bietet sich Melle nach Ansicht der Bahnhofsmission aufgrund seiner guten ÖPNV-Anbindung an.

In der Startphase soll nun zunächst der tatsächliche Bedarf vor Ort analysiert werden. Dann gilt es, Ehrenamtliche zu gewinnen, die Freude daran haben, Kinder, Jugendliche, Senioren und Menschen mit Behinderungen zu begleiten. Geschult und abgesichert werden sie durch die Bahnhofsmission Osnabrück. Das Projekt soll für zunächst ein Jahr laufen und dann evaluiert werden. Für Thomas Schulke (CDU) steht unterdessen schon jetzt fest: „Für Melle ist das eine Bereicherung.“