Onkel von Jérôme und Kevin-Prince Meller Daniel Boateng und seine berühmten Fußball-Neffen

Von Heike Dierks


Melle. Berühmtere Fußballer-Neffen kann man wohl kaum haben: Daniel Boateng aus Melle ist der Onkel der beiden Bundesliga-Profis Jérôme und Kevin-Prince Boateng.

Daniel Boateng hat sie mal getroffen, doch das ist viele Jahre her. „Jeder lebt sein Leben. Sie haben beide ihren Weg gefunden.“ Er verfolgt die Karrieren der beiden Halbbrüder am Fernseher. Oder er hört etwas von seinem Cousin, dem in Berlin lebenden Vater der Stars.

Die Wurzeln der Boatengs liegen in Ghana. Der gebürtige Berliner Jérôme wuchs bei seiner deutschen Mutter auf, sein ghanaischer Vater Prince Boateng trennte sich von der Mutter. Prince Boateng ist auch der Vater von Jérômes älterem Halbbruder Kevin-Prince. Und Prince Boateng ist der Cousin von Daniel, der seit gut 28 Jahren in Melle lebt und bei der Firma Melos arbeitet. Der 52-Jährige ist beim Meller Granulathersteller in der Produktion beschäftigt.

Einst in Ghana Fußball gespielt

Vor seinem Aufbruch nach Europa spielte er einst in Ghana ebenfalls Fußball für eine Auswahl in der dritten Liga. „Doch das ist lange her“, lacht Daniel Boateng. Bei seinem heutigen Arbeitgeber hat er im Firmenteam gekickt und an Betriebsmannschaftsturnieren teilgenommen. Inzwischen beschränkt sich seine Fußballleidenschaft auf TV-Übertragungen von Bundesliga-, Champions-League- und Länderspielen. Ob er die aktuellen Champions-League-Auftritte von Jérôme mit dem FC Bayern sehen kann, hängt von seinem jeweiligen Schichtdienst ab.

Daniel Boatengs Neffe wurde bei Tennis Borussia Berlin und Hertha BSC ausgebildet, wechselte zum Hamburger SV, zu Manchester City und spielt jetzt für den FC Bayern München. Mit dem Rekordchampion ist der Verteidiger seit 2013 jedes Jahr deutscher Meister geworden, hat 2013 die Champions League und 2014 mit der deutschen Nationalelf den WM-Titel gewonnen. Auch in dieser Saison ist der FCB noch in allen wichtigen Wettbewerben vertreten; mit dem Nationalteam strebt der 29-Jährige im Sommer 2018 in Russland die WM-Titelverteidigung an.

Mit seinem Halbbruder lief Jérôme schon für Hertha BSC Berlin gemeinsam in der Bundesliga auf. Doch dann startete Kevin-Prince seine Europa-Odyssee mit den Stationen Tottenham Hotspur, Borussia Dortmund, FC Portsmouth, AC Mailand, FC Schalke 04 und UD Las Palmas. Der 31-jährige Mittelfeldspieler ist auf gutem Weg, mit seinem aktuellen Club Eintracht Frankfurt einen Startplatz für einen europäischen Wettbewerb zu ergattern. Kevin-Prince spielte einst für die deutschen Jugendnationalmannschaften, entschied sich aber später, für Ghana aufzulaufen. Bei der WM 2010 in Südafrika kam es im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland zum Aufeinandertreffen mit Jérôme. Es war das erste Duell zweier Brüder bei einer Fußball-Weltmeisterschaft.

Einsatz gegen Rassismus

Kevin-Prince Boateng setzt sich in dieser Saison besonders wahrnehmbar gegen Rassismus ein. Und sein Onkel tut es ihm gleich: Im Rahmen der internationalen Aktionswochen gegen Rassismus sendete Daniel Boateng mit der Melos-Belegschaft gerade ein Signal gegen Populismus und Fremdenfeindlichkeit. Er finde es gut, dass Kevin-Prince bei dem Thema voranschreite, so der Onkel.

Und wie geht die diesjährige WM aus? „Deutschland gewinnt“, erklärt der 52-Jährige lachend. Jedenfalls werde er die Daumen drücken. Weil Ghana nicht qualifiziert ist, stellt sich die Sympathie-Frage gar nicht erst. Doch egal ob seine Neffen auf dem Platz stehen oder nicht: Boateng betet für jeden Spieler, dass er sich nicht verletzen möge.