Farbe kommt in der Natur nicht vor Blaue Lichter vergrämen Wildtiere in Melle

Von Christina Wiesmann

An Metallstäben werden die blauen Lichter in Felder oder Wiesen gesteckt. Carsten Kemna hat sie mit einem Infozettel versehen. Foto: Christina WiesmannAn Metallstäben werden die blauen Lichter in Felder oder Wiesen gesteckt. Carsten Kemna hat sie mit einem Infozettel versehen. Foto: Christina Wiesmann

Melle. Blaue Lichter, die auf Wiesen oder Feldern im Dunkeln blinken oder rotieren? Sie wurden sehr wahrscheinlich von den Ehrenamtlichen der Rehkitzrettung Osnabrücker Land aufgestellt. Hinter der Idee stecken der Gesmolder Carsten Kemna und Sven Pots aus dem benachbarten Nemden.

Die beiden sind ehrenamtlich im Einsatz und überfliegen unter anderem mit einer Drohne, die mit einer Wärmebildkamera ausgerüstet ist, Wiesen und Felder, um vor einer Mahd Rehkitze aufzuspüren und sie somit vor dem sicheren Tod durch das Mähwerk zu bewahren.

Im Einsatz sind in der Hauptzeit der Mahd zwischen Ende April und Mitte Juni aber auch rund 20 Metallstäbe, an deren Spitze blaue Lichter leuchten, sogenannte „Wildtier-Vergrämer“.

Leider verschwinden ab und an einige Exemplare. Dass die Lichter unter Umständen aus Unwissenheit entfernt werden, könnte ein Grund sein.

Tiere auf „Umwegen“

Carsten Kemna erklärt, welchen Zweck die Lichter haben: „Sie vergrämen Wildtiere und sorgen dafür, dass zum Beispiel Rehe einen bestimmten Bereich komplett meiden.“

Und weil die Rehkitzretter eng mit Landwirten und Jägern zusammenarbeiten, werden sie oft gerufen, bevor eine Wiese oder ein Feld gemäht werden soll. Dann werden am Abend zuvor die blauen Lichter aufgestellt, am frühen Morgen wird das Areal mit der Drohne überflogen und die integrierte Wärmebildkamera zeigt an, ob sich noch Kitze vor Ort befinden.

„Falls noch Rehkitze gefunden werden, werden sie aus dem Feld in einen anderen sicheren Bereich getragen“, erklärt Kemna. Die blauen Lichter werden danach wieder entfernt, und oft wartet schon unmittelbar danach der nächste Einsatz auf sie.

Nur für kurze Zeit

Die blauen Lichter stehen also nur für einen kurzen Zeitraum – meistens für eine Nacht – in den überwiegend ländlichen Gebieten. Die Lichter strahlen dabei so, dass sie die Wildtiere von einem zu mähenden Feld in sicheres Gebiet „umleiten“.

„Die Tiere werden natürlich nicht in Richtung Straße oder Autobahn geschickt“, sagt Carsten Kemna, „sondern in sichere Bereiche.“

Warum aber haben die Wildtiere solch eine Scheu vor dem blauen Licht? „Diese Farbe kommt in der Natur nicht vor“, weiß Carsten Kemna, „deshalb meiden die Tiere sie.“

Im vergangenen Jahr konnten mithilfe der blauen Lichter und mit dem Einsatz der speziellen Drohne im Bereich Bissendorf und Melle 18 Kitze gefunden und vor der Mahd aus dem Feld gebracht werden, berichtet Carsten Kemna weiter.

Ihm und seinen Mitstreitern ist sehr daran gelegen, diese Methode der Rehkitzrettung bekannt zu machen und die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, dass die Wildtiere nicht den sicheren Tod durch ein Mähwerk sterben müssen. Alles geschieht ehrenamtlich: „Wir werden nie mit dem Anspruch losgehen, Geld damit zu verdienen“, betont Kemna.

Interesse wecken

Das Interesse zu wecken, steht für die Rehkitzretter im Vordergrund. Denn ein Tier ins Mähwerk zu bekommen, ist auch für den Landwirt ein Drama. „Der Tag ist dann gelaufen“, weiß Kemna.

Weitere Informationen zur Rehkitzrettung und die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme gibt es unter www.rehkitzrettung.eu.