Hochkochende Emotionen Fachmarktzentrum Bruchmühlen: „Brauchen keinen Kik-Markt“

Von Marita Kammeier

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Lidl will expandieren und plant einen Umzug auf die westfälische Seite von Bruchmühlen. Foto: Gert WestdörpLidl will expandieren und plant einen Umzug auf die westfälische Seite von Bruchmühlen. Foto: Gert Westdörp

Bruchmühlen. Das geplante Fachmarktzentrum in Bruchmühlen lässt die Emotionen bei Bürgern hochkochen, wie auf der ersten Infoveranstaltung deutlich wurde. Befürworter weisen auf die Zukunft mit jungen Familien hin. Gegner warnen vor zu vielen Discountern und der Abholzung des Schulwaldes.

Die Infoveranstaltung in der voll besetzten Aula der Gesamtschule in Rödinghausen zeigte das gleichermaßen große Interesse von Niedersachsen und Westfalen an diesem brisanten Thema. „Kunden erwarten heute Erlebniseinkäufe, ansonsten wandert die Kaufkraft ab nach Herford und in andere Städte“, erklärte Bürgermeister Ernst-Wilhelm Vortmeyer in seiner Eröffnungsrede.

Bruchmühlen könne sich sehen lassen, betonte der Politiker. „Wir haben die Leerstände beseitigt. Arbeit, Bildung und Einkaufsmöglichkeiten spielen eine große Rolle für alle, besonders aber für junge Familien.“ Jetzt gehe es darum, die Zukunft angesichts des zunehmenden Internethandels zu sichern.

Im Gegenzug betonte der Bürgermeister jedoch: „Die Gemeinde Rödinghausen steigt in kein Verfahren zur Ausweisung als Sondergebiet ein. Die Lösungen werden mit allen Beteiligten zusammen erarbeitet.“

138 Parkplätze

Anschließend stellte Christian Rohde vom Entwicklungsbüro Halsdorfer + Ingenieure Projekt GmbH sein Konzept unter dem Motto „Einkaufen & Erleben“ vor. Der Investor aus Burgdorf bei Hannover mit umfangreichen Erfahrungen auf dem Sektor Umbau und Erweiterung von Textil- und Einzelhandelsmärkten wird bei dem geplanten Großprojekt in Bruchmühlen mit weiteren Planungsbüros zusammenarbeiten.

An der Bruchstraße 196 sollen auf einer Fläche von etwa 18.500 Quadratmetern eingeschossige Gebäude entstehen. Geplant ist eine Verkaufsfläche von etwa 2800 Quadratmetern mit Lidl-Lebensmittelmarkt, Rossmann-Drogeriemarkt, Kik-Textilgeschäft, Backshop-Café und etwa 138 Parkplätzen. Dafür müssen weichen: ein Wohngebäude, eine Kita, der Frisör und eine private Waldfläche, der sogenannte Schulwald. Zwingend notwendig für den Neubau sei die Flächenausweisung als Sondergebiet. Der Architekt schilderte die weitere Vorgehensweise mit Bebauungsplan, Schallschutz, Verkehrsplanung, Ausgleichsflächen und Bodenuntersuchung. Brenzlig sei die Situation an der Bahn, wo eventuell eine Unter- oder Überführung notwendig sei.

Sieben Alternativen

Landschaftsarchitekt Rainer Brokmann erläuterte den Waldbestand mit jüngeren Bäumen an der Straße und altem Eichen- und Buchenwald im hinteren Bereich mit dem Fazit: „Eingriffe in den Wald minimieren.“ Sieben alternative Standorte stehen für das Fachmarktzentrum zur Verfügung. Die meisten seien jedoch zu klein oder zu weit abseits, wie Christian Rohde berichtete. „Lidl und Rossmann spielen nur mit, wenn großzügige Parkflächen vorhanden sind.“

In der anschließenden Diskussionsrunde ging es hoch her. Fragen nach dem Wald und den Ausgleichsflächen beschäftigten die Bürger ebenso wie „Was passiert nach 15 Jahren, wenn Lidl weiterzieht?“. Weitere Aussagen lauteten: „Wir brauchen weder einen Kik-Markt noch den fünften Bäcker.“ Direkte Ansagen erhielt auch der Bürgermeister: „Sie müssen das Volk vertreten und nicht die Investoren.“

„Kein Verfahren einleiten“ will Rödinghausens Bürgermeister Ernst-Wilhelm Vortmeyer. Foto: Marita Kammeier

Als nächsten Schritt plant die Gemeinde Rödinghausen einen „Runden Tisch“ mit Naturschutzverbänden sowie der Bürgerinitiative, wo alternative Standorte geprüft und Lösungen erarbeitet werden sollen.


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