Sensibiliseren, nicht schockieren Meller Polizisten klären mit Unfallbildern auf

Von Simone Grawe

Das ist neu in Melle: Junge Polizisten klären Fahrschüler beim Theorieunterricht in der Fahrschule über Gefahren und Risiken im Straßenverkehr auf. Foto: Polizei MelleDas ist neu in Melle: Junge Polizisten klären Fahrschüler beim Theorieunterricht in der Fahrschule über Gefahren und Risiken im Straßenverkehr auf. Foto: Polizei Melle

Verkehrstote und Schwerverletzte bedeuten viel Leid. Hier setzt ein neues Projekt der Meller Polizei an: Junge Polizisten gehen in die Fahrschulen und informieren über die Risiken, denen junge Fahranfänger ausgesetzt sind.

Melle. „Wir wollen nicht schockieren, sondern sensibiliseren“, sagt Kai Matthießen, der das Projekt initiiert hat: „Es ist ein Thema, das uns sehr am Herzen liegt“, betont der Polizeibeamte, nachdem das Projekt nach einjähriger Vorbereitung gestartet ist. Beteiligt sind zehn Fahrschulen aus Melle, Belm und Bissendorf.

Emotionale Bilder

Diese erhalten jetzt regelmäßig beim Theorieunterricht Besuch von Kai Matthießen und weiteren jungen Kollegen des Einsatz- und Streifendienstes. Jeweils zwei Polizisten oder auch mehr informieren anschaulich, aber auch emotional mit Bildern und Videos von Unfällen, die in der Umgebung passiert sind, um das Gefahrenbewusstsein der künftigen Fahranfänger zu stärken.

Unerfahrenheit, mangelndes Gefahrenbewusstein, Risikobereitschaft, aber auch Ablenkung durch Handys: Die Ursachen, warum Fahranfänger überproportional in Unfälle verwickelt sind, sind vielfältig. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt lediglich acht Prozent, sie sind jedoch zu 14 Prozent an Unfällen beteiligt, die im Landkreis Osnabrück passieren: „Insgesamt ist die Entwicklung zwar positiv, die Zahlen gehen zurück. Allerdings werden fast 70 Prozent der Unfälle von Fahranfängern verursacht, und zwei von drei sind männlich, weil diese Gruppe risikobereiter ist“, erklärt Kai Matthießen.

Erfahrungsberichte aus erster Hand

Zu hohe Geschwindigkeit und ein zu geringerer Abstand: Das sind die Hauptursachen von Unfällen, in denen bis zu 24-jährige Fahrer verwickelt sind. Mit Erfahrungsberichten aus erster Hand zeigen die jungen Beamten auf, welche körperlichen, strafrechtlichen und finanziellen Folgen aus Unachtsamkeit oder Selbstüberschätzung entstehen können: „Wir wollen auch dazu animieren, gar nicht erst einzusteigen, wenn ein Fahrer als Raser bekannt ist“, führt Matthießen aus: „Tippen tötet“ – auch das ist mit Blick auf die Gefährlichkeit von Handys ein Aspekt der Präsentation. Auch das Thema Motorradunfälle wird darin aufgegriffen.

Nicht erst handeln, wenn die Fahranfänger auf den Straßen unterwegs sind, sondern direkt ansetzen, wenn der Führerschein gemacht wird, das ist die Intension des Projektes: „Prävention ist ein wichtiger Baustein, um einzugreifen“, weiß Matthießen. Als inzwischen fester Bestandteil in den Fahrschulen der Umgebung führen er und seine Kollegen die Präsentation vor. Dabei geht es nicht um bloße Abschreckung wie in den „Schock-Videos“. Vielmehr besteht in den Fahrschulen mit übersichtlichen Teilnehmerzahlen die Möglichkeit, sich auszutauschen und gezielte Fragen zu stellen.

„Das Projekt ist keineswegs zeitlich begrenzt, es soll fortlaufend angeboten werden“, erzählt der 31-jährige Beamte. Der Durchlauf ist unterschiedlich; wobei die Polizisten eine Fahrschule etwa im Rhythmus von eineinhalb bis zwei Monaten aufsuchen.

Sicher und unfallfrei fahren: Das wünschen sich die Initiatoren von dem Projekt, das finanziell von der Verkehrswacht unterstützt wird. Weiterer Kooperationspartner ist der Landkreis Osnabrück, der zur bestandenen Führerscheinprüfung einen Gutschein für ein Fahrtraining überreicht. 4000 Fahrschüler bestehen landkreisweit pro Jahr die Prüfung: „Leider machen von dem Angebot des Fahrtrainings nur wenige Gebrauch“, bedauert Kai Matthießen.

Erste Erfahrungen in den Fahrschulen zeigen, dass das Projekt gut ankommt: „Es ist sehr gut, dass die jungen Kollegen diese Eigeninitiative entwickelt haben und das Projekt in Melle stattfinden kann“, würdigt Christian Schulze, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes.