Natternkopf und Kriechender Günsel Blühstreifen für Insekten in Melle eingesät

Von Conny Rutsch


Melle. Auf diesen Straßenrand können sich die Besucher des Ludwigsees freuen: An dessen nördlichen Zufahrt hat Hofeigner Franz-Josef Pabst einen 400 Meter langen und fünf Meter breiten Streifen Land eingesät, der in den nächsten Wochen zu einem farbenfrohen Blumenmeer werden wird.

Gesmold. Am Gründonnerstag machte er sich gemeinsam mit Kai Behncke ans Werk, allerdings nicht nur, um die Menschen zu erfreuen, sondern vor allem die Insekten.

Dass die kleinen Tierchen, insbesondere die Bienen, wichtig für die Menschen sind, ist inzwischen hinreichend bekannt. Dass die Masse der Insekten laut einer wissenschaftlichen empirischen Studie seit 30 Jahren um etwa 80 Prozent zurückgegangen ist wissen viel weniger. Dabei ist das ein Phänomen, das sogar den Autofahrern auffallen sollte. „Fuhr man vor etlichen Jahren im Sommer von Oldendorf nach Buer, musste man an der Tankstelle die Frontscheibe des Autos von Unmengen toter Insekten befreien“, sagt Franz-Josef Pabst. Dieses Problem gibt es schon lange nicht mehr.

Wildkräuter werden totgepritzt

Und warum nicht? „Monokulturen so weit das Auge reicht, und Wildkräuter werden totgespritzt“, erklärt Kai Behncke, „die Insekten finden einfach keine Nahrung mehr.“ Aber auch steril angelegte Gärten seien ein Problem für Bienen und Co.

Er engagiert sich in der Organisation „ Umweltschutz und Lebenshilfe “, die gemeinsam mit der BUND-Kreisgruppe Osnabrück für die Blühwiesen und –streifen wirbt. An der Hochschule in Osnabrück wurde das Saatgut, die „Osnabrücker Mischung“ mitentwickelt, die nun zehn Hektar des südlichen Landkreises blumiger machen soll.

40 verschiedene Pflanzen

„Das Saatgut ist den regionalen Bedürfnissen angepasst“, erklärt Kai Behncke, „sie besteht aus etwa 40 verschiedenen Pflanzen.“

Die Anwendung ist nicht schwierig und klappt auch in Privatgärten. Dafür muss eine Fläche von Rasen befreit werden und möglichst sonnig liegen. Dann wird die Saatmischung darauf verteilt, wobei etwa zwei Gramm auf einen Quadratmeter ausreichend sind, damit sich die Pflanzen nicht gegenseitig beim Wachsen stören. Mit einer Walze oder einfach mit den Füßen wird das Saatgut in der Erde fixiert. „Innerhalb weniger Wochen wird diese Fläche dann unglaublich bunt, eine Wohltat für die Augen und ein Segen für die Insekten“, erklärt Kai Behncke. Er macht darauf aufmerksam, dass die Fläche auf keinen Fall gedüngt werden darf, weil diese Pflanzen den Boden nährstoffarm haben wollen. Zweimal im Jahr, aber auf keinen Fall die gesamte Fläche auf einmal, sollte die Blumenwiese mit Sense oder Rasenmäher gemäht werden. Die Pflanzen samen sich aus und werden im nächsten Jahr wieder blühen.

Rund um die Uhr zu kaufen

Etliche der Pflanzen kennt auch der Laie: Wiesenschaumkraut, Wilde Möhre, Klatschmohn oder das Acker-Stiefmütterchen, den Natternkopf vielleicht unter dem Namen „Blauer Heinrich“. Der Kriechende Günsel blüht blau, könnte auch als Zierpflanze durchgehen und gilt als Heilpflanze, wie etliche andere Pflanzen der Osnabrücker Mischung auch.

Dieses besondere Saatgut gibt’s übrigens in Melle rund um die Uhr zu kaufen. Vor dem Bioladen in der Mühlenstraße steht ein für die Sämereien umfunktionierter Kaugummiautomat, an dem sich auch Hobby- und Kleingärtner ein Tütchen der Osnabrücker Mischung ziehen können.

Weitere Informationen finden Interessierte auf der Internetseite: www.blumiger-lkos.de.


Osnabrücker Mischung: Hier einige der Pflanzen der Osnabrücker Mischung:

Kleine Bibernelle

Scharfer Hahnenfuß

Rote und weiße Lichtnelke

Knotiger Braunwurz

Hopfenklee

Echte Kamille

Wolliges Honiggras

Kornblume

Achker-Witwenblume

Echtes Leinkraut

Kleine Braunelle

Wiesen-Bocksbart

Johanniskraut

Gemeiner Odermennig