Theaterreife Vorstellung vor Gericht Diebestour durch Meller Geschäfte

Von Christina Wiesmann

Vor dem Landgericht Osnabrück wurde gestern der Prozess gegen eine 37-Jährige aus Bielefeld fortgesetzt, die in mehreren Meller Geschäften auf Diebestour gegangen sein soll. Symbolfoto: Michael GründelVor dem Landgericht Osnabrück wurde gestern der Prozess gegen eine 37-Jährige aus Bielefeld fortgesetzt, die in mehreren Meller Geschäften auf Diebestour gegangen sein soll. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück/Melle. Eine 37-Jährige aus Bielefeld muss sich aktuell vor dem Landgericht Osnabrück verantworten. Sie war vom Amtsgericht Osnabrück wegen Diebstahls zu einer saftigen Geldstrafe von über 6000 Euro verurteilt worden. Die Frau hält aber daran fest, unschuldig zu sein und legte deshalb gegen das Urteil Berufung ein.

Die Anklage wirft der Bielefelderin vor, am 18. Januar 2017 mit einer 39-jährigen Komplizin in mehreren Meller Geschäften eine Diebestour unternommen zu haben. Die Angeklagte betonte am Montag mehrfach, dass nicht sie, sondern die Bekannte geklaut haben soll. Diese ist bereits verurteilt und machte in ihrer Zeugenaussage kein Geheimnis um ihre Diebstähle. „Ja, das stimmt, ich klaue“, sagte die Komplizin aus. Sie habe damit seit vielen Jahren ein Problem und sei auch entsprechend in ärztlicher Behandlung. Dass sie sich an besagtem Januartag in Melle ohne zu bezahlen die Taschen vollstopfte, gab sie offen zu. Sie betonte aber auch: „Wir haben uns beide Sachen ausgesucht und dann eingesteckt.“

Angeklagte plaudert aus dem Nähkästchen

Und dann plauderte sie aus dem Nähkästchen: In einem Sonderpostenmarkt hätten sich beide Frauen dazu entschlossen, etwas zu stehlen. Sie selbst habe die Sachen dann portionsweise und ohne zu bezahlen in das Auto der Angeklagten gebracht. Die Diebestour wurde dann in einem Bekleidungsgeschäft und in einem Supermarkt fortgesetzt, Waren im Wert von fast 1000 Euro konnte die Polizei schließlich sicherstellen, nachdem die beiden Gaunerinnen zwei Ladendetektiven in einem Meller Supermarkt ins Netz gegangen waren.

Die Ladendetektive verfügen über verschiedene Aufnahmen von Überwachungskameras und werden diese dem Gericht zur Verfügung stellen. Ihren Angaben nach sei darauf eindeutig zu erkennen, dass die Angeklagte selbst aktiv am Diebstahl beteiligt gewesen sei: „Die haben gemeinschaftlich viele Sachen genommen“, erklärte einer der Detektive, als er eine kurze Sequenz der Überwachungsaufnahmen aus dem Supermarkt dem Richter auf einem iPad vorspielte.

3000 Euro geliehen

Die Angeklagte zeterte hingegen nur gegen ihre Komplizin: „Ich habe ihr Geld geliehen. 3000 Euro insgesamt und ich habe nur 700 Euro zurückbekommen.“ Dass diese Unterstellung eine Lüge sein soll, befand die 39-Jährige im Zeugenstand und konfrontierte das Gericht mit einigen Drohungen, die die Angeklagte gegen sie per SMS losgelassen hat: „Ich sollte alle Schuld auf mich nehmen. Sie wollte ein sauberes Führungszeugnis wegen ihrem Pflegekind behalten und hat alles versucht, damit ich hier heute nicht aussage“, meinte die Zeugin. Die Angeklagte schimpfte: „Die ist verrückt und will mir nur schaden. Sie hat sogar behauptet, dass ich mit meinem Pflegekind Kinderpornos drehe und das Jugendamt eingeschaltet ist. Die ist einfach nur krank!“

„Das ist hier theaterreif“, stellte der Staatsanwalt klar. Am 17. April wird es weitergehen. Dann sollen voraussichtlich die Aufnahmen der Überwachungskamera vorgeführt werden. Zudem überlegt das Gericht, sich den kompletten SMS-Verlauf zwischen den beiden Frauen zu beschaffen.