Nach Eggermühlener Vorbild Rückenwind für den Bürgerradweg in Melle

Von Norbert Wiegand

Wie Bürger in Eggermühlen ihren eigenen Radweg gebaut haben, erklärte Markus Frerker (2. von rechts). Für seine Ausführungen dankten ihm Hans-Jörg Haferkamp (links) sowie Svetlana und Cord Möllering vom Vorstand der Radweg-Initiative L94 Himmern. Foto: Norbert WiegandWie Bürger in Eggermühlen ihren eigenen Radweg gebaut haben, erklärte Markus Frerker (2. von rechts). Für seine Ausführungen dankten ihm Hans-Jörg Haferkamp (links) sowie Svetlana und Cord Möllering vom Vorstand der Radweg-Initiative L94 Himmern. Foto: Norbert Wiegand

Wellingholzhausen. Engagierte Bürger wollen den Lückenschluss des Radweges an der Wellingholzhausener Straße zwischen Himmern und der Abzweigung Wiedebrocksheide in Melle selbst in die Hand nehmen.

Erste erfolgreiche Schritte zu diesem Ziel präsentierte die „Radweg-Initiative L94 Himmern“ auf ihrer Informationsveranstaltung am Donnerstagabend im Fachwerk 1775.

Mut machte den Wellingholzhausenern dabei der Vortrag von Gastredner Markus Frerker. Der Initiator des ersten realisierten Bürgerradweges in Niedersachsen erklärte, wie das ehrgeizige Projekt in der Nordkreis-Gemeinde Wirklichkeit werden konnte. „Über die Landesstraßen-Prioritäten-Liste wären wir nie drangekommen, deshalb sind wir selbst aktiv geworden“, blickte der Eggermühlener Bürgermeister auf die Anfänge der Initiative vor zehn Jahren zurück.

„Letztlich mussten wir für den mit 600000 Euro angesetzten Neubau des drei Kilometer langen Radweges tatsächliche Eigenmittel von 350000 Euro aufbringen und eine Menge Eigenleistungen“, zog Frerker ein positives Fazit. Allein 300000 Euro waren durch den symbolischen Verkauf von 3000 Ein-Meter-Teilstücken für jeweils 100 Euro zusammengekommen. Als weitere Einnahmequellen nannte der Eggermühlener vielfältige Aktionen von örtlichen Unternehmen und Verbänden wie Modenschauen mit „Models“ aus der 1750-Einwohner-Gemeinde, Kleiderbörsen, Massagen für den guten Zweck oder auch den Verkauf bemalter Straußeneier. „Ihr müsst werben, werben, werben!“ – lautete seine Empfehlung an die Himmerner.

Dass die Baukosten so niedrig gehalten werden konnten, sei freundlichen Bauunternehmen zu verdanken, die in für sie günstigen Jahreszeiten sehr, sehr preiswerte Angebote gemacht haben, die teils bei 30 Prozent von öffentlichen Ausschreibungen lagen. Frerker nannte auch örtliche Landwirte, die beispielsweise im arbeitsarmen Januar mit zwölf Treckern den benötigten Schotter herangeschafft haben, und Handwerker aus den eigenen Reihen, die Pflasterarbeiten fachgerecht ausgeführt haben. Anhand von Dias zeigte er, wie der Radwegebau vorangeschritten war – vom Aushub für den Unterbau bis zum Aufbringen der Asphaltdecke.

Begeisterung wecken

„Es war ganz wichtig, dass wir alle vorgegebenen Normen der Landesbehörde für Straßenbau genau eingehalten haben“, wies Freker darauf hin, dass jeder Bauabschnitt intensiv kontrolliert wurde. Dabei lobte er die zwar aufwendige, aber gute Zusammenarbeit mit der Landesbehörde.

Die Himmerner Initiative befinde sich derzeit im Stadium der Vorplanung, erläuterte Sprecher Cord Möllering. Es lägen „positive Signale“ der wichtigsten Grundeigentümer vor, die Stadt Melle habe Unterstützung zugesagt, und die Landesbehörde habe die vorgelegte Machbarkeitsstudie wohlwollend kommentiert, berichtete Hans-Jörg Haferkamp „Wir hoffen bald auf eine Einschätzung der Verkehrsschau, auf welcher Straßenseite der Radweg sicherer ist und wo eine Überquerung angeraten ist“, ergänzte er. „Das Projekt ist auch im Sinne eines Radwegkonzeptes gerade in der schlecht versorgten Region Melle sinnvoll“, betonte Uwe Schmidt, Vorsitzender des ADFC Osnabrück.

„Leute begeistern“

Bei einem offiziellen öffentlichen Bau des 3,5 Kilometer langen Radweg-Lückenschlusses würde mit Kosten von 750000 Euro kalkuliert. Nach den Eggermühlener Erfahrungen rechnet Haferkamp aber damit, dass die Radweg-Initiative mit 400000 Euro auskommt. „Wir müssen die Leute begeistern und auf allen öffentlichen Festen immer präsent sein, um den Rückenwind zu haben“, meinte ein Teilnehmer der abschließenden Diskussion.

„Auch für Lkw- und Autofahrer ist es vorteilhaft, wenn die Radler keine Verkehrshindernisse mehr sind, weil sie einen eigenen Radweg haben“, hoffte Vorstandsmitglied Michael Grabbe zudem auf zusätzliche Unterstützung aus dem Transportgewerbe.

Nachtrag 27. März: Die Aussage des Eggermühlener Bürgermeisters Markus Frerker, dass 3000 Ein-Meter-Teilstücke des Radweges für je 100 Euro verkauft wurden, ist nicht richtig. Ulrich Gövert, Schriftführer des Vereins „RadAktiv Eggermühlen“ sagt: „Wir haben 700 Meter Radweg verkauft und damit 70.000 Euro eingenommen. Erhebliche Einnahmen haben wir vielmehr durch vielfältige andere Aktionen erzielt, die im Bericht richtig dargestellt wurden.“