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Beamte ziehen mehrjährige Bilanz Polizei spricht von „Jagdszenen“ am Club Naava in Melle

Von Christoph Franken


Melle. Seit Jahren nimmt die Zahl der Körperverletzungen und Raubdelikte in und rund um den Club Naava in Melle zu. Vor dem Hintergrund der aktuellen Schließung der Großraumdiskothek nach einer spektakulären Razzia vor zwei Wochen präsentierte die Polizei auf Anfrage unserer Redaktion nicht nur Zahlen.

Die Einschätzung der Leitung im Meller Polizeikommissariat ist eindeutig: „Alle unsere Einsätze dort sind immer wieder herausragend fordernd und gewaltgeprägt.“ Das hoben Polizeioberrätin Christiane Kanellopoulus-Bollrath und Kriminalhauptkommissar Peter Kleinfeld hervor.

Aber zunächst die Zahlen: Bevor das Naava im Jahr 2013 öffnete, gab es an der Vorgängerdiskothek „Sfera“ 22 Anzeigen wegen Raubes und Körperverletzung. 2014 waren es schon 47 und die Straftaten blieben auf diesem Niveau. 2017 registrierte die Polizei 48 Anzeigen. „Sie alle stehen im Zusammenhang mit dem Naava, auch wenn sie sich im Umfeld auf dem Gelände der dortigen Tankstelle oder bei McDonalds abspielen“, erklärte die Kommissariatsleiterin. Kleinfeld skizzierte, warum das so ist. „Die werden von den Sicherheitskräften aus dem Naava geschmissen und weichen dann in die Umgebung aus.“ Dort würden sie sich dann – ähnlich wie das von Fußball-Hooligans bekannt sei – in Gruppen zusammenrotten, ihre Hosengürtel abziehen und aufeinander losgehen, wobei die Gürtel wie Peitschen eingesetzt werden. „Das sind oft niederländische Leute mit arabischsprachigem Hintergrund“.

Die beiden Beamten sprachen in diesem Zusammenhang von „regelrechten Jagdszenen“, die sich dann rund um den Club abspielten. Immer wieder käme es dabei auch zu Widerstandshandlungen gegen Polizisten. „Im Lauf der Jahre hatten wir mehrere verletzte Kollegen.“

Zwischen 3 und 6 Uhr

Die Hauptzeit dafür liegt zwischen 3 und 6 Uhr. Es gebe auch mehr Polizeieinsätze als angezeigte Straftaten, gerade bei Massenschlägereien sei das oft so. „Dann ebbt es so langsam ab“, berichtete die Polizeichefin.

Die Gründe sieht sie beim Betreiber des Naava. „Da wird am Eingang wenig sortiert und fast alle werden reingelassen, auch schon bereits alkoholisierte Gäste.“

Dazu käme noch eine hohe Dunkelziffer von Straftaten, die aus irgendwelchen Gründen der Polizei nicht bekannt würden. Kleinfeld berichtete von einem Türsteher, der von einem Tag auf den anderen plötzlich böse Schnittwunden am Hals gehabt habe, wie sie bei Auseinandersetzungen unter Zuhilfenahme abgebrochener Glasflaschen entstehen. „Anzeige Fehlanzeige.“

Weite Anreisen

Ein Großteil der Gäste, insbesondere jener im so genannten VIP-Bereich, habe einen arabischen Migrationshintergrund und komme aus verschiedenen Städten im Nordwesten Deutschlands. „Die kommen aus Hannover, Braunschweig, dem Harz, Herford, Bremen und Oldenburg, das sind teilweise Riesenanfahrtswege“, so Kleinfeld. Die Gäste übernachteten nicht in Melle. „Einer fährt immer.“ Manche der Fahrzeuge kosteten so viel wie ein Eigenheim.

Security: nur die Besten

Kleinfeld zitierte einen Mitarbeiter des Naava. „Hier sind hochkarätige Straftäter als Kunden, darauf stellen wir uns auch bei der Auswahl des Sicherheitspersonals ein.“ Heißt: Nur die bestausgebildeten Security-Mitarbeiter kommen im Naava zum Einsatz.

Natürlich kann die Polizei den Betrieb im Naava nicht unterbinden. „Aber wir führen verschärfte Kontrollen durch und arbeiten mit der Stadt gut zusammen“, betonte Christiane Kanellopoulus-Bollrath. Ein Problem sei, dass die Geschäftsführung des Clubs nicht kooperativ ist. „Ich wünsche mir, dass man da einen vernünftigen Betreiber hat, der gut mit uns und der Stadt zusammenarbeitet.“

Am Freitag vergangener Woche hat die Bauverwaltung der Stadt Melle das Naava mit sofortiger Wirkung geschlossen.