Ab dem Schuljahr 2018/19 Ratsschule richtet als erste Schule in Melle eine Tabletklasse ein

Von Karsten Grosser

An der Ratsschule Melle wird zum Schuljahr 2018/19 eine Tabletklasse eingerichtet. Michael Jäkel als Leiter der Projektgruppe demonstriert hier, dass man ein Bild vom iPad direkt auf das Whiteboard übertragen kann. Foto: Karsten GrosserAn der Ratsschule Melle wird zum Schuljahr 2018/19 eine Tabletklasse eingerichtet. Michael Jäkel als Leiter der Projektgruppe demonstriert hier, dass man ein Bild vom iPad direkt auf das Whiteboard übertragen kann. Foto: Karsten Grosser

Melle. Als erste Schule in Melle will die Ratsschule eine Tabletklasse einrichten. Im kommenden Schuljahr soll jeder Schüler mindestens einer neunten Klasse mit einem elternfinanzierten iPad ausgestattet werden.

Auflösung frontaler Unterrichtsstrukturen. Mehr Zeit für aktive Mitarbeit. Lernen im individuellen Tempo. Das sind nur drei der vielen Vorzüge, die Lehrer Michael Jäkel den Eltern und Schülern der achten Klassen der Meller Ratschule an diesem Abend erläutert. Der Leiter des Projekts „Tabletklasse“ wirbt für einen „Aufbruch in die Ära nach Gutenberg“, wie es während der ausführlichen Präsentation in der Aula der Oberschule heißt.

Die Idee: Jeder Schüler einer Klasse erhält ein eigenes und damit jederzeit verfügbares iPad, das so konfiguriert wird, dass Lernapps und webbasierte Lernumgebungen aufgerufen werden können. Und zwar so, dass jeder einzelne Schüler seinem Leistungsniveau angepasst arbeiten kann. „Wie sollen wir es denn machen in einer 30er Klasse, dass jeder auf seinem Niveau lernt – mit Arbeitsblättern?“, stellt Jäkel die herkömmlichen Methoden infrage.

Duell im Kopfrechnen

Wie es anders geht, zeigt er an diesem Abend, indem er seine Präsentation und Anwendungsbeispiele von seinem Tablet via W-Lan auf das Whiteboard überträgt. Mittels App konstruiert er in wenigen Sekunden die Mittelsenkrechten auf den Seiten eines Dreiecks, dann lässt er zwei Mütter im Duell kopfrechnen. Und schließlich meldet sich Musiklehrer Marc Selige im drahtlosen Netzwerk an und beginnt virtuelle Instrumente zu spielen. „Wir haben das Wissen der Welt auf dem Tisch liegen“, sagt Jäkel und betont zugleich, dass es auch weiterhin sinnvoll sein werde, mit Büchern und Arbeitsblättern zu arbeiten. Doch Tablets würden die methodischen Möglichkeiten deutlich erweitern. Bei der Entwicklung für ein pädagogisches Konzept erhält die Ratsschule unter anderem Unterstützung durch das Medienzentrum Cloppenburg und die Waldschule Hatten (Landkreis Oldenburg), die bei der Digitalisierung des Unterrichts schon einen Schritt weiter ist.

Pilotprojekt im künftigen Jahrgang 9

Auch wenn einigen Meller Vätern und Müttern an diesem Abend noch ein wenig Skepsis im Gesicht steht, das Interesse der Eltern und Schüler ist geweckt. Für Schulleiter Ludger Jansen und Jäkel ist nach den ersten Rückmeldungen klar: Mindestens eine Tabletklasse wird im Schuljahr 2018/19 an der Ratsschule starten. Zunächst soll das Pilotprojekt nur in den künftigen neunten Klassen ausprobiert werden. Die rund 70 Schüler des jetzigen dreizügigen achten Jahrgangs werden im Sommer eh neu eingeteilt in Real- und Hauptschulzweig. Jansen sähe es gerne, wenn in jedem Zweig eine Tabletklasse zustandekommen würde. Für den Realschulzweig sieht er es bereits als gesichert an, wenngleich verbindliche Anmeldungen erst Ende Mai oder Anfang Juni abgefragt würden.

Einstimmige Unterstützung des Schulelternrats

Bereits im Vorfeld hatte der Schulelternrat (SER) dem Projekt einstimmig Unterstützung zugesagt. Dem SER-Vorsitzenden Siegfried Rahe gefällt es vor allem, dass die Schüler mit Tablets sowohl mehr als sonst selbst entwickeln als auch differenzierter und vernetzt arbeiten könnten. Indes sei es den Eltern in diesem Gremium wichtig, dass die Kinder bei aller Technik nicht die Grundfertigkeiten verlernen. Es dürfe nicht ausschließlich mit Tablets hantiert werden, sagt Rahe.

Wie teuer werden die Geräte?

Welche Geräte sollen es eigentlich werden? Die iPads, für die sich die Ratschule entschieden hat, müssten von den Eltern finanziert und versichert werden. Entweder zur Miete, als Mietkauf oder als Kauf mit Einmalzahlung (ab 429 Euro). Geeignete Tablets könnten über einen Zeitraum von zwei Jahren ab 16,39 Euro monatlich finanziert werden – inklusive Versicherung und Servicepauschale. Jäkel betont, dass es für die Schüler keine Möglichkeit geben werde, ein iPad kostenlos zu erhalten. Einerseits versprechen sich die Pädagogen dadurch einen sorgsameren Umgang mit den Geräten, zum anderen liefen bei Schule und Schulträger keine zusätzlichen Kosten auf. Gleichwohl merkte Jäkel an, dass es für bedürftige Familien gegebenenfalls auch eine Förderung geben könne.

Die benötigten Apps würden von der Schule gekauft werden, erklärt Jäkel. Zudem würde die Schule unter Berücksichtigung des Datenschutzes das Gerätemanagement der iPads vornehmen, sodass immer die nötige Software zur Verfügung steht. Aus diesem Grund müssten die Geräte auch bei zertifizierten Händlern geordert werden.

Die Stadt Melle als Schulträger ist gespannt

Die Stadt Melle als Schulträger verfolgt die Entwicklung an der Ratsschule gespannt: „Bundesweite Erfahrungen lassen erkennen, dass durch den Einsatz der Tablets die Motivation zum selbstständigen Lernen sichtbar gesteigert werden kann“, weiß Stadtsprecher Jürgen Krämer. Die Schüler unternähmen einen großen Schritt in Richtung Digitalisierung – und übernähmen damit mehr Verantwortung für ihr eigenes Lernen.

Nach Meinung von Schulleiter Jansen helfe das Einrichten einer Tabletklasse dabei, die Kinder besser auf das zunehmend digitalisierte Berufsleben vorzubereiten. Zumal es immer mehr Haushalte gebe, in denen wegen des Siegeszuges des Smartphones kein PC mehr zur Verfügung steht. Jansen bezeichnet das Lernen mit mobilen Endgeräten als notwendige Konsequenz, schließlich sei jeder Klassenraum der Ratschule mit einem Whiteboard ausgestattet.

Weitere Tabletklassen ab dem Schuljahr 2019/2020

Die erste Tabletklasse soll erst der Anfang sein. Michael Jäkel blickt bereits auf das Schuljahr 2019/2020 voraus. Dann könnten bereits die dann siebten Klassen mit iPads ausgestattet werden. Wegen des dann vierjährigen Finanzierungszeitraums würden die monatlichen Kosten für die Geräte sogar noch sinken.