Erster Pfarrbeauftragter benannt Meller Modell für künftige Gemeindeleitung im Bistum

Von Christoph Franken

Multitalent: Michael Göcking ist zurzeit noch Beauftragter des Bistums für die Landesgartenschau in Bad Iburg. In dieser Funktion warb er kürzlich beim Frühstück der Kolpingsfamilie Glane um Mithilfe. Foto: Susanne PohlmannMultitalent: Michael Göcking ist zurzeit noch Beauftragter des Bistums für die Landesgartenschau in Bad Iburg. In dieser Funktion warb er kürzlich beim Frühstück der Kolpingsfamilie Glane um Mithilfe. Foto: Susanne Pohlmann

Wellingholzhausen/Gesmold. Die katholische Pfarreiengemeinschaft Wellingholzhausen/Gesmold in Melle wird die erste Pfarreiengemeinschaft im Bistum Osnabrück, die künftig von einem Pfarrbeauftragten geleitet wird. Diese Position übernimmt der bisherige Dekanatsreferent Michael Göcking aus Wellingholzhausen.

Damit vollzieht das Bistum erstmalig den Schritt, einem hauptamtlichen Laien anstelle eines Pfarrers die Leitung anzuvertrauen. Hintergrund ist die Tatsache, dass überall im Bistum zunehmend Priester für Leitungsaufgaben fehlen. Bei hauptamtlichen Laien handelt es sich um pastorale Mitarbeiter, die nicht zum Priester geweiht sind.

Vertreter des Bistums haben die Entscheidung am Mittwoch mit den Gremien der Pfarreiengemeinschaft besprochen und diskutiert. „Die Stimmung war gut“, berichtete Göcking am Donnerstag im Gespräch mit unserer Redaktion. Er tritt sein neues Amt am 1. Dezember an.

Kirchenrecht im Rücken

Mit der Maßnahme an einzelnen Standorten soll die weitere Zusammenlegung von Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften zu noch größeren Einheiten im Bistum Osnabrück vermieden werden, erklärte ein Bistumssprecher. Das Kirchenrecht ermögliche diesen Schritt, wenn es nicht genügend Priester zur Leitung der Gemeinden gibt. Dem Pfarrbeauftragten steht in seinen Aufgaben ein moderierender Priester zur Seite, der nicht vor Ort lebt. In Gesmold Wellingholzhausen wird das Pater Dominik Kitta, Offizial der (Erz-)Bistümer Osnabrück und Hamburg mit Sitz in Osnabrück sein.

Der derzeitige Pfarrer von Wellingholzhausen und Gesmold, Jörg Ellinger, bleibt bis Ende September in diesem Amt und wird anschließend eine neue Aufgabe in der Pfarreiengemeinschaft Hagen-Gellenbeck übernehmen.

Großes Stühlerücken

Auch Pater Johny Thomas, derzeit als Pastor in Wellingholzhausen/Gesmold im Einsatz, wird in eine andere Pfarreiengemeinschaft wechseln. Seine Nachfolge tritt Pater Thomas Parathattelan an. Er ist derzeit Pastor in St. Matthäus Melle, Er wird dann auch in Gesmold wohnen.

„Ich habe große Lust dazu und freue mich auf die Herausforderungen, die auf mich zukommen“, sagte Göcking. Es gehe verstärkt darum, wie Glaube im 21. Jahrhundert so gestaltet werden kann, dass sich Menschen angesprochen fühlen. „Wie kann Kirche zur Andockstelle für Fragen und Sehnsüchte werden?“, kleidete der designierte Pfarrbeauftragte seine Vorstellungen in eine Frage. Kirche müsse zudem für Menschen da sein, die auf der Schattenseite des Lebens stehen oder traurig sind.

Göcking sprach auch das sichtbarste Zeichen des neuen Modells an: Bisher habe derjenige, der die Eucharistiefeier geleitet habe, auch die Leitung der Gemeinden innegehabt. „Das wird jetzt zum ersten Mal getrennt.

Bischof ist Vorgesetzter

Er strebe eine Aufgabenteilung mit dem Pater an. „Die Leitung liegt bei mir, und mein Vorgesetzter ist der Bischof“, erklärte Göcking. Sein Büro wird er im Pfarrheim einrichten, aber dort nicht wohnen.

Am 15. April finden eine öffentliche Gemeindeversammlung und im August ein Klausurtag für die Gremien statt. Damit soll der vom Bistum gewünschte Prozess der pastoralen Neuorientierung eingeleitet werden. Gemeinsam werde dann überlegt, wie das kirchliche Leben vor Ort zukünftig aussehen soll.

„Wenn wir in unserer Pfarreiengemeinschaft als Vorreiter erfolgreich sind, wird es auf Dauer 15 bis 20 solcher Pfarrbeauftragten im Bistum geben“, ist sich Göcking sicher.