Von Wunden und Weltschmerz Jürgen Roß ist der „Kräutermann“ aus Melle

Von Norbert Wiegand


Melle. Die heimische Natur hat allerlei Gewächse zu bieten, die das Wohlbefinden verbessern können – davon ist Jürgen Roß überzeugt. Wer sich dafür interessiert, wo Bärlauch, Spitzwegerich, Brennesselblätter oder Girsch zu finden sind, kann den ausgebildeten Wild- und Heilkräuterpädagogen bei seinen Wanderungen im Teutoburger Wald begleiten.

„Die ersten zarten Frühjahrskräuter, wie etwa Brennesselblätter, können helfen, die Frühjahrsmüdigkeit zu überwinden“, meint der Naturfreund, der auch im Kloster St. Severin im Allgäu sein Kräuterwissen vertieft hat. Aber auch etwas Baumharz von Nadelhölzern gehört zu den Funden bei seinen Wanderungen im zeitigen Frühjahr. „Baumharz eignet sich nicht nur zum Kauen und Einschmieren, sondern in trockener Form auch zum Räuchern“, zündet er einige Stückchen an. Der angenehm duftende Rauch entfaltet, beispielsweise nach Erkältungen, eine säubernde und desinfizierende Wirkung in Wohnräumen, die anschließend gründlich gelüftet werden.

Zu den Klassikern seiner Wildkräuterei gehört der Bärlauch: „Von diesem engen Verwandten des Knoblauchs können alle Pflanzenteile zu jeder Jahreszeit verzehrt werden“, räumt Jürgen Roß mit Legenden über giftige Blüten und ungenießbare späte Ernten auf. Bei seiner Wanderung am 14. April dürfen die Teilnehmer aber auch mit Kostproben von anderen Frühlingskräutern rechnen.

Bei einer speziellen zweistündigen Wanderung für Väter, Mütter, Kinder und Großeltern am 15. April geht es um Heilkräuter, die bei kleinen Wunden hilfreich sind. Das gilt beispielsweise für den Spitzwegerich, der bei Insektenstichen für Linderung sorgt. Diese Wild- und Heilkräuterwanderung unternimmt Jürgen Roß gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Hebamme Karin Birke. Auch gegen den großen Weltschmerz hat die Naturapotheke bei diesem Spaziergang etwas zu bieten.

Kochen mit Girsch

Kräuter zum Kochen stehen am 29. April im Mittelpunkt. Dann ist Jürgen Roß gemeinsam mit Heilpraktikerin Nicole Fischer und Diätassistentin Kathrin Pilkenroth eineinhalb Stunden im Teutoburger Wald oberhalb des Wellingholzhausener Schützenhauses unterwegs - unter der Überschrift „Basisch gut drauf“. „Anschließend verarbeiten wir die gesammelten Kräuter zu einem leckeren Abendessen“, kündigt der Badener an, der vor 13 Jahren aus Kehl am Rhein nach Wellingholzhausen gezogen ist. Zu den verwendeten Kräutern werden Brenesselblätter und Girsch gehören. Girsch ist für den Wild- und Heilkräuterpädgogen kein Unkraut, sondern eine Köstlichkeit.

Im Mai sammelt Roß dann Waldmeister für eine prickelnde Bowle. In dieser Zeit sind auch Maiwipfel für erfrischende Fußbäder zu finden. Grüne Walnüsse für den speziellen Wein „Vin de Noix“ und Holunder für Aufgesetzten und Likör gibt es ab Anfang Juni. Eine weitere Schlemmerei ist Schwarzer Rettich. Die Knolle wird aufgeschnitten und mit Kandis gefüllt. Dabei entsteht ein süßer Sirup, der als Hustensaft eine lindernde Wirkung entfaltet.

Holunderlikör

Im Sommer findet Roß die ganze Fülle heilsamer Kräuter für seine Kräuterstempel. Die mit getrockneter Schafgarbe, Schachtelhalm, Birkenblättern und Beinwell gefüllten griffigen Säckchen können in Öl getaucht und dann für wohltuende Ganzkörpermassagen eingesetzt werden. Zu den aktuellen Lieblingspflanzen von Jürgen Roß gehört die Kornelkirsche mit ihren Blüten, Blättern und Früchten: „Das ist für mich die Pflanze des Monats, ein einheimisches Superfood, das Modeprodukte wie Chiasamen oder Inkawurzel in den Schatten stellt.“

Weitere Infos auf www.meller-wildkraut.com