Ohne Medikamente groß geworden Kräuterfachfrau aus Melle schätzt die Hausapotheke

Von Christina Wiesmann


Melle. Am Johannisweg in Wellingholzhausen, weit weg von Trubel und Verkehrslärm, lebt Karin Hilbrenner. Die Kräuterfachfrau hegt in der Abgeschiedenheit am Waldrand einen wunderschönen Kräutergarten.

Wellingholzhausen. Die Pflanzen, die die Natur ihr rund ums Jahr schenkt, nutzt sie auch, um ihre bewährte Hausapotheke zu füllen.

„Ich bin nicht mit Medikamenten groß geworden“, erzählt sie. Ihre Familie kuriert seit Generationen verschiedene Krankheiten und Wehwehchen mit pflanzlichen Medikamenten, selbst angesetzten Tinkturen und Tricks, die stets weitergegeben wurden. „Ich habe es auch so übernommen“, sagt Karin Hilbrenner dazu.

Stets frisch essen

Sie rät, regional, stets frisch und vor allem der Jahreszeit angepasst zu essen: „Ein gut ernährter Körper heilt auch von allein“, weist sie auf die wichtigen Selbstheilungskräfte hin.

Und wenn es einen doch einmal erwischt? „Dann habe ich in meiner Hausapotheke immer alles da“, erklärt die Kräuterexpertin vom Wedeberg lächelnd.

Mit Mädesüß oder Weidenrinde und 38-prozentigem Korn setzt sie eine Tinktur an, die sechs Wochen ziehen muss und danach bei Kopfschmerzen helfen soll. „Einen Teelöffel davon in ein Glas Wasser geben und trinken.“

Über Melissengeist weiß sie: „Der hilft bei vielen Sachen, sei es Kopfschmerzen oder Menstruationsbeschwerden, Bauchschmerzen oder allgemeinem Unwohlsein.“

Bei Husten greift sie auf ihren selbst gemachten Hustensirup zurück: Klein gewürfelte Zwiebeln, die mit Kandis bedeckt werden und so nach kurzer Zeit zu einem Sirup durchziehen. „Das hat immer geholfen und tut gut. Geschmacklich ist es aber nicht jedermanns Sache“, lautet die ehrliche Meinung.

Von ihrer Oma weiß Karin Hilbrenner, dass bei Nacken- oder Rückenschmerzen Heu in einen Kissenbezug gestopft wurde und dieser dann im Backrohr erhitzt wurde und anschließend die schmerzende Stelle wärmte.

Heiße und gestampfte Kartoffeln, in ein Leinentuch gepackt, wärmten den Hals bei Halsschmerzen. „Wobei ich mich erinnere, dass bei einer Mandelentzündung zum Beispiel auch der Fettlappen genutzt wurde.“

Und da muss die Wellingholzhauserin herzlich lachen. „Den nutze ich heute allerdings nicht mehr“, sagt sie über den Lappen, der mit Schweineschmalz eingerieben und um den Hals gelegt wurde. „Der Geruch war sehr gewöhnungsbedürftig.“

Trockene Haut, rissige Hände und Verletzungen kuriert Karin Hilbrenner mit ihrer selbst gemachten Ringelblumensalbe. Und eine Salbe, natürlich selbst angesetzt, aus Beinwell, Sonnenblumenöl, Palmfett und Bienenwachs hilft bei Beulen oder blauen Flecken.

Holundersaft von Früchten aus dem eigenen Garten ist im Herbst und Winter eine „tolle Stärkung für das Immunsystem“, und einem rohen Ei, in einem Glas mit Rotwein verschlagen, wird eine kräftigende Wirkung nachgesagt.

Warum aber greifen heute so viele Menschen gleich auf Medikamente und Chemie zurück, um ihren Körper zu heilen? „Ich denke, es ist reine Bequemlichkeit“, sagt Karin Hilbrenner ein wenig betrübt. Dass es inzwischen immer mehr Menschen gibt, die sich für pflanzliche Alternativen interessieren, macht sie hingegen sehr froh. Sie gibt ihr Wissen rund um nützliche und heilende Kräuter in Kursen weiter. Nähere Informationen dazu auf www.kraeuter-am-wedeberg.de.