Mit Herz und langer Nase Theater Liberi führt Pinocchio in Melle auf

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Eine zauberhafte Musical-Adaptation des Kinderbuch-Klassikers „Pinocchio“ präsentierte das Theater Liberi im Festsaal am Schürenkamp. Foto: Petra RopersEine zauberhafte Musical-Adaptation des Kinderbuch-Klassikers „Pinocchio“ präsentierte das Theater Liberi im Festsaal am Schürenkamp. Foto: Petra Ropers

Melle. Neugierig, unbeschwert und ein wenig naiv machte er sich auf den Weg ins Abenteuer Leben: Pinocchio, die sprechende Holzpuppe, die so gerne ein „richtiger“ Junge sein möchte, verzauberte in einer Aufführung des Theaters Liberi im Festsaal am Schürenkamp.

Melle. Bereits in den 80-er Jahren des 19. Jahrhunderts erweckte der italienische Autor Carlo Goldoni die Holzpuppe zum Leben – zunächst als Fortsetzungsgeschichte in einer Zeitung, dann auch als Buch. Die Musical-Adaptation des Theaters Liberi präsentierte sich weniger düster als der Klassiker mit humorvollen Überraschungen, eingängiger Musik und temporeichen Choreografien vor einem wandelbaren Bühnenbild, das so fröhlich-kunterbunt war wie ein Bilderbuch.

“Nicht wie die anderen“

Als seine neueste Schnitzarbeit dank heimlicher Intervention der Blauen Fee (Jana Flaccus) plötzlich lebendig wird, schließt sein Schöpfer Geppetto (Rick Middelkoop) sie sofort ins Herz. Der liebenswerte Alte verkauft sogar seine einzige Jacke, um für Pinocchio eine Schulfibel anschaffen zu können. „Du bist nicht wie die anderen. Du machst keinen Quatsch“, ist er überzeugt. Dafür setzt sich auch die Fee ein und stellt ihm als Gewissen eine unsichtbare Grille (Elisa Pape) zur Seite.

Doch eine junge, gerade erst zum Leben erwachte Puppe hat es nicht eben leicht. Und so stolpert Pinocchio von einem Abenteuer ins nächste. Erfrischend spielte Maik Dehnelt die aufgeweckte, quirlige Puppe, die nicht aus Bosheit, sondern aus Naivität und purer Lebensfreude immer wieder vom rechten Weg abkommt. Dabei ist Pinocchio eigentlich festen Willens, in die Schule zu gehen und eifrig zu lernen. Doch unterwegs trifft er auf ein Puppentheater. Und schon sind die guten Vorsätze vergessen. Ehe er sich versieht, steht er mit auf der Bühne und gerät so in die Fänge des despotischen Puppenspielers Feuerfresser.

Der trägt seinen finsteren Namen durchaus zu Recht. Denn Pinocchio droht schon bald als Brennholz zu enden. Zwar entkommt er mit fünf Goldstücken in der Tasche der Gefahr. Doch nur, um gleich in die Nächste zu stolpern. Dass er der Fee nicht unbedingt alle Sünden beichten mag, liegt nahe. Aber mit jeder Lüge wird seine Nase ein wenig länger. „Lüge nicht! Denn Lügen steh’n dir nicht.“ Die Ermahnung der Fee kommt nicht mit dem moralischen Zeigefinger, sondern mit peppigem Sound daher.

Herz ist wichtig

Ohnehin bleibt die Umsetzung – nicht zuletzt dank der spritzigen, eingängigen Musik von Christoph Kloppenburg und Hans Christian Becker, der fantasievollen Kostüme und der unbeschwert aufspielenden Darsteller – bis zum unverzichtbaren Happy End so liebenswert daher wie der Titelheld selbst, der bei allem Eigensinn doch das Herz am rechten Fleck hat und der mit seinen kleinen und großen Fans vor allem eines lernt: „Herz ist wichtig und nicht allein nur dein Verstand. Komm und gib Freude, denn nur mit Herz bist du charmant.“


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