Serie: Raubvögel im Grönegau Rotmilan nach seiner Heimkehr in Melle beobachtet

Von Sigrid Sprengelmeyer

Sie läuten den Frühling ein. Seit ein paar Tagen ist der Rotmilan aus seinem Winterquartier in Spanien zurück bei uns in Melle. Foto: Norbert WolfSie läuten den Frühling ein. Seit ein paar Tagen ist der Rotmilan aus seinem Winterquartier in Spanien zurück bei uns in Melle. Foto: Norbert Wolf

Melle. Mit dem Gedanken daran, den Artikel über den Rotmilan fertigzustellen, schweifte mein Blick während meiner Fahrt nach Melle, kurz in die Lüfte. Ein Greifvogel zog elegant segelnd, den Blick gen Boden gerichtet, seine Kreise. Ich erkannte ihn sofort an seinem charakteristischen tiefgegabelten Schwanz und an seinem rotbraunen Gefieder.

Es war, als kehrte ein alter Freund zurück und ein Lächeln huschte über mein Gesicht. Ich erinnerte mich an die Worte von Volker Tiemeyer, Vorstandsmitglied der Stiftung für Ornithologie und Naturschutz, dass der Rotmilan in den nächsten Tagen bei uns in Melle eintreffen werde.

Wendigkeit beim Flugmanöver

Mit einer Flügelspannweite von bis zu 170 Zentimetern übertrifft er den Habicht und den Mäusebussard. Viele kennen ihn auch als Gabelweihe. In Melle gibt es sechs bis zehn Brutpaare. Melle gehört zu der nordwestlichen Verbreitungsgrenze dieses Greifvogels. „In Ostfriesland und im Emsland gibt es ihn nicht mehr“, berichtet Volker Tiemeyer. In Deutschland werden annähernd 60 Prozent der Weltpopulation ausgebrütet. Die Verantwortung und Fürsorge für den, auf der niedersächsischen Roten Liste als „stark gefährdet“ stehenden Greifs, wird somit den nationalen Verbänden übertragen.

Eine Vorliebe des Rotmilans ist die offene strukturreiche Kulturlandschaft. Hier ist er auf Wiesen, Weiden, Feldern und Flüssen, Seen und Waldrändern zu finden. Für seinen Beuteflug legt er oft sehr große Strecken zurück, denn der Aktionsraum um seinen Horst kann bis zu über 200 Quadratkilometer umfassen. Er mag es nicht, aus dem Ansitz heraus zu jagen. Lieber erspäht er seine Beute aus einem eleganten Gleitflug heraus und schlägt sie, ohne sich dabei auf dem Boden niederzulassen. Seine rund 6100 Federn und sein Leichtgewicht, das ein ausgewogenes Verhältnis zu Federkleid, Skelett und Muskelmasse hat, begünstigen die Wendigkeit seiner Flugmanöver.

Großes Nahrungsspektrum

Sein Nahrungsspektrum ist groß und besteht aus Aas, Kleinsäugern, Regenwürmer, Vögel, Fische, Frösche, sowie aus Abfällen. Oft sind die Greifvögel über Mülldeponien zu beobachten. „Er bevorzugt heutzutage frischgemähte Flächen. Hier kann er sich für kurze Zeit an einen wunderbar gedeckten Tisch setzen. Je nach Größe des Aktionsgebietes fliegt er auch schon mal 35 Kilometer weit, um so einen „gedeckten Tisch“ abzuräumen“, berichtet Volker Tiemeyer.

„Die Kooperation Lebensraum und Artenschutz Melle (KLAr) ist ein Verbund der Stiftung für Ornithologie und Naturschutz, des Kreislandvolkverband Melle, der Jägerschaft Melle, sowie der Stadt Melle. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, den Rotmilan zu unterstützen, indem sie auf freiwilliger Basis Grünland fördert und die Staffelmahd empfiehlt. Auch ist es ihr ein Anliegen die Horste zu erhalten, da diese im nächsten Jahr wiederbesetzt werden. „Im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit macht die Kooperation auf die Situation des Rotmilans aufmerksam“, so Tiemeyer weiter. Wenn der Rotmilan Anfang März aus seinem Winterquartier in Spanien nach Melle heimkehrt, beginnt er im April mit der Balz.

Horst in hohen Bäumen

Auch versucht er, sein Weibchen durch spektakuläre Flugspiele zu beeindrucken. Der Rotmilan lebt monogam. Auch wenn das Paar im Winter getrennte Wege geht, treffen sie sich im April in Melle zur Balz. Beim Horstbau legt der Rotmilan anscheinend großen Wert auf den Einbau von schwer verrottendem Material. In hohen Bäumen, am Rand von Gehölzen, baut er auf dem zweiten Drittel seinen Horst. Dabei benutzt er neben Naturmaterial auch Lumpen, Plastik und Papier. Ein Vogel, der vieles noch verwerten kann. Er scheint umweltbewusster zu sein als der Mensch. Im August, nach der Aufzucht seiner Jungen, zieht es ihn wieder, getrennt von seinem Weibchen, in die Ferne.