Seele der Küstenlandschaft Sigmund Strecker als Aquarellist in Neuenkirchen

Von Petra Ropers

Zum ersten Mal überhaupt präsentiert Bernhard Strecker im „Haus der Bilder“ Nordsee-Aquarelle, die sein Vater Sigmund Strecker schuf. Foto: Petra RopersZum ersten Mal überhaupt präsentiert Bernhard Strecker im „Haus der Bilder“ Nordsee-Aquarelle, die sein Vater Sigmund Strecker schuf. Foto: Petra Ropers

Melle. Weite Landschaften, deren rauer Charme geprägt ist von Meer und Wind, ziehen derzeit im „Haus der Bilder“ in Neuenkirchen Blicke auf sich. In einer in mehrfacher Hinsicht einzigartigen Ausstellung präsentiert Bernhard Strecker Aquarelle seines Vaters Sigmund Strecker.

Rund zehn Jahre währt mittlerweile das Engagement Bernhard Streckers für das künstlerische Werk seines Vaters. Der Maler, dessen Bedeutung für die Kultur- und Kunstgeschichte der Nachkriegszeit erst allmählich die verdiente Würdigung findet, schlug mit dem Pinsel, später zunehmend auch mit dem Spachtel künstlerische Brücken über den Teuto. Sigmund Strecker, das sind – so scheint es – Ölgemälde, die in ihrer bewusst reduzierten Formensprache umso intensiver den Blick auf die Schönheit der Natur lenken.

Spannung in Schlichtheit

Es sind Gemälde wie der Wolkenhimmel im „Haus der Bilder“, der die ihm innewohnende Spannung in vermeintliche Schlichtheit kleidet und der deutlich den von Künstlerhand geführten Spachtel erkennen lässt. Doch das Schaffen Sigmund Streckers hat auch ein ganz anderes, bislang weitgehend unbekanntes Gesicht. Für die Kunstfreunde hob Bernhard Strecker nun einen Schatz, der den Maler als sensiblen Aquarellisten zeigt.

Rund 30 Aquarelle fügen sich in Neuenkirchen zu den weit bekannteren Ölgemälden. Sie bilden gleichsam eine Ausstellung innerhalb der Ausstellung, die einzigartig ist nicht nur, weil sie zum ersten Mal überhaupt der Öffentlichkeit zugänglich ist. Sigmund Strecker, der sich in Öl jedes einzelne seiner Gemälde rastlos erarbeitete, schuf zudem alle ausgestellten Aquarelle innerhalb von nur wenigen Wochen während eines Urlaubs im dänischen Whide Sande.

Weite des Meeres

Den Betrachter ziehen sie mit zarter Hand hinein in wellige Dünenlandschaften und hinaus in die Weite des Meeres. Eine fast beiläufig wirkende Leichtigkeit wohnt den Kunstwerken inne, die umso mehr verblüfft und fasziniert, als der von Krankheit gezeichnete Maler sich nur wenige Monate später das Leben nahm. Dennoch spricht nicht der Abschied aus den Arbeiten. Vielmehr geben sie dem Spiel von Licht, Farben und Formen in zarter Schlichtheit so unmittelbaren, lebendigen Ausdruck, dass das „Haus der Bilder“ beinahe von der salzigen Luft des Meeres erfüllt scheint.

„In mir ist eine so unglaublich tiefe Sehnsucht“, sagte Sigmund Strecker einst auf den Hamburger Elbbrücken zu seinem Sohn Bernhard. Und selten wird diese Sehnsucht so deutlich spürbar wie in jenen Aquarellen, die immer wieder neu und immer wieder anders über die Küste auf das Meer blicken und die dabei über das Äußere hinaus die Seele jener Landschaft einfangen. „Küstengeflüster“ eben, bei dem es sich lohnt, mit Muße hinzuhören.