Auf der Rettungswache Claire Spendlow ist Notfallsanitäterin in Melle

Von Christina Wiesmann


Melle. Herzinfarkt oder Schlaganfall, ein entgleister Blutzuckerspiegel oder Unfälle jeglicher Art gehören zum Tagesgeschäft der Notfallsanitäter.

Claire Spendlow (22) ist die erste Notfallsanitäterin auf der Rettungswache Melle, die die dreijährige Ausbildung vor Ort nach neuen Ausbildungsstandards abgeschlossen hat.

Sie kam über ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) auf die Rettungswache Melle und möchte später einmal Medizin studieren. Vorher eine Ausbildung zu machen, war Claire Spendlows Wunsch. „Das Berufsbild hat mich schon immer interessiert“, erzählt die 22-Jährige.

Sie hat eine 47-Stunden-Woche, Dienste mit einer Dauer von 24 Stunden sind die Regel: „Das klappt ganz gut“, sagt Claire Spendlow. Sie kommt zu ihren Diensten von Tecklenburg nach Melle und schätzt auf der Rettungswache vor allem das „familiäre Miteinander und das jeder für jeden da ist“.

Jeder Einsatz ist anders

Nach der Übergabe am frühen Morgen kontrolliert die Notfallsanitäterin ihr Fahrzeug und reinigt es, überprüft, ob alle Instrumente und Materialien an Bord sind, die bei den Einsätzen benötigt werden könnten.

Dass kein Einsatz dem anderen gleicht, weiß sie. Und es ist der Grund, warum sie diesen Beruf gewählt hat: „Es ist eine Herausforderung, vor der man täglich steht und das reizt mich.“

Unfälle in der Nacht

Einsätze in der Nacht sind keine Seltenheit, Unfälle oder Krankheiten verhalten sich eben nicht nach Plan.

„Ich würde sagen, dass ich momentan so ein bis zwei Mal in der Nacht losfahre“, erzählt Claire Spendlow. Sie kann sich zwischendurch im Einzelschlafraum auch mal ein Nickerchen gönnen, falls es vom Einsatzgeschehen her möglich ist. Die Grippewelle in diesem Winter hat auf jeden Fall zu einem erhöhten Einsatzaufkommen geführt, berichtet Claire Spendlow: „Da war schon einiges los.“

Die Rettungswache Melle ist an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden besetzt, die Notfallsanitäter und Rettungssanitäter übernehmen in der Woche zwischen 8 und 14 Uhr auch noch Fahrten mit dem Krankentransportwagen für das Christliche Klinikum Melle (CKM).

Ralf Finkemeyer, Leiter der Rettungswache Melle, hat die Übersicht vom vergangenen Jahr parat. Demnach gab es für die Rettungswache Melle 5000 Einsätze, Krankentransportfahrten inklusive. Die Einsätze, bei denen ein Notarzt dabei war, belaufen sich auf 1250. Im Durchschnitt sind das mehr als drei täglich.

Über die Regionalleitstelle Osnabrück erfahren die Sanitäter auf der Rettungswache, wohin sie als Nächstes müssen. Schlaganfälle, Herzinfarkte und Kreislauferkrankungen machen etwa zwei Drittel der Einsätze aus, wie Ralf Finkemeyer weiß. Ein weiteres Drittel sind Unfälle. „Und das kann neben einem Verkehrsunfall auch ein Sport- oder Arbeitsunfall sein“, sagt Finkemeyer.

Nicht ohne Stolz sagt der Leiter der Rettungswache: „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir hier vor Ort ein ziemlich geniales Team haben.“ Und die Einsätze sind, das weiß auch Claire Spendlow, immer eine Teamleistung.