Besser im Eimer als tot Krötenschutzzäune bewähren sich in Melle

Von Simone Grawe

Es ist Paarungszeit bei den Erdkröten. Die Krötenwanderung hat begonnen, auch im Grönegau. Foto: dpaEs ist Paarungszeit bei den Erdkröten. Die Krötenwanderung hat begonnen, auch im Grönegau. Foto: dpa

Melle. Es wird wärmer im Grönegau, und damit beginnt die „Hochzeitreise“ der Amphibien. Damit Kröten, Frösche und Molche die gefährliche Reise überleben, sind in Melle rund 20 freiwillige Helfer im Einsatz und kümmern sich um die kleine Geschöpfe.

Um bei ihrer Laichwanderung nicht buchstäblich unter die Räder zu geraten, sind die kleinen Tiere auf die Hilfe des Menschen angewiesen. Schutzzäune können die Kröten und ihre Artgenossen vor dem Unfalltod bewahren. So haben in diesen Tagen rund 20 ehrenamtliche Amphibienschützer mit der Unterstützung von Mitgliedern der Hegeringe Gesmold, Neuenkirchen und Wellingholzhausen, der Landjugend Oldendorf, der Ortsfeuerwehren Altenmelle und Niederholsten sowie von Mitarbeitern des Baubetriebsdienstes Amphibienschutzzäune errichtet.

4500 Meter lange Zäune

Insgesamt 4,5 Kilometer sind die grünen Zäune auf Meller Gebiet lang. Sie stehen an den neuralgischen Wanderstellen, unter anderem an der Altenmeller Straße, Vessendorfer Straße, Schlochterner Weg, Galbrinkstraße, Rahdenstraße, r Holster Straße, Osnabrücker Straße, Nordenfelder Weg, an der Straße „Im Wieven“, am Palsterkampweg, am Knapsbrink und an der Suttorfer Straße. Aber es gibt noch weitere Bereiche, an denen Amphibien Straßen überqueren: „Dort wurden Schilder aufgestellt, die die Verkehrsteilnehmer auf die kleinen Wanderer hinweisen“, berichtet Stadtsprecher Jürgen Krämer.

Autofahrer, aufgepasst

Gerade die Auto- und Motorradfahrer sollten Vorsicht walten lassen: Sie müssen an zahlreichen Stellen mit den ersten Amphibienwanderungen auf den Straßen rechnen.

An den Amphibienschutzzäunen befinden sich 14 Punkten, an denen Kröten, Frösche und Molche eingesammelt werden. Diese Arbeit erledigen gut 20 ehrenamtliche Helfer: „Ohne diesen Einsatz könnte der Tierartenschutz in der bewährten Form gar nicht geleistet werden“, erklärt Jürgen Krämer. Einige Sammler sind bereits seit vielen Jahren im Einsatz. Dass sich die Arbeit der Freiwilligen auszahlt, belegt ein beeindruckende Zahl: Im vergangenen Jahr haben die Helfer im Bereich des Stadtgebietes exakt 16096 Tiere sicher über die Straßen gebracht.

Tierschutzbund warnt

Angesichts der Amphibienwanderung bittet der Deutsche Tierschutzbund alle Auto- und Motorradfahrer, besonders rücksichtsvoll zu fahren, auf Hinweisschilder zu achten und das Tempo zu drosseln. Denn häufig liegen gerade Landstraßen auf den Wanderrouten, und deren Überquerung stellt oft eine große Gefahr für die Tiere dar. Auf Strecken mit Amphibienwanderungen sollte nicht schneller als Tempo 30 gefahren werden. Der Grund: Häufig werden Tiere nicht durch das direkte Überfahren, sondern allein durch den tempoabhängigen Strömungsdruck der Autos getötet. Vielen Tieren wird allein die hohe Geschwindigkeit der Autos zum Verhängnis. Vielen Tieren wird allein die hohe Geschwindigkeit der Autos zum Verhängnis. Auch wenn sie nicht direkt überfahren werden, tötet sie der Strömungsdruck der Fahrzeuge. Vor dem Auto baut sich ein Überdruck auf, der ein paar Zentimeter vor der Stoßstange am größten ist. Unter dem Auto dagegen entsteht ein Unterdruck. Fährt das Auto über die Kröte hinweg, so ist das Tier dieser Druckverteilung ausgesetzt. Je größer die Geschwindigkeit der Autos, desto stärker der Druck. Die Kröten und Frösche erleiden innere Verletzungen. Schon bei Fahrtempo 50 haben die Kröten nach Einschätzung von Sachverständigen kaum eine Überlebenschance.