Meller kickboxen sich an Spitze Ferderer und El Malla vom Kampfsportstudio Houlali

Von Heike Dierks


Melle. Melle hat einen Europameister und einen Vize-Europameister im K1-Kickboxen: Kevin Ferderer und Hamsah El Malla.

Der 18-jährige El Malla vom Kampfsportstudio Houlali musste sich bei den Wettkämpfen der Erwachsenen in der Klasse bis 80 Kilogramm im Februar in Mühlheim erst im Finale geschlagen geben, Ferderer (17) gewann den Titel bei der Jugend (bis 80 Kilo).

Die beiden Kickboxer sind die Aushängeschilder und die ersten Europameister des Kampfsportstudios Houlali in Melle – El Malla hatte sich nach einem ebenfalls verlorenen EM-Finalkampf noch in der Jugend im erfolgreichen Rückkampf vor einigen Monaten auch einen EM-Titel gesichert. Studio-Inhaber und Trainer Marius Houlali gibt seinem Duo den nötigen Schliff und auch die Charakterfestigkeit mit auf den Weg, wie er sagt. 2014 hatte Houlali mit Alexander Schreider kurzfristig schon einmal einen Weltmeister im Leichtkontakt betreut, doch der ist bei ihm nicht groß geworden.

Anfänge am Boxsack

Ferderer trainiert seit rund fünf Jahren in dem Meller Studio, sein Mitstreiter ist seit der Eröffnung vor zehn Jahren dabei. Als Nachbar habe er die Anfänge der Kampfsportschule interessiert verfolgt und sich zunächst am Boxsack versucht, ehe er geordnetes Training aufnahm. Mit zwölf Jahren fing El Malla richtig an zu kämpfen. Ferderer wurde irgendwann sein Sparringspartner. „Erst musste ich ganz schön viel einstecken, dann habe ich von der Arbeit mit Hamsah profitiert“, erzählt der 17-Jährige.

Inzwischen üben beide sechsmal pro Woche, dreimal steht Kickboxen auf dem Plan, zweimal Boxen. Von Montag bis Freitag wird in Gruppen gearbeitet, sonntags ist individuelles Wettkampftraining bei Houlali angesagt. Beide treten im Vollkontakt in der C-Klasse an.

Kickboxen ist hart. „Wir fangen da an, wo der Fußball aufhört. Es ist schwierig, Jugendlichen schmackhaft zu machen, einen Schlag an den Kopf zu bekommen und dabei auch noch Spaß zu empfinden“, sagt Marius Houlali. Anders als beim Boxen geht die Gefahr bei diesem Kampfsport nicht nur von den gegnerischen Fäusten aus, sondern auch von den Füßen. Man muss mehr Körperfläche im Blick haben, denn auch die Beine werden attackiert. Entsprechend energieraubend ist das Kickboxen.

„Ziel ist es, bei jeder Einheit einmal richtig zu leiden. Weil wir diesen Druck des Wettkampfs, dass dir ein Gegner gegenübersteht, nicht im Training imitieren können, gehen wir stattdessen konditionell an die Grenzen“, erläutert der Coach. Im Meller Studio wird dann bei geschlossenen Fenstern alles gegeben. „Da haben wir nach 20 Minuten thailändische Luft“, schildert Houlali die extra hergestellten stickig-harten Bedingungen. „Sogar die Spiegel beschlagen“, pflichten ihm die beiden Kämpfer bei.

Besonders gefordert sind sie vor Wettkämpfen, wenn sie weniger als 80 Kilo auf die Waage bringen müssen. Während Ferderer damit keine Probleme hat, muss El Malla dann sehr auf seine Ernährung achten. „Ich versuche dann, Zucker wegzulassen und nur noch Wasser zu trinken“, berichtet der 18-Jährige. Das Schinden lohnt sich, denn in der nächsthöheren Gewichtsklasse wäre die Konkurrenz noch schlagkräftiger. „Wir tun viel für unseren Sport“, betonen die beiden Meller Berufsschüler und ergänzen lachend: „Nach der EM haben wir uns erst einmal eine Pizza gegönnt.“ Eine Woche danach wog El Malla schon 84 Kilo.

Ihr Förderer hofft, dass beide weiterhin von gravierenden Verletzungen verschont und sie dem Meller Studio noch ein bisschen erhalten bleiben. Schließlich hat Houlali mit dem Duo noch einiges vor. Hamsah El Malla steht kurz vor dem Aufstieg in die B-Klasse der Halbprofis. Nach einem Sieg bei der Fight Night voriges Wochenende in Volkmarsen bei Kassel in der ersten Runde nach knapp 40 Sekunden durch technischen K.o. fehlt nur noch ein Sieg. Die Chancen dazu eröffnen sich bei weiteren hochkarätigen Veranstaltungen in den kommenden Monaten.

Bleibt das Toptalent jedoch ein weiteres Jahr in der C-Klasse, droht bei der nächsten EM Anfang 2019 ein Meller Duell bei den Erwachsenen, denn Trainingspartner Ferderer wird altersbedingt dorthin aufsteigen. „Die Erwachsenenklasse bis 80 Kilo ist der stärkste Pool mit den meisten Gegnern“, verdeutlicht Houlali. Einen internen Kampf mag sich der Coach aber nicht vorstellen, erst recht nicht in einem eventuellen Finale. Seine Schützlinge könnten den Sieger stattdessen im Schachspiel ermitteln, schlägt er scherzend vor.