180 Betroffene beim Infotag Experten berichten in Melle über Prostata

Von Petra Ropers


Melle. Auf breites Interesse stieß am Mittwoch der Informationstag der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs in Brüngers Landwirtschaft.

Melle. Rund 180 Betroffene, Angehörige und Interessierte von beiden Seiten der Landesgrenze folgten der Einladung, sich über den Themenkomplex zu informieren.

Rund 100 Mitglieder

„Es ist wichtig, dass es Menschen gibt, die sich diesem Thema stellen“, lobte Rödinghausens Bürgermeister Ernst-Wilhelm Vortmeyer das Engagement der Selbsthilfegruppe, die vor 17 Jahren von Udo Sanne gegründet wurde. Heute zählt die Gruppe rund 100 Mitglieder. Sanne selbst engagierte sich zeitweilig auch im Bundesvorstand. Die Kontakte, die er dabei knüpfte, kommen Betroffenen und Angehörigen bis heute zugute. So gelang es dem Initiator und Organisator des Informationstages, gleich sechs hochkarätige und weithin renommierte Referenten aus Münster und Hamburg zu gewinnen.

Gefahren nicht ignorieren

Eine beruhigende Tatsache schickte Axel Semjonow, Leiter des Prostatazentrums am Universitätsklinikum Münster (UKM) seinem Referat vorweg: „Die gutartige Prostatavergrößerung ist viel, viel häufiger als das Prostatakarzinom.“ Dennoch sollte die Gefahr einer Erkrankung nicht ignoriert werden. Das wussten offenbar schon die alten Sumerer: Wie Semjonow berichtete, tauchten Nachweise für eine kontrollierte Prostatauntersuchung bereits in sumerischen Keilschriften auf. Die vor 3500 Jahren angewandte Tastuntersuchung hat bis heute ihren Stellenwert.

Doch es gibt andere Untersuchungsmethoden, die vor allem in der Kombination ihre Wirkung entfalten. Dazu gehört die Messung des PSA-Wertes – kurz für prostataspezifisches Antigen. „PSA ist ein Muss in der Diagnostik und ein Kann in der Früherkennung“, erklärte Semjonow. Ohnehin sei die Bezeichnung „Vorsorgeuntersuchung“ irreführend. Denn die Untersuchung verhindere nicht, sie erkenne nur. Und wenn tatsächlich ein Karzinom vorliegt? „Die meisten Männer sterben mit und nicht an dem Prostatakrebs“, betonte der Fachmann. Und nicht immer ist eine Operation erforderlich.

Über die fokale Therapie des Prostatakarzinoms, die nur den Tumorherd zerstört und unbehandelte Teile der Prostata einer regelmäßigen Nachsorge unterzieht, berichtete Yamini Nagaraj Martini von der Klinik und Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Über die medikamentöse Tumortherapie informierte Martin Bögemann vom UKM. „Galium 68 PSMA PET-CT“: Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich ein neues Diagnoseverfahren, das Lars Stegger, stellvertretender Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am UKM, vorstellte.

Chemo und Medikamente

Eine Tablette kommt selten allein. Doch wie sieht es mit der Verträglichkeit aus etwa, wenn Chemotherapie und eine bereits vorher angesetzte Medikamentierung zusammenkommen? „Über die Wechselwirkungen wird selten nachgedacht“, stellte Organisator Udo Sanne fest. Er verpflichtete mit Christian Meyer von der UKE Hamburg und Apothekerin Dorit Meyer gleich zwei fachkundige Referenten für das wichtige Thema der Polypharmazie in der medikamentösen Therapie des Prostatakarzinoms.

Für Udo Sanne hatten die vielen Informationen vor allem ein Ziel: „Wir möchten den Betroffenen zeigen, dass es Hilfe gibt, um eine bessere Lebensqualität zu erhalten.“ Und die Resonanz auf dieses Angebot war so groß, dass der Vorsitzende der Selbsthilfegruppe bereits einen weiteren Informationstag ins Auge fasst. Und der könnte im nächsten Jahr in Melle stattfinden. Ein Dank galt der AOK Nordwest und ortsansässigen Firmen für ihre Unterstützung des Informationstages.