„Wir werden das nicht hinnehmen“ Harsche Kritik aus Melle gegen Amprion

Von Simone Grawe

So wie im münsterländischen Raesfeld könnten auch die Erdkabel von Osnabrück-Voxtrup bis Osnabrück-Lüstringen aussehen. Foto: ImagoSo wie im münsterländischen Raesfeld könnten auch die Erdkabel von Osnabrück-Voxtrup bis Osnabrück-Lüstringen aussehen. Foto: Imago

Melle. Die Bürgerinitiative „Keine 380-kV-Leitung am Teuto“ gibt sich kämpferisch. Sie hält an ihrer Forderung zugunsten einer Vollerdverkabelung beim Neubau der Höchstspannungsleitung fest. Auch Bürgermeister Reinhard Scholz zeigte sich nach dem „Runden Tisch“ enttäuscht über das Vorgehen von Amprion.

Frank Vornholt zeigte sich nach der Ankündigung von Amprion, keine Erdkabel im Landkreis verlegen zu wollen, weder enttäuscht noch resigniert: „Wir sind mit keinen Erwartungen gekommen, und das hat Amprion noch unterboten“, äußerte sich der Initiativensprecher mit einem gewissen Galgenhumor.

Der Gesetzgeber in Berlin habe die gesamte Strecke Nr. 16 von Wehrendorf nach Gütersloh als Pilotstrecke für Erdkabel gesetzlich ausgewiesen. Nachdem es zunächst einen ersten Gesetztes-Entwurf gab, wonach nur für den Bereich Voxtrup Erdkabel vorgesehen werden sollten, habe der Gesetzgeber aufgrund des hohen Konfliktpotenzials zur Wohnbebauung an der Strecke ganz bewusst den gesamten Streckenverlauf aufgenommen: „Dieser Wille des Gesetzgebers wird offenbar bewusst außer Acht gelassen“, empört sich Frank Vornholt.

Wessen Wille setzt sich durch?

Es werde die entscheidende Frage sein, wessen Wille sich hier durchsetzt. Der, eines auf rein wirtschaftliche Interessen ausgerichteten Vorhabenträgers oder der dem Schutz des Bürgers verpflichtende Gesetzgeber: „Diese Frage können nur die politischen Vertreter in Bund und Land beantworten. Für uns kann die Entscheidung jedoch nur in eine Richtung gehen“, betont der Initiativensprecher.

Amprion ist Bauherr und habe seinen Willen geäußert. Das heiße noch lange nicht, dass es auch so kommt. Darüber entscheiden die zuständigen Behörden und bei Bedarf die Gerichte, verdeutlicht Vornholt.

Widerstand forcieren

Die Initiativen würden vielmehr ihren Widerstand weiter forcieren und alle Mittel und Wege in Anspruch nehmen, um das Ziel einer voll umfänglichen Erdverkabelung zu erreichen: „Es ist noch nicht der Zeitpunkt, den Kopf in den Sand zu stecken! Die letzten fünf Jahre der BI waren immer mit Höhen und Tiefen verbunden. Insofern geben wir uns weiter optimistisch und kämpferisch“, äußerte sich Vornholt auf Nachfrage unserer Redaktion.

Nachdem die Bürgerinitiativen inzwischen seit fünf Jahren an dem Thema arbeiten, habe man sich, insbesondere nach der erfolgten Gesetzesänderung, eine Lösung gewünscht, die zumindest angemessen, die Belastungen für die Betroffenen kompensiert, erklärte Vornholt. Dies sei bei den jetzigen Planungen allerdings nicht der Fall.

Aus Sicht der Initiative liegen zudem methodische Fehler vor. So habe man kritisiert, dass der Untersuchungsraum zu klein gewählt wurde und dadurch keine echten Trassenvarianten entwickelt werden können: „Es bleibt zu hoffen, dass neben den Vertretern der BI, der betroffenen Städte und Gemeinden und des Landkreises nun auch die Genehmigungsbehörden und die Politik in Land und Bund diesen Planungen von Amprion eine Absage erteilen“, gibt sich Vornholt kämpferisch.

“Ziel klar verfehlt“

Bürgermeister Reinhard Scholz bemängelt, dass Amprion seine Hausaufgaben nicht erledigt habe, die durch die Änderung des Energieleitungsausbaugesetzes und die darin enthaltene Aufnahme der Strecke als Pilotstrecke aufgegeben wurden.

„Der Übertragungsnetzbetreiber hat für den Bereich der Stadt Melle keine andere Karte aufgelegt als vor drei Jahren, das ist mehr als enttäuschend“, echauffierte sich Scholz.

Dass in Wellingholzhausen-Placke nach den jetzigen Planungen von Amprion sogar der gesetzlich besonders stark geschützte 400-Meter-Abstand zu Siedlungen unterschritten werden soll, sei angesichts des Pilotcharakters der Strecke eine Farce: „Wir werden das so nicht hinnehmen! Denn eine Pilotstrecke dient doch gerade dazu, technische Neuerungen an solchen Stellen zu nutzen und nicht alleine durch wirtschaftliche Belange zu ersetzen“, bekräftigte Scholz.

Schlag ins Gesicht

Die Argumentation, dass wegen der höheren Masten weniger Masten zu errichten und diese durch eine Verschiebung hinter Waldstücke so nicht mehr sichtbar seien, sei für die Anwohner ein Schlag ins Gesicht, die organisiert in einer gut funktionierenden Bürgerinitiative sachorientiert für eine zukunftsgerichtete Lösung kämpfen.

„Melle wird mit Nachdruck die Einhaltung der gesetzlichen und raumordnerischen Vorgaben einfordern“, kündigte der Bürgermeister an. Amprion habe mit seiner Planung das vom Bundes-Gesetzgeber ausgegebene Ziel klar verfehlt und werde im weiteren Verfahren deutlich nachbessern müssen, unterstrich Scholz.

Der Landkreis Osnabrück hat den Netzbetreiber am Donnerstag aufgefordert, Erdkabel an der Trasse 16 auch in Melle-Wellingholzhausen zu verlegen.

Kreisrat Winfried Wilkens kritisierte: „Amprion hat mit seiner Planung das vom Bundes-Gesetzgeber ausgegebene Ziel klar verfehlt und wird im weiteren Verfahren deutlich nachbessern müssen.“