Ebay-Fundstück umfunktioniert Warum es in Melle Blumensamen in einem Kaugummiautomaten gibt

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Vor Georges Bioladen in Melle steht ein früherer Kaugummiautomat, der nun mit Saatgut gefüllt ist. Foto: Karsten GrosserVor Georges Bioladen in Melle steht ein früherer Kaugummiautomat, der nun mit Saatgut gefüllt ist. Foto: Karsten Grosser

Melle. Blumensamen in einem Kaugummiautomaten – seit einigen Tagen steht ein bunter Apparat in der Meller Mühlenstraße, dessen Inhalt weniger zum Kauen, sondern vielmehr zum Säen gedacht ist. Zehn Cent genügen, um eine Handvoll künftige Blühwiese mit nach Hause zu nehmen. Wer hat den Automaten aufgestellt? Und warum?

Der linke Schlitz verlangt 50 Cent. Wer den einstigen Kaugummiautomaten vor Georges Bioladen in der Meller Mühlenstraße mit einem solchen Geldstück füttert und dann den Hebel dreht, erhält rund drei bis vier Gramm „Osnabrücker Mischung“. So heißt das regiozertifizierte Saatgut, das auf Initiative des Osnabrücker Bienenbündnisses unter anderem mitentwickelt wurde von Kathrin Kiel, Professorin für Vegetationsökologie und Botanik an der Hochschule Osnabrück. Wer es sät, erhält eine Blühwiese mit Pflanzen wie dem Gemeinen Odermennig oder dem Knotigen Braunwurz. Eine Blühwiese, die dem Insekten- und insbesondere dem Bienensterben entgegenwirken soll. Die Idee, einen Automaten umzufunktionieren hatte der Meller Naturschützer Kai Behncke, der damit unter anderem für das Projekt „Blumiger Landkreis Osnabrück“ werben möchte.

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Für etwa 70 bis 80 Euro habe er den Kaugummiautomat bei Ebay ersteigert, sagt Behncke. Ein Modell aus den 1980er Jahren, jetzt auffallend bunt gestrichen. Eigentlich habe er das Saatgut portionieren und in kleine Plastikdöschen abfüllen wollen, um diese dann im Automaten anzubieten. Doch trotz langer Tüfteleien habe es nicht geklappt. „Die Döschen waren zu sperrig“, erklärt Behncke. Nur jedes zweite sei herausgekommen. Deshalb gibt es das Saatgut nun lose. „Vorsicht! Das Saatgut kommt ohne Verpackung heraus“, warnt entsprechend eine Beschriftung am Automatenfenster. Für rund zwei Quadratmeter reiche eine Einzelmenge aus. Behncke empfiehlt, es im heimischen Garten auszuprobieren. „Auf einer kleinen sonnenreichen Fläche ohne Gras die Samen leicht anklopfen“, rät der Experte. Blühten die Pflanzen erst einmal, würden sie wie ein Magnet Tiere anziehen, nicht nur Insekten.

Wer Saatgut aus diesem Automaten ziehen möchte, hat die Auswahl zwischen der „Osnabrücker Mischung“ und der „Blühenden Landschaft Nord“. Foto: Karsten Grosser

Neben der „Osnabrücker Mischung“ gibt es im Automaten auch die Sorte „Blühende Landschaft Nord“. Eine Handvoll davon kostet 10 Cent. Dieses Saatgut enthalte pollenreichere Pflanzen, die gut für Wildbienen seien, sagt Behncke. Er selbst hatte die Aktion übrigens sehr humorvoll auf Facebook angekündigt: „Wer kennt es nicht, das Problem. Es ist 20.00 Uhr, die Läden haben geschlossen und es wurde vergessen regionales Saatgut zu kaufen. Tja, was nun? Das gibt mächtig Ärger, oder? Wie sollen wir denn jetzt den Insekten helfen? Au backe!!“

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