Als es noch keine Schoko-Hasen gab Wie früher in Melle Ostern gefeiert wurde

Von Uwe Plaß

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Auch das gibt’s nicht mehr: Osterkirmes und Osterball in Melle Quelle: Meller Kreisblatt, Aprill 1966Auch das gibt’s nicht mehr: Osterkirmes und Osterball in Melle Quelle: Meller Kreisblatt, Aprill 1966

Melle. Ostern ist das wichtigste christliche Fest. Rund um das Fest zur Auferstehung von Jesus Christus haben sich zahlreiche Bräuche entwickelt. Interessant ist hierbei aber, dass die meisten dieser Traditionen gar keinen christlichen Hintergrund haben.

Melle. Ostern wird am Frühlingsanfang begangen und so wurden zahlreiche uralte naturreligiös-germanische Sitten aufgegriffen und adaptiert. Symbole, die einst zur Vertreibung des Winters und der Begrüßung des Winters dienten, wurden zu festen Bestandteilen des Osterfestes.

„Früher war mehr Lametta.“ Dieser legendäre Satz von Loriots Opa Hoppenstedt lässt sich auch auf Ostern im Grönegau anwenden. Vieles war ganz einfach anders. Auch die Kommerzialisierung des Festes hin zu einem zweiten Weihnachtsfest mit Geschenken usw. war noch weit weg.

Regelrechte Wettessen

Ostereier gab es traditionell am Nachmittag des Ostersonntags, wobei es erst um 1900 üblich wurde, sie zu färben. Wenn die Schüsseln auf dem Tisch standen, kam es oft zu regelrechten Wettessen. Das Eiersuchen, war hingegen lange Zeit auf dem Lande unüblich. Das war zunächst eher eine städtische Tradition.

Und dann ist das natürlich noch das Osterfeuer. Trotz aller Feinstaub-Hysterie hat sich dieser schöne Brauch Gott sei Dank bis heute erhalten. Allerdings hat sich der Ablauf gewandelt. Zunächst die Gretchen-Frage: Anzünden des Feuers am Karsamstag oder am Ostersonntag? Wenn man sich die Angaben der Meller Gemeinden zum Atlas für deutsche Volkskunde aus den 1920er Jahren ansieht, dann ist der Ostersonntag das übliche Datum. Zentrale Feuer in den Gemeinden waren indes die Ausnahme. In der Regel wurden die Holzstöße auf freiem Felde an erhöhter Stelle errichtet, auf der Spitze eine Tonne mit Teer oder Wagenschmiere. Interessant ist allerdings, wer für das Anzünden zuständig war: Es war die Dorfjugend zwischen zehn und achtzehn Jahren, die mit Einsetzen der Dämmerung aktiv wurde.

Holz für das Osterfeuer

Damals musste man das Holz übrigens nicht noch mühsam umschichten, um Tiere zu schützen. Erst am Vortag wurde der Haufen aufgeschichtet. In der Woche vor Ostern durchkämmten die jungen Leute zum „Osterfüertürmen“ singend die Wälder, um möglichst viel Holz und Reisig zu beschaffen. Schließlich wollte ja jeder Bauernhof ein besonders großes Feuer haben. Anfang des 18. Jahrhunderts ging man dabei offenbar so exzessiv vor, dass die Obrigkeit zum Schutz der Wälder das Sammeln verbot. Zeitweise wurde der ganze Brauch untersagt und bei Zuwiderhandlung sogar mit Zuchthaus bedroht. Trotz allem ließ sich ein Verbot freilich nicht lange durchsetzen. Osterfeuer gehören einfach zu Ostern.

Mutprobe im Feuer

Am Feuer wurden Osterlieder gesungen – ein Pflichttermin für die damals noch so zahlreichen Männergesangvereine im Grönegau. Wenn das Feuer schon deutlich niedergebrannt war, sprangen junge Männer quasi als Mutprobe hindurch. Auch manche Frauen beteiligten sich daran. Anschließend ging es in die Kneipe. Es war die sogenannte Zwischennacht (tüschkennacht) von Ostersonntag auf Ostermontag. Angeblich wurden in dieser Nacht auch zahlreiche Ehen begründet.

Am Ostermontag fanden sich viele Meller am Kleft zum Ballschlagen ein. Dieser Brauch wurde auch in Wellingholzhausen am Beutling praktiziert. Überhaupt gab es von Dorf zu Dorf oder sogar von Familie zu Familie zahlreiche Variationen für ein frohes Osterfest.


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