Genussmensch zum Anfassen Volker Diefes bietet in Melle „Comedy im Bett“

Von Petra Ropers

Mit Humor gegen den Zeitgeist: Volker Diefes setzte die Reihe „Comedy im Bett“ am Donnerstag im Wäsche- und Bettenhaus Lamker fort. Foto: Petra RopersMit Humor gegen den Zeitgeist: Volker Diefes setzte die Reihe „Comedy im Bett“ am Donnerstag im Wäsche- und Bettenhaus Lamker fort. Foto: Petra Ropers

Melle. Schon um 20 Uhr ins Bett gehen? Wer dabei an Frühjahrsmüdigkeit denkt, liegt völlig falsch. Die Besucher, die sich im Wäsche- und Bettenhaus Lamker am Donnerstag gemütlich in die Horizontale begaben, waren hellwach und bestens gelaunt.

Gemeinsam mit vielen sitzenden Gästen genossen sie einen gelungenen Abend mit „Comedy im Bett“.

Der Kabarettist, Schauspieler und Sänger Volker Diefes setzte die Reihe der Stars fort, die auf der bewusst kleinen Bühne zum Anfassen nah die Lachmuskeln strapazieren. Der gebürtige Krefelder, der acht Jahre lang im Düsseldorfer „Kom(m)ödchen“ spielte, redet, wie ihm der niederrheinische Schnabel gewachsen ist – locker, natürlich, niemals zynisch und schon gar nicht mit platten Witzen unter der Gürtellinie. Stattdessen schäkert er charmant mit den Damen im Publikum und knöpft sich mit einer gehörigen Portion Selbstironie den Zeitgeist vor.

„Wir haben überlebt“

Er selbst sei ein analoger Mensch, bekennt er freimütig und outet sich damit zugleich als der Generation Ü-X zugehörig. Denn die jüngeren Generationen leben erst dann, wenn sie ein Smartphone in der Hand und diverse Fernbedienungen in Griffweite haben. Dabei gab es auch andere Zeiten: „Weißt du noch, Andreas?“ fragt Diefes den Herrn in der ersten Reihe. Da war mal eine Zeit, in der Facebook noch Poesiealbum hieß und in der ein Coffee-to-go ganz selbstverständlich in der Thermoskanne daherkam. „Und um zwischen den drei Fernsehprogrammen umzuschalten, mussten wir uns bewegen“, erinnert Diefes und ergänzt verwundert: „Wir haben überlebt.“

Diese Zeiten sind vorbei. Heute ist unter Multi-HD und ohne Spezialeffekte nichts zu machen. Volker Diefes kam im Wäsche- und Bettenhaus Lamker bestens ohne beides aus. Und das lag auch an einem hervorragend aufgelegten Publikum, das von der ersten Minute an interaktiv mitging – nicht nur, aber auch bei den Songs, die immer wieder das humoristische Feuerwerk bereicherten. Da verwandelte sich das gesamte Haus mit „Ooooh“ und „Aaaah“ zu Harald Juhnkes „Bel Ami“ in einem vielstimmigen Publikumschor, um gleich darauf mit rhythmischem Applaus die in bester Rammstein-Manier gegrölte Ode des Steak-Freundes „Nacktes Fleisch“ zu instrumentieren.

Gegen den Diätenwahn

Ohnehin macht Volker Diefes keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen Diätenwahn und Model-Maße: „Alles unter 300 Gramm ist Carpaccio“, spricht er so manchem Besucher aus dem Herzen. Gegen das sichtbare Ergebnis des Genusses ist nichts einzuwenden. Schließlich will Diefes alles, aber nicht perfekt sein. Und überhaupt gilt: „Ein Bauch ist schon mal ein Ansatz.“ Das gleichnamige Solo-Programm machte vor allem eines deutlich: „Comedy im Bett“ sorgt auch ganz ohne Flatscreen, Spezialeffekte und Dolby Surround für einen rundum gelungenen Abend.