Sonderausstellung zu Fritz Wolf Kritischer Blick in Melle auf Kunst und Politik

Von Marita Kammeier

Den Karikaturisten Fritz Wolf überregional zu positionieren, das ist ein Ziel von Hermann Queckenstedt, Direktor des Diözesanmuseums. Fotos: Marita KammeierDen Karikaturisten Fritz Wolf überregional zu positionieren, das ist ein Ziel von Hermann Queckenstedt, Direktor des Diözesanmuseums. Fotos: Marita Kammeier

Melle. Am 8. Mai wäre er 100 Jahre alt geworden: Fritz Wolf, der langjährige Hauskarrikaturist des „Meller Kreisblatts“ mit sicherem Gespür für feinsinnigen Humor und ironische Kritik. Das nimmt der Kunstverein jetzt zum Anlass für eine Sonderausstellung, die jetzt eröffnet wurde.

„Eine große Schau für unseren kleinen Kunstverein“, begrüßte Barbara Manke die Gäste der Vernissage am Engelgarten. Es sei bereits die zweite kooperative Zusammenarbeit mit dem Bistum nach der unvergessenen Ausstellung des Künstlers und Priesters Kim En Joong. Zu sehen sind 80 Karikaturen, darunter Originalbilder und Reproduktionen. Folgen wie „Bilder aus der Provinz“, „Sonntagsmalerei“ und „Mit Dürer leben“ beeindrucken mit Witz und gelungenen Pointen.

„Jeden Morgen haben wir uns über seine Zeichnungen köstlich amüsiert. Jetzt gibt die Region alles, um die Erinnerung an den genialen Karikaturisten zu erhalten“, betonte Hermann Queckenstedt, Leiter des Kulturforums Dom und Direktor des Diözesanmuseums in seiner Einführung.

Band für Band

Die Ausstellung „Fritz Wolf und die Kunst“ sei exklusiv für den Meller Kunstverein entstanden. Band für Band sichtete Mitkurator Sebastian Scholtysek das Material der Neuen Osnabrücker Zeitung aus den früheren Jahren und scannte jede einzelne Zeichnung. Leider sind die in Blei gegossenen Werke aus den 50er- und 60er-Jahren nicht mehr vorhanden, da die Zeichnungen im Papierkorb landeten.

Fritz Wolf, geboren in einem katholischen Elternhaus in Mühlheim/Ruhr, kam als Illustrator nach Osnabrück. Dort arbeitete er für Zeitungen, Illustrierte wie „Stern“, „Brigitte“ und „Schöner Wohnen“ und Verlage. In seinen Zeichnungen bringt Wolf die Spannungsfelder auf den Punkt, kritisiert den Kunstbetrieb und die politische Szene mit Zeichnungen wie „Das ganze Kabinett nur Nullen“.

Die brotlose Kunst

Da wandelt sich das Selbstbildnis von Walter Ulbricht mal schnell im Spiegel zu Stalin. Selbstironisch spielte der Karikaturist mit dem Klischee der brotlosen Kunst. Dazu gehört die obligatorische Gitarre ebenso wie die Weinflasche, während sich die Muse leichtbekleidet auf dem Sofa rekelt.

Markus Wolf, heute Vorsitzender der Osnabrücker Fritz-Wolf-Gesellschaft, schaute seinem Onkel im Alter von 20 Jahren über die Schulter und erinnert sich: „Er hat jedes Thema angepackt und war durchaus bissig. Nach ersten angedeuteten Skizzen füllte er die Konturen mit Tinte aus und radierte das Überflüssige aus.“

Zu besichtigen ist die Ausstellung „Fritz Wolf und die Kunst“ noch bis zum 10. Juli im Kunstverein am Engelgarten, samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11Uhr bis 18 Uhr oder nach Absprache.