Fumito Nunoya am Marimbaphon Orgel plus in Melle und ganz viele Tasten

Von Conny Rutsch

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Ein musikalischer Abend der Extraklasse mit Stephan Lutermann (links), Orgel und Klavier und Fumito Nunoya, Marimba. Foto: Conny RutschEin musikalischer Abend der Extraklasse mit Stephan Lutermann (links), Orgel und Klavier und Fumito Nunoya, Marimba. Foto: Conny Rutsch

Melle. Eine Rechenaufgabe: Wieviele Tasten haben die Klausingorgel, ein Klavier und eine Marimba zusammen? Zum Konzert der Reihe „Orgel trifft...“ mit Stephan Lutermann in der St. Matthäuskirche in Melle war Marimbaphonist Fumito Nunoya aus Herford zu Gast.

Und beide Musiker schlugen die Tasten auf ihre ganz eigene Art. Als Thema des Konzertes hatte Stephan Lutermann das Thema „Toccata“ gewählt. Das Wort stammt vom italienischen toccare, zu deutsch schlagen, berühren. Wie er in seiner Einführung erklärte, wurden früher die Orgeltasten, damals viel größer als heute, mit den Fäusten geschlagen. Toccata bezeichnet aber auch eine Gattung von Instrumentalstücken, die eher einen improvisatorischen Charakter mit virtuosen Passagen, Sequenzfolgen und Klangeffekten besitzen.

Besucher staunten

Geschlagen wird aber auch die Marimba, ein riesengroßes Instrument aus der Familie der Schlagstabspiele. Ohne die unter den hölzernen Klangplatten angeordneten Resonanzrohre und in Miniformat kennt man das Xylophon, das ebenfalls mit Schlägeln gespielt wird. Der Marimbaspieler benutzt vier Schlägel, zwei in jeder Hand. Und die handhabt der in Herford ansässige, aus Japan stammende Musiker Fumito Nunoya mit einer Virtuosität, die die Konzertbesucher zum Staunen brachte.

Schon gleich mit seinem Eröffnungsstück „Rhythm Caprice“ des 1953 geborenen amerikanischen Marimbophonisten Leigh Howard Stevens zeigte Fumito Nunoya so ziemlich alles, was auf einer Marimba zu spielen möglich ist, sogar die percussive sehr besondere Technik, die Klangstäbe seitlich mit den Griffen der Schlägel zu betätigen. Überaus überraschend klingt das. „Die Klangplatten sind aus Rosenholz aus Honduras“, erklärte der Solist und schwärmte über ihren warmen Klang.

Wie schwierig es ist, die Filmmusik „Once upon a time in America“ von Ennio Morricone auf der Marimba darzubringen, hatte Stephan Lutermann zuvor erklärt. Dafür muss der Marimbaspieler die Schlägel ständig in Tremolobewegungen halten und dazu noch die Melodie oberstimmig herausspielen. Das ist ganz, ganz großes künstlerisches Handwerk.

Mit Toccaten von selten gehörten Komponisten wie Jean Wiernsberger, Guglielmo Lardelli oder Robert Jones bestritt Stephan Lutermann seinen Teil des Konzerts. Filigran, opulent, tänzerisch oder sehr melodiös zeigte er wieder einmal, was in der historischen Klausingorgel steckt. Seine grandiose Orgelkunst kam vor allem mit seinem letzten Werk, der Toccata en Sol im neobarocken Stil von Theorode Dubois (1837-1924) zum Tragen. Mit virtuoser Fingerfertigkeit ließ er alle Elemente der Toccataform in seiner schönsten Form erklingen.

Und dann noch einmal die Marimba: zusammen mit Stephan Lutermann als Klavierbegleiter spielte Fumito Nunoya den ersten Satz aus dem Marimbakonzert von Emmanuel Séjourné aus dem Jahr 2015. Tangoklänge, warme und doch rhythmische Passagen, ließen die Zuhörer ins Schwärmen geraten, so dass der Solist, ein bisschen passend zu den sturzbachartigen Regenfällen zu Beginn des Konzerts „Over the rainbow“ zugab. Einfach fantastisch.

Kleinod der Konzerte

Immer wieder überraschend präsentiert Stephan Lutermann seine Reihe „Orgel trifft“, mit immer neuen Ideen als Kleinod der Konzerte im Grönegau.

Ach ja, die Rechenaufgabe muss noch gelöst werden. Die Klausingorgel, das Klavier und die Marimba bringen 270 Tasten ins musikalische Spiel.


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