zuletzt aktualisiert vor

„Konflikt-Bibel“ ist erschienen Ein Meller Autor, der nie ein Buch schreiben wollte

Von Michael Hengehold


Buer.Als Seminarleiter hat er alles schon erlebt: „Von Standing Ovations bis mittags rausgeflogen“, gesteht Christoph Michalski freimütig. Nun, als Buchautor, ist der Name des Bueraners um ein Maria gewachsen. Und so reüssiert Christoph Maria Michalski mit dem Sachbuch „Die Konflikt-Bibel“ als Erstautor direkt im renommierten Gabal Verlag.

Er habe eben gelernt, mit seiner weiblichen Seite umzugehen, flachst Michalski, auf die wiedergeborene Maria angesprochen. Ein Mann des Wortes, das fällt schnell auf. Er selbst sagt „Mundwerker“. Und dass nicht jeder mit seiner polarisierenden Art zurechtkomme: „Meine Kantigkeit, ich nenne es meinen rostigen Charme.“ Und wenn er eines nie gewollt habe, dann ein Buch zu schreiben: „Ich bin ja Mundwerker, kein Schriftsteller.“

Für ein Sachbuch ist es erstaunlich unsachlich

Streng genommen hat er es nicht geschrieben, sondern diktiert. Einem Spracherkennungsprogramm. „Wenn ich es hätte tippen müssen, hätte ich es nicht geschafft. Weil ich ja Mundwerker bin.“ Mund-Art ist aber nicht direkt daraus geworden. Nun ja, in gewisser Hinsicht doch, weil, für ein Sachbuch ist es erstaunlich unsachlich. Und so arbeitet Michalski mit einem Kniff: Er lässt den fiktiven Leser Leo K. Absätze kommentieren. In Schreibschrift, direkt neben den Ausführungen. „Das erdet das Buch und meine rotzige Wortwahl.“

„Ich kann keinen Konflikt lösen“

Obwohl Fachmann für Streitfälle, versteht Michalski sich nicht als Konfliktlöser, sondern als Konflikt-Navigator, den Begriff hat er geprägt. Er führt durch den Schlamassel, beenden müssen ihn die Streithähne selbst. „Ich kann keinen Konflikt lösen. Ich kann dir sagen, wie du steuern musst, um ihn zu lösen.“ Und genau das, sagt Michalski, genau das fehlte der Streitschlichter-Szene bis jetzt.

Viele faszinierende Einzelteile aber nix Ganzes

150 Bücher hat er gelesen. „1000 Rezepte nach dem Motto: man nehme, rühre um, backe – fertig. Aber wie man das mischen muss, stand nirgendwo – bisher. So habe ich meine Lücke gefunden.“ Die er nun mit seinem Buch, einer Bibel gar, füllt. Und es ward „einzigartig, weil kein reines Sachbuch und kein reiner Ratgeber“. Bescheidenheits-Navigator an.

Viele faszinierende Einzelteile aber nix Ganzes hat der 56-Jährige in den Mit-Machwerken gefunden. Ob Ich-Botschaften gesendet werden sollen, das Aktive Zuhören angewandt wird oder das Harvard-Prinzip – Michalski vermisste eine Systematik, die er dem Leser nun anbieten möchte. „Wie der Konflikt in die Welt kam und wie Sie ihn steuern können“ lautet daher der Untertitel seines Werkes. Wäre es hingegen nur auf „das 501. Werk über Kommunikation“ hinausgelaufen, die Konflikt-Bibel wäre nie diktiert worden.

„Seminarhärte“ holen

Dabei kennt Michalski sich mit Kommunikation aus. Hat Erwachsenen-Pädagogik studiert, diverse Weiterbildungen absolviert (Stichwort Luxx-Profile -Persönlichkeits-Diagnostik) und sich in der Wirtschaft „die Seminarhärte“ geholt, von der andere nur träumen. Denn im Gegensatz zu vielen selbsterkannten Coaches, die Führungskräfte in Workshops upgraden wollen, war Michalski selber eine, hat bei einem Bildungsträger 700 Mitarbeiter als Geschäftsführer durchs Geschäft geführt. 2009 Absprung in die Selbstständigkeit. Da war der Geschäftsführer längst Trainer geworden, hatte das Seminar-Alphabet von A wie „Argumentation“ bis Z wie „Zeitmanagement“ so oft runtergeleiert, dass es Zeit wurde, die eigene Unverwechselbarkeit zu managen; das was er kann, aber die anderen eben nicht.

Früher ging er mit Malaisen um wie Lieschen Müller

Dazu muss man herausfinden, was das ist, dieses Alleinstellungsmerkmal. Selbst dafür gibt es Fachleute, Positionierungs-Experten heißen die und sind teuer, wenn sie es drauf haben. Michalski zahlte und fand sein Ding: Konflikte. Früher ging er mit Malaisen um wie Lieschen Müller: „Vermeiden, umgehen, dann Machtwort sprechen.“ Heute schreibt er Fachliteratur darüber. Mittlerweile hat der Mundwerker, der nie ein Buch schreiben wollte, das nächste schon in Arbeit. Thema: Führung in der digitalisierten Arbeitswelt.

Über das Buchdebut hat der stellvertretende Chefredakteur des Fachmagazins „Manager Seminare“ gesagt: „Es ist wunderbar skurril, aber es steht trotzdem etwas drin“. Fand Michalski gut, hat er gefragt, ob er damit werben dürfe. Darf er.