Hochaktuell und interessant Zwei Meller Fachärzte informieren über Sodbrennen

Von Simone Grawe


Melle. Kompetent, gut verständlich und überaus interessant: Rund 30 wissbegierige Teilnehmer erlebten beim Vortrag zum Thema „So lässt sich Sodbrennen behandeln“ im Rahmen der Serie „Gesund leben“ einen spannenden Nachmittag im Christlichen Klinikum.

Gemeinsam mit dem CKM hatte das „Meller Kreisblatt“ zu der Informationsveranstaltung im Rahmen der laufenden Gesundheitsserie eingeladen und dabei den Nerv des Publikums getroffen. Es gab mehr Anmeldungen als Teilnehmerplätze, Indiz dafür, dass das Thema hochaktuell ist.

Zahlen lassen aufhorchen

Das bestätigten auch die beiden Referenten, die mit fachlicher Kompetenz und allgemein verständlich durch den Nachmittag führten: Chefarzt Dirk Grothe und Oberärztin Imke Kaasch gaben einen umfassenden Einblick in die Thematik, bevor die Zuhörer anschließend Fragen stellen konnten. Zudem kamen zwei Patienten mit unterschiedlichen Beschwerden und Diagnostik zu Wort, die erfolgreich im CKM behandelt wurden.

„Der Vortrag wird etwa eine Stunde dauern“, kündigte Grothe an. Schon die ersten Zahlen ließen aufhorchen: 42 Prozent klagen über Sodbrennen, bei etwa 3,6 Millionen Deutschen liegt eine schwerwiegende Refluxkrankheit (krankhafter Rückfluss von Magensaft oder Galle) vor, berichtete der Chefarzt.

Vielfältige Symptome

Er informierte über den Körperaufbau, über Ursachen, Risikofaktoren und schilderte das Krankheitsbild: „Viele Patienten klagen über jahrelange Krankheits- und Leidensgeschichten, häufig sind bereits umfangreiche Untersuchungen durchgeführt worden“, sagte Grothe. So können die Symptome vielfältig ausgeprägt sein: Dazu zählen zum Beispiel Sodbrennen, Luftaufstoßen, Schluckbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen, Volumen-Reflux mit Hochkommen der Nahrung, aber auch Schmerzen und Brennen hinter dem Brustbein, linksseitige Brustschmerzen und wiederkehrende Infekte der oberen Atemwege.

Neben der Diagnostik seien das ausführliche Gespräch sowie die Erhebung der Krankheitssymptome sehr wichtig. Der Referent stellte in diesem Zusammenhang mithilfe verschiedener Grafiken eine Säure- und Refluxmessung der Speiseröhre vor: „Die Sonde wird über die Nase eingeführt. Sie brauchen keine Angst zu haben. Die Untersuchung dauert 15 bis 20 Minuten, wobei zehn bis 15 Schluckuntersuchungen aufgezeichnet werden“, beschrieb Grothe das Verfahren.

Daneben gibt es 24-Stunden Messungen, die Magenspiegelung und eventuell noch eine Röntgenuntersuchung von Speiseröhre und Magen. Liegen alle Befunde vor, kann über die Therapie gesprochen werden. In den meisten Fällen werde nicht operiert, sondern medikamentös behandelt: „Ich bin Chirurg, ich operiere gerne, aber nur, wenn es notwendig ist“, betonte Grothe, der auf eine 25-jährige Tätigkeit als Operateur verweisen kann.

OP-Verlauf per Video

Über den Operationsverlauf konnten sich die Zuschauer selbst ein Bild machen: Per Video verfolgten sie zwei verschiedene Eingriffe. Die bewegten Bilder dokumentierten, wie die Speiseröhre ganz oder teilweise mit einer Manschette ummantelt und vernäht wird: „95 Prozent sind mit der Operation zufrieden, 85 Prozent sogar sehr zufrieden“, bilanzierte Grothe. Alternativ kann ein Magnetband um die Speiseröhre gelegt werden. Diese Methode werde sich wahrscheinlich aber nicht durchsetzen, mutmaßte der Facharzt.

Imke Kaasch bat anschließend eine 75-jährige Patientin nach vorn, die nach einem Zwerchfellbruch erfolgreich operiert worden war: Über zehn Jahre dauerten ihre Beschwerden an, erzählte sie. Sodbrennen und Luftnot seien ihre ständigen Begleiter gewesen. Nach der Operation, die etwa zwei Jahre zurückliegt, fühle sie sich besser: „Es hat sich gelohnt“, resümierte sie.

Bei einem anderen Patienten begann die Leidensgeschichte schon vor 20 Jahren: „Das Sodbrennen wurde im stärker, ich nahm Medikamente ein, die Dosis wurde im höher“, äußerte sich der Mann, der vor 15 Jahren nach einem Zwerchfellbruch operiert wurde, bevor die Beschwerden vor fünf oder sechs Jahren erneut auftraten. Das Zwerchfell war erneut gebrochen: „Zum Schluss konnte ich nur im Sitzen schlafen, ich war kurzatmig und hatte trotz Säurehämmer starke Schmerzen“.

Am besten gesund ernähren

Im Februar 2018 dann eine erneute OP, die komplikationslos verlief. Schon nach zwei Tagen war der Patient wieder auf dem Flur unterwegs und konnte wenig später das Krankenhaus verlassen: „Warum habe ich das nicht schon früher gemacht?“ fragte er.

Zu seinem Erfolg hätten sicher auch eine gesündere Ernährung und ein bewusstes Einnehmen der Mahlzeiten beigetragen, äußerte er sich. Diesen Standpunkt können Dirk Grothe und Imke Kaasch nur unterstützen: Gewicht reduzieren, wenig Alkohol und wenig Kaffee, kleine Mahlzeiten, nicht rauchen und möglichst den Stress reduzieren: Das alles kann helfen, um Sodbrennen in den Griff zu bekommen.