Facettenreicher Beruf im Wandel Meller Fotografen als Prophet im eigenen Lande

Von Christoph Franken


Melle. Das Fotografenhandwerk befindet sich seit Jahren im Umbruch. Die klassischen Betriebe - von denen es noch drei in Melle gibt - haben zunehmend mit der Konkurrenz durch freischaffend oder nebenberuflich Tätige zu kämpfen.

Melle. Die Obermeisterin der Fotografeninnung Osnabrück-Emsland, Gabriele Niehaus, verweist ebenso wie ihre beiden anderen Meller Kollegen, Fotografenmeisterin Anja Sünderhuse und Fotografenmeister Andreas Gayer, auf den Wandel in ihrem Beruf.

Einen Einschnitt markierte vor dem Hintergrund neuer EU-Vorschriften die Novellierung der Handwerksordnung: Sie sieht inzwischen für die Ausübung des Fotografen-Handwerks keinen Meisterzwang mehr vor. Diese Entwicklung bedauert auch Herbert Tiemann. Der Innungsreferent der Kreishandwerkerschaft Osnabrück ist für die Fotografen-Innung zuständig. „Es ist natürlich nach wie vor von enormem Vorteil, das Fotografenhandwerk von der Pike auf gelernt zu haben“, betonte er in einem Gespräch mit den Meller Fotografen. Andreas Gayer, der sich auf Industriefotografie spezialisiert hat, sprach mit Blick auf das gewandelte Berufsbild von „verwischten Grenzen“. So gebe es beispielsweise künstlerische, kommerzielle und handwerkliche Ausrichtungen und die digitale Fotografie verstärke diesen Prozess.

Früher Königsdisziplin

Tiemann führte das Geschäftsfeld der Hochzeitsfotografie an. Das sei früher die Königsdisziplin gewesen. Heute hieße es gegenüber dem Brautpaar immer öfter: Ich habe da einen im Bekanntenkreis, der macht das privat auch ganz gut und preiswert. „Aber Profis sind auch da immer besser, denn von nichts kommt nichts“, betonte der Innungsreferent.

Gayer ist es wichtig, Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Der Verbraucher könne insbesondere bei Online-Auftritten nicht mehr unterscheiden, wer eigentlich genau hinter dem jeweiligen Angebot stecke.

Studio als Lernstandort

Anja Sünderhuse, die ebenso wie Gabriele Niehaus auf klassische Portrait- und Hochzeitsfotografie setzt, möchte ein Bewusstsein schaffen für die Qualität und Zuverlässigkeit ihrer Branche. Es gehe bei Aufträgen nicht nur um die Konzeption, die Planung und die professionelle Durchführung, sondern hinter allem stehe der Wunsch des Kunden, eingebettet in die jeweiligen Trends. Manchmal müsse ein Bild auch zum Einrichtungsstil des Kunden-Hauses passen. „Authentizität ist da ganz wichtig“, hob sie hervor.

Studio als Lernstandort

Meller Schulen, wie die Ratsschule, nutzten ihr Studio gerne als „Lernstandort Fototografie“. Daher biete sie auch nach wie vor Schulpraktika an. „Wenn es dann aber um Bilder von Abschlussklassen geht, kommen leider bundesweit tätige Agenturen zum Zuge“, bedauerte sie.

Alle drei Meller Betriebe bilden auch aus. Zwölf Fotografenbetriebe gibt es insgesamt im Kammerbezirk Osnabrück-Emsland. „Aber immer weniger leisten sich einen eigenen Standort und damit fällt auch die Ausbildung weg“, legte Gayer den Finger in eine klaffende Wunde. Zudem würden die Betriebe mit eigenem Studio angesichts der Internet-Konkurrenz immer weniger wahrgenommen. „Der Prophet gilt nichts im eigenen Land, das gilt leider auch für uns“, resümierte er.

Innungsreferent Tiemann lobte an dieser Stelle die Ausbildungsbetriebe für deren hohes Engagement und die immer wieder gezeigte Kreativität. „Unsere Azubis werden auf hohem Niveau ausgebildet und können wirklich was.“

In einem war sich die Runde absolut einig: „Wir müssen dem Verbraucher die Augen öffnen für unsere Qualität.“