St. Matthäus bietet Schutz Junge Afrikanerin in Meller Kirchenasyl

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Die katholische Kirchengemeinde St. Matthäus in Melle gewährt einer aus Afrika geflüchteten jungen Frau aktuell ein „stilles Kirchenasyl“. Foto: Gert WestdörpDie katholische Kirchengemeinde St. Matthäus in Melle gewährt einer aus Afrika geflüchteten jungen Frau aktuell ein „stilles Kirchenasyl“. Foto: Gert Westdörp

Melle. Die katholische Kirchengemeinde St. Matthäus in Melle gewährt einer aus Afrika geflüchteten jungen Frau aktuell ein „stilles Kirchenasyl“. Das bestätigte Dechant Michael Wehrmeyer auf Anfrage. Dem Vernehmen nach bietet auch eine evangelische Kirchengemeinde im Stadtgebiet von Melle aktuell ein solches Asyl.

Das stille Kirchenasyl fußt auf einer 2015 geschlossenen Vereinbarung der beiden großen Kirchen und dem Staat. Es bezieht sich auf Einzelfälle, in denen Kirchenvertreter besondere humanitäre Härtefälle sehen und die Behörden um eine erneute Überprüfung bitten. Zu der Vereinbarung gehört, dass sich die Kirchengemeinde um ihre Schützlinge kümmert, sie unterbringt, materiell und medizinisch versorgt sowie den Fall nicht publik macht.

„Gegenwärtig beziehen sich Kirchenasyle ganz überwiegend auf Dublin-Fälle“, erklärte Lioba Hebauer, Sprecherin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Das Dublin-Abkommen sieht vor, dass Flüchtlinge in dem Land, in dem sie erstmals europäischen Boden betreten, auch das Asylverfahren betreiben müssen. Viele tun das aus unterschiedlichsten Gründen nicht und flüchten weiter nach Deutschland. Werden sie dort aufgegriffen, erfolgt die Abschiebung in das europäische Land ihrer Einreise.

Wieder zurückgekehrt

So ist das auch im Fall der jungen Afrikanerin, die in Melle Unterschlupf gefunden hat. Sie war in Italien gelandet, hatte sich nach Deutschland weiter geflüchtet und wurde wieder nach Italien abgeschoben. Wegen der desolaten Verhältnisse in den dortigen Aufnahmezentren kehrte sie erneut nach Deutschland zurück und befindet sich jetzt im stillen Kirchenasyl in St. Matthäus.

Das Bundesamt ist darüber ebenso informiert wie die Ausländerbehörde des Landkreises. Landkreissprecher Burkhardt Riepenhoff bestätigte den Vorgang und verwies auf die Vereinbarung des Bundesamtes mit den Kirchen. „Diese Regeln sehen die Einreichung eines Dossiers mit Schilderung von Härtegründen beim BAMF über hochrangige Kirchenvertreter vor.“ Der Landkreis käme erst wieder ins Spiel, wenn das Bundesamt das Dossier bewertet habe.

Eigener Merkzettel

In der Tat sind die Kirchen für solche Asyle gut vorbereitet. Die Caritas in Niedersachsen hat einen eigenen Merkzettel herausgegeben. Darin werden Begründungshilfen gegeben, warum „genau für diesen Flüchtling – wo es doch so viele andere gibt – ein Kirchenasyl durchgeführt werden soll.“ Außerdem werden konkrete Dinge wie Unterbringung, Finanzierung, medizinische Versorgung, Kinderbetreuung und rechtliche Begleitung angesprochen. Die Nichtöffentlichkeit des stillen Kirchenasyls habe sich zudem bewährt: „So wird es möglich im Kontakt mit den Behörden – ohne Gesichtsverlust für eine Seite – Lösungen zu finden“, heißt es in der Caritas-Handreichung. Zur Verfügung gestellt wird auch ein Erfassungsbogen für die persönlichen Daten des Flüchtlings, der über das katholische Büro Niedersachsen an das zuständige Referat im Bundesamt weiter geleitet wird.

445 Asyle bundesweit

Osnabrücks Bistumssprecher Hermann Haarmann zählt sechs Kirchenasyle auf, die es im vergangenen Jahr in seinem Bistum gegeben hat. Ein Jahr zuvor waren es nach Angaben der Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft „Asyl in der Kirche“ bundesweit 692 Kirchenasyle in beiden Kirchen, davon 52 in katholischen. Zur Zeit sind es (Stichtag 17. April) 445 mit 674 Menschen.

Haarmann bezeichnet die Asyle im Bistum als „immer eine Ausnahme“, die nur als Ultima Ratio angewendet würden. Solche Asyle gingen auf eine christliche Tradition zurück. Gleichwohl seien Kirchengebäude keine rechtsfreien Räume. Das zeige auch die Zusammenarbeit mit den Behörden, womit die Flüchtlinge auch nicht als „untergetaucht“ gelten.

„Ohne öffentlichen Druck“

„Es geht bei den stillen Kirchenasylen vor allem darum, dass die Behörden den jeweiligen Fall ohne öffentlichen Druck in Ruhe prüfen können“, betonte Haarmann. Seine Kirche nehme sich dabei der Menschen an, bei denen besondere humanitäre und nachvollziehbare Gründe vorlägen.


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