Goldmedaille und ein Geschenk Die Amtskette des Meller Bürgermeisters

Von Uwe Plaß


Melle. In vielen Ländern sind Amtstrachten oder wenigstens Insignien für hohe Beamte oder Mandatsträger üblich. Beispielsweise würde kein französischer Bürgermeister bei offiziellen Anlässen auf seine Schärpe mit der Trikolore verzichten. In Deutschland existiert eine solche Tradition so nicht.

Dennoch, auch hierzulande gibt es viele Städte, die für ihre Bürgermeister eine Amtskette bereithalten. Sofern vorhanden werden diese aber für gewöhnlich sehr sparsam verwendet. Nur wenn es – salopp gesagt – richtig staatstragend wird, kommen die Pretiosen zum Einsatz. Auch die Meller Bürgermeister haben bisher so verfahren.

Interessante Geschichte

Die Meller Amtskette hat eine durchaus interessante Entstehungsgeschichte, die mittelbar mit dem zweiten Bundespräsidenten, Heinrich Lübke, zusammenhängt. Die Stadt Melle hatte sich nämlich 1965/66 an dem Wettbewerb „Bürger, es geht um Deine Gemeinde“ beteiligt. Auf Landesebene musste man sich lediglich Hemmingen-Westerfeld geschlagen geben. Allerdings berechtigte auch der zweite Platz zur Teilnahme am Entscheid auf Bundesebene. Hier konnte die Meller Bewerbung vollends überzeugen. Die Elsestadt wurde mit einer Goldplakette ausgezeichnet, die auch heute noch im Rathaus hängt.

„Vorbildlich“

Vorrangig ging es bei dem Wettbewerb darum, Gemeinden mit vorbildlicher städtebaulicher Planung und Entwicklung auszuzeichnen. Viele der Punkte, die die Jury hervorhob, erscheinen uns heute selbstverständlich. Eine vorausschauende Nahbereichsplanung, ein Flächennutzungs- und Wirtschaftsplan sowie mehrere Bebauungspläne wurden ebenso positiv bewertet wie die Beteiligung der Einwohner an diesen Projekten. Auch die öffentlichen Einrichtungen der Kreisstadt wurden als gelungen betrachtet. Darüber hinaus wurde den Meller Bürgern ein hohes Maß an demokratischer Mitwirkung sowie Engagement bei Pflege und Entwicklung ihrer Stadt bescheinigt. Man sah daneben einen gelungenen Mix bei der Bewahrung denkmalwürdiger Bausubstanz und der Schaffung neuer Wohn- und Gemeinschaftsanlagen. Letzteres befremdet aus heutiger Sicht, da gerade in den 1960-er Jahre ein massiver Raubbau am Stadtbild betrieben wurde. Auf zehn Seiten kam die Jury letztlich zu dem Schluss: Die Kreisstadt Melle erfüllt ihre Aufgaben in vorbildlicher Weise und wird sogar für den Fremdenverkehr immer interessanter.

Mit Stolz zurück nach Melle

Am 8. Dezember 1966 war dann der große Moment in Bad Godesberg. Bürgermeister Zeese und Stadtoberamtmann Fromme nahmen aus der Hand von Bundespräsident Heinrich Lübke eine Goldmedaille entgegen. Leider sind von dieser Veranstaltung keinerlei sprachliche Stilblüten des dafür legendären Präsidenten überliefert. Zurück im Grönegau war man zurecht stolz auf diejenigen, die viel Zeit und Mühe in den so erfolgreichen Wettbewerb investiert hatten. Dies kam auch in der folgenden Sitzung des Stadtrats zum Ausdruck. Nachdem der Bürgermeister ausführlich die Preisverleihung geschildert hatte, überbrachte Landrat Röhr den Dank und die Anerkennung des Kreises Melle. Er kam allerdings nicht mit leeren Händen, sondern mit einem echten Überraschungsgeschenk: Eine massiv silberne Amtskette für den Bürgermeister. Diese besitzt zwei Medaillons mit dem Meller Rad und dem Niedersachsenross sowie zwei kleine Wappen des Kreises Melle. Das Meller Stadtoberhaupt sollte im Vergleich zu Kollegen aus anderen Kommunen nicht zurückstecken müssen. Typisch deutsch war allerdings die Reaktion des stellvertretenden Bürgermeisters. Er verwies darauf, dass es in Melle noch keine Satzung bzgl. des Tragens einer Amtskette gab. Interfraktionell beschloss man daher, dem Bürgermeister bis dahin das Tragen der Kette zu offiziellen Anlässen zu gestatten.