Handgemacht gejazzt Michael Wächter Quartett in Kulturwerkstatt Buer

Von Conny Rutsch

Jazz in der Kulturwerkstatt: Ansgar Specht, Udo Schräder, Michael Wächter und Georg Rox (von links) besetzten eine seltene Nische. Foto: Conny RutschJazz in der Kulturwerkstatt: Ansgar Specht, Udo Schräder, Michael Wächter und Georg Rox (von links) besetzten eine seltene Nische. Foto: Conny Rutsch

Buer. Das war mal eine besondere Nische, die die Bueraner Kulturwerkstatt am Samstagabend besetzte. Statt donnernder Rockröhren oder wummernder Bässe war Michael Wächter mit seinem Quartett in dem Meller Stadtteil zu Gast und damit feinster Jazz zu hören.

Die vier aus der Bielefelder und Münsterschen Ecke verwandelten die ja schon lange kultige Kulturwerkstatt in den Jazzkeller par excellence. Und ein kleines und verständiges Publikum wusste sehr wohl zu schätzen, was es da hörte. Denn das ist heute gar nicht mehr so selbstverständlich zu hören: handgemachter Jazz wie zu seinen Ursprungszeiten.

Einfach perfekt

Und das geht so: Vier Musiker, das Real-Book, perfekte musikalische Technik, Ohren füreinander und Spaß. Denn hatten die vier auf jeden Fall. Michael Wächter am Bass und damit das Fundament der Band, zeigte schier Unglaubliches. Ob nun filigrane Melodiebögen, ob rhythmische Passagen oder Soloimpros: einfach toll. Am Schlagzeug formte Udo Schräder das passende Feeling zum Jazz und ließ nichts aus, was dringend dazugehört. Er begleitete, rhythmisch drängend, in genau dem richtigen Maß, er trommelte sich in seinen Solopassagen intensiv, um sich dann aber sofort wieder zurückzunehmen und vielleicht nur den Jazzbesen über das Becken gleiten zu lassen.

Tja, und Ansgar Specht an der Gitarre ist auch so ein Hammer: atemberaubend, wie er seine Melodielinien oder Impros beherrscht, wie er sich einfühlt in die Musik seiner Kollegen. Je nach Jazzstandard kühl und beherrscht, dann wieder voller Empathie und Temperament klingt seine Gitarre aufregend, sentimental, rockig mitunter sogar.

Fingertechnik vom Feinsten

Georg Rax am Piano ist auch so einer der Musiker, der so schwierig zu beschreiben ist. Das muss man einfach hören. Eine Fingertechnik vom Feinsten, die einfach alles musikalische möglich macht, Einfühlungsvermögen und das Immer-bei-den-anderen-Sein sollte für einen Pianospieler selbstverständlich sein, ist es aber lange nicht.

In Zeiten, in denen sich grade junge Leute mit ihren Befindlichkeiten als selbst ernannte Musiker auf die Bühne wagen, ist es einfach nur ein Genuss, die wirklichen Musiker, die sehr gut ausgebildet sind und die ihr Handwerk beherrschen, anzuhören. Und dann noch mit den bekannten Jazzstandards aus dem Real-Book.

Fazit: Alle, die nicht dabei waren, haben wirklich was verpasst.