Erinnerungen und Reisepläne Heimattreffen der Grafschaft Glatz in Melle

Von Petra Ropers

Der Tisch mit alten und neuen Fotografien aus der schlesischen Grafschaft Glatz war einer der Anziehungspunkte im Gemeindehaus. Foto: Petra RopersDer Tisch mit alten und neuen Fotografien aus der schlesischen Grafschaft Glatz war einer der Anziehungspunkte im Gemeindehaus. Foto: Petra Ropers

Melle. Für viele Meller ist das lang gestreckte Dorf Ullersdorf in Schlesien noch immer ein Stückchen Heimat. Das zeigte sich jetzt auch wieder beim Heimattreffen in Melle.

„Hier war der Hof meiner Eltern.“ Inge Vogt deutet auf eine Markierung auf der historischen Landkarte. Wie an einer Perlenschnur reihen sich die Namen der Familien entlang der Straße auf. Seither hat sich in Ullersdorf einiges verändert.

Ullersdorf, Petersdorf, Herrnsdorf, Raumnitz: Mit den vier dicht beieinander liegenden Dörfern in der schlesischen Grafschaft Glatz fühlen sich die Besucher, die am Sonntag zum Heimattreffen im katholischen Gemeindehaus zusammenkamen, noch immer verbunden.

Im Februar 1946 mussten ihre Familien ihr Zuhause verlassen. Viele der Gäste im Gemeindehaus waren damals noch nicht einmal geboren. Nur wenige erinnern sich wie Hubertus Neumann selbst noch an die Zugfahrt im Viehwaggon, zusammengedrängt auf engstem Raum ohne Licht, Frischluft oder Heizung.

Ziel Emsland

Eigentlich hätte die Fahrt im Emsland enden sollen, erzählte Neumann. „In Melle sind wir nur gelandet, weil der Zug eine Panne hatte.“ Der Neuanfang in Melle sei nicht leicht gewesen. „Aber dann hat sich alles zum Guten entwickelt.“ Trotzdem hegten viele anfangs noch die Hoffnung, dass es irgendwann zurückgehen könnte, berichtete Inge Vogt. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Und es sollte bis 1970 dauern, bis das Heimat-Team eine erste Busfahrt in die Grafschaft organisieren konnte.

Weitere Fahrten folgten zunächst unregelmäßig. Doch seit gut 25 Jahren findet sich alljährlich eine interessierte Gruppe zusammen, die in Schlesien nach den eigenen familiären Wurzeln sucht oder auch nur die reizvolle Gegend sehen möchte. Schließlich gilt die Grafschaft Glatz als einer der landschaftlich schönsten Ecken Schlesiens. Und Hubertus Neumann als Reiseleiter versteht es immer wieder, das „schlesische Himmelreich“, wie es im Volksmund genannt wird, den Reiseteilnehmern kurzweilig nahezubringen.

Fotoapparat stets dabei

Der Fotoapparat ist dabei natürlich immer zu Hand. Und so luden beim Heimattreffen der Ullersdorfer, Petersdorfer, Herrnsdorfer und Raumnitzer unzählige Aufnahmen der Fahrten zusammen mit historischen Schwarz-Weiß-Fotos aus den eigenen Familienalben zum Stöbern ein. Zuvor hatte ein Gottesdienst in der St. Matthäus-Kirche das Treffen eingeläutet. Aus dem Emsland reiste dazu eigens Pastor Christoph Scholz an, dessen Familie ebenfalls Ullersdorfer Wurzeln hat.

Zwischen Mittagsimbiss und Kaffeepause blieb danach viel Zeit, um sich auszutauschen, die Fotografien anzuschauen oder auch die nächste Reise zu planen. Denn im Juni geht es erneut für eine Gruppe in die Grafschaft. Der Empfang in den Dörfern sei immer überaus herzlich, betont Inge Vogt. Und die freundliche Aufnahme trägt mit dazu bei, dass das Interesse an den Fahrten nicht abnimmt.


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