Serie: Gesund leben RAS-Orthopädietechnik in Melle baut individuelle Orthesen

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Melle. Der 79-Jährige Klemens Zinke hatte mit zwei Jahren Kinderlähmung. Die dadurch entstandenen Behinderungen wurden nur unvollkommen ausgeglichen. Bis für den Osnabrücker in der Orthopädietechnik des Meller Unternehmen RAS eine individuelle Speziallösung gefunden wurde.

In ähnlicher Weise helfen die Orthopädietechniker bei verschiedensten anderen Behinderungen.

„Die Polio-Erkrankung hat das Wachstum meiner Muskulatur im linken Bein geschwächt und sie großenteils gelähmt“, berichtet Zinke. „Deshalb habe ich dieses Bein nicht unter Kontrolle, ohne Hilfsmittel knickt es ungewollt weg, und außerdem hat mein Fuß eine Fehlstellung“, ergänzt er. Seit inzwischen sieben Jahrzehnten gleicht er diese Einschränkungen mit Gehstock und orthopädischen Schuhen aus – mehr schlecht als recht.

3-D-Scanner im Einsatz

In diesem Zustand kam er aus einer orthopädischen Klinik zur RAS-Beratung an die Gesmolder Straße. Orthopädietechnikermeister Friedrich Jahns fiel gleich auf, dass der Patient beim Gehen immer die linke Hand in die extra tief eingenähte linke Hosentasche drückte. „Mit dieser Eigenkonstruktion hat er seinen Oberschenkel gestützt, damit das Bein nicht einknickt“, erläutert Jahns. Nach einer gründlichen Anamnese entwickelten die RAS-Techniker eine individuell angepasste Oberschenkel-Orthese. „Jetzt habe ich endlich wieder die linke Hand frei, wenn ich mit meinem Handstock laufe“, freut sich Klemens Zinke über die erhebliche Erleichterung.

Nach sieben Jahrzehnten wurde für Klemens Zinke von Orthopädietechnikermeister Raphael Metz endlich eine spezielle Orthese entwickelt, die ihm das Laufen erleichtert. Foto: Norbert Wiegand

„Heutige Orthesen haben nichts mehr mit den früheren klobigen Hilfsmitteln aus Leder und Stahl zu tun, wir fertigen sie in Leichtbauweise mit Karbonfaser“, gibt der Betriebsleiter der Orthopädietechnik Einblicke in die Fachwerkstatt, in der auch Sonderbauten für mehrfach Schwerstbehinderte und Kinder entstehen. Ebenso arbeiten die Techniker dort an spezialisierten Hilfsmitteln wie Sitzschalen, Korsetten oder Stehgeräten. Neben Abdrücken für Gipsmodelle kommen auch moderne 3-D-Scanner zum Einsatz, damit exakte Modelle aus Hartschaum von Gliedmaßen und Körperteilen hergestellt werden können. Diese Modelle aus Gips oder Hartschaum ermöglichen die exakte Anpassung von Orthesen und Prothesen.

70 Mitarbeiter

In der Orthopädietechnik-Werkstatt mit Kundenzentrum auf dem Gelände der ehemaligen Firma Temme arbeiten 35 Mitarbeiter. Dazu gehört auch Orthopädie-Techniker-Meister Olaf Evers, der häufig Gips-Modelle von spastisch gelähmten Gliedmaßen anfertigt. Die Ursache für spastische Lähmungen und andere Behinderungen, die mit Orthopädietechnik vermindert werden können, sind oftmals Schlaganfälle. Auch die Bein-Orthesen, an denen Orthopädie-Technikerin Marie Scheidemann arbeitet, sind meistens für Schlaganfall-Patienten bestimmt.

Insgesamt hat das expandierte Unternehmen RAS heute 70 Mitarbeiter, die in der Werkstatt Osnabrück, in der Reha-Technik in Melle-Gerden und der Orthopädie-Technik mit Sanitätshaus in Melle-Mitte beschäftigt sind. Inhaber Bert Lange gründete das Unternehmen 1996 und startete mit einem kleinen sechsköpfigen Team. Vorher war er als Konstrukteur in der Kinder-Reha-Technik tätig. „Ich wollte selbst bestimmen, was ich wann wie mache“, begründete er seinen damaligen Schritt in die Selbstständigkeit, aus dem in 22 Jahren ein hochspezialisiertes Fach-Unternehmen geworden ist.


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