Wie arbeiten Familienzentren? Wenn Meller Eltern Erziehungshilfe im Alltag brauchen

Von Marita Kammeier


Melle. „Eltern sind heute oft im Erziehungsalltag überfordert und haben das gesunde Bauchgefühl verloren“, sagt Ulrike Eickmeyer, Leiterin des Familienzentrums St. Marien. Dafür gibt es das Angebot der individuellen Elternbegleitung und -unterstützung, das weiter ausgebaut werden soll.

Offene Türen empfangen die Besucher im „Haus für Kinder und Familien“ am Schürenkamp, das unter der Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde St. Matthäus steht. Im großzügigen Eingangsbereich lädt ein offenes Elterncafé zum Austausch ein. Informationsstände weisen auf Kursangebote und Kontaktadressen für Fachleute hin.

Die Kindertagesstätte gibt es bereits seit 1945, am heutigen Standort seit dem Jahr 1955. Der Neubau mit Erweiterung zum Familienzentrum erfolgte im Jahr 2012. Heute ist die Einrichtung das ganze Jahr über in der Zeit von 7 bis 17 geöffnet, außer in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. Hier arbeiten 26 pädagogische Mitarbeiterinnen, die als Erzieherinnen und Sozialassistentinnen 126 Kinder und ihre Familien betreuen. Es gibt sechs verschiedene Gruppen, und etwa 90 Kinder essen dort mittags.

Hilfe in schwierigen Situationen

Das umfangreiche Kursangebot des Familienzentrums ohne die Kita nutzen jährlich etwa 1500 Personen. Es reicht von Koch- und Kreativtreffs, dem Vater-Kind-Frühstück, Erste-Hilfe-Kursen am Kind bis zu Fun-Elternkursen. Fun ist hier die Abkürzung für Familie und Nachbarschaft. „Was sollen wir tun“, fragen ratlose Eltern oft, die natürlich alle das Beste für ihre Kinder wollen, wenn es in klassischen Alltagssituationen beim Essen und Schlafen oder mit den Geschwistern nicht rundläuft. Väter fragen zum Beispiel: „Meine Frau fährt zur Kur. Allein schaffe ich das nicht“ oder „Ich bin alleinerziehend. Sie sind doch ein Familienzentrum, helfen Sie mir.“ Schwierige Situationen werden auch in Videofilmen nachgespielt, um so Mimik und Gestik zu verdeutlichen.

„Wir nehmen uns Zeit, und überlegen zusammen mit den Eltern, was verändert werden kann“, erläuterte Ulrike Eickmeyer die Arbeitsweise. Wichtig sei es in jedem Fall, den Kindern Grenzen zu setzen. Außerdem sei die gute Vernetzung ebenso hilfreich wie der zentrale Standort. „Mal eben ein Anruf im Familienbüro und rüberlaufen, um die Anträge auszufüllen.“

Rolle der Eltern stärken

Für die Angebote zur Elternbegleitung sind zusätzliche Ausbildungen und Qualifikationen notwendig, die bereits fünf Mitarbeiterinnen absolviert haben. Jedes Elterngespräch mit der gemeinsamen Suche nach Lösungen sei spannend, meinte Anke Vogt, die als Erzieherin und individuelle Elternbegleiterin arbeitet. „Eltern legen die Regeln fest. Wir unterstützen sie spielerisch und stärken ihre Rolle“, ergänzte Kollegin Manuela Pleister. Rückmeldungen von Familien lauten zum Beispiel: „Die Gespräche haben unsere Familie wieder näher zusammen geführt. Jetzt verstehen wir die Kinder besser und sind daher in der Lage, Konflikte einfacher zu lösen.“

Der nächste interessante Termin im Familienzentrum ist übrigens am 5. Mai. Unter dem Motto „Ein Erlebnistag mit Papa“ gibt es Spiel, Spaß, Abenteuer und Essen für drei Euro.