Bewährungsstrafe Meller verprügelt im Drogenrausch die eigene Frau

Von Christina Wiesmann

Justitia sprach Recht.

            

              
                Symbolfoto: Michael GründelJustitia sprach Recht. Symbolfoto: Michael Gründel

Melle/Osnabrück. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Bedrohung musste sich am Mittwoch ein 39-jähriger Meller vor dem Amtsgericht Osnabrück verantworten. Er hatte im Juli vergangenen Jahres seine Frau verprügelt, bei der er zu Besuch gewesen war.

Die Frau erlaubte ihm, in der Wohnung zu duschen. Danach wollte der Mann, der von der 36-Jährigen getrennt lebt, die Wohnung aber nicht verlassen. Er drängte seine Frau ins Schlafzimmer und schlug ihr mehrfach mit der Faust ins Gesicht. Die vier Kinder des Paares erlebten die Auseinandersetzung mit, der 18-jährige Sohn versuchte noch, den Vater von der Mutter wegzuziehen.

Fotos der Verletzungen

Entsprechende Fotos von der Frau mit Prellungen und blutunterlaufenen Augen nahm das Gericht in Augenschein. Ebenso ärztliche Atteste, die die Verletzungen belegten. Daran, dass der Angeklagte ausgerastet ist und seine Frau verprügelt hat, soll ein Drogenrausch schuld gewesen sein.

„Normalerweise ist es verkehrt, nach Melle zu kommen“, sagte der Angeklagte aus. Er sei erst mit Kokain in Kontakt gekommen, als er mit seiner Familie von Braunschweig nach Melle zog. Falsche Freunde aus der Vergangenheit und eine „gewisse Leichtigkeit, in Melle an Drogen zu kommen“ sollen dem Mann eigenen Angaben zufolge schwer zu schaffen gemacht haben.

„Nicht gegen Hals getreten“

Dass er seine Frau geschlagen hat, gab er zu. „Da stimmt, ich habe zugeschlagen.“ Er bestand aber darauf, sie nicht gegen den Hals getreten zu haben und betonte weinend: „Was ich gemacht habe, ist ein Fehler.“

Seine Frau sagte nicht als Zeugin aus, war aber zur Verhandlung erschienen. Ob sie vom Vater des Angeklagten eingeschüchtert worden war, ließ sich nach Angaben des Gerichts nicht eindeutig belegen. Wie der Richter am Mittwoch erörterte, sei die Frau von sich aus nach vier Tagen aus dem Zeugenschutzprogramm ausgestiegen. Ein Onkel aus Essen habe die Rolle des Vermittlers eingenommen und dazu beigetragen, dass die vierfache Mutter zurück in ihre Wohnung konnte.

„Angst vor meinem Mann habe ich nicht“, sagte die Frau unter Tränen vor Gericht. Das derzeitige Verhältnis zu ihrem Mann beschrieb sie als „gut und völlig in Ordnung“. Der Umgang mit ihr und den vier gemeinsamen Kindern klappe gut, es sei aber für alle besser, dass er der Scheidung zugestimmt habe.

Hin- und hergerissen

Eine Richterin, die die Frau kurz nach der Tat vernommen hatte, erinnerte sich im Rahmen ihrer Zeugenaussage daran, dass die Frau bei der Befragung hin- und hergerissen gewesen sein soll. „Sie sagte, dass die Ehe an und für sich immer harmonisch war – bis eben die Drogen ins Spiel kamen.“

Das Gericht verhängte nach eingehender Beratung eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten gegen den Meller, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Positiv wurde neben dem Geständnis gewertet, dass der Angeklagte inzwischen eine Entgiftung und eine Therapie gemacht hat und seit der Tat nicht erneut strafrechtlich in Erscheinung getreten ist.