Das Dilemma der Essensmacher Landwirtschaft braucht auch in Melle kreativere Kommunikation

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Der Vorsitzende des Versuchs- und Beratungsrings, Jürgen Hille, mit dem Referenten Willi Kremer-Schillings und Jürgen Sixtus vom Landvolk Melle (von rechts) Foto: Georg TeepkerDer Vorsitzende des Versuchs- und Beratungsrings, Jürgen Hille, mit dem Referenten Willi Kremer-Schillings und Jürgen Sixtus vom Landvolk Melle (von rechts) Foto: Georg Teepker

pm Melle. „Die Landwirtschaft braucht mehr und kreativere Kommunikation“, war der Tenor von Willi Kremer-Schillings, Ackerbauer, Buchautor und Agrarblogger aus dem Rheinland, in den Medien besser bekannt als „Bauer Willi“, im Bayrischen Hof.

In einer gut besuchten, gemeinsamen Veranstaltung des Versuchs- und Beratungsrings mit dem Meller Landvolk schilderte „Bauer Willi“, wie er über persönliche Erfahrungen mit kritischen Nachbarn dazu kam, sich in der Öffentlichkeit für das Image der Landwirtschaft einzusetzen und wie er hierfür in seinem Berufskollegen Alois Wohlfahrt einen kongenialen Partner gefunden hatte.

Mit Agrar-Blog einen Namen gemacht

Als Agrarblogger stellt er in seinem Blog www.bauerwilli.com seit drei Jahren fast täglich Thesen und Themen rund um die Landwirtschaft zur Diskussion und hat sich damit einen Namen gemacht. An dem heutigen Dilemma, das sich aus dem Widerspruch von Erfüllung gesellschaftlicher Forderungen einerseits und dem ökonomischen Überleben andererseits ergibt, sei die Landwirtschaft auch nicht ganz unbeteiligt.

„Wir haben unsere Mitbürger nicht mitgenommen auf dem Weg vom bunten Bauernhof mit vielen Tieren und dem Bauerngarten hinterm Haus zur heutigen Wirtschaftsweise, die zunehmend von der Gesellschaft kritisiert werde“, kritisiert Bauer Willi

„Wichtig dabei sei, im Dialog mit den Mitbürgern nicht nur die eigene Sicht der Dinge darzulegen, sondern bei den Gesprächspartnern durch Nachfragen deren Problemlage heraushören“, empfahl Bauer Willi. Es sei nachhaltiger, beim Gegenüber einen Prozess des Nachdenkens in Gang zu setzen, als eine kurze, aber heftige Auseinandersetzung über fachliche Details zu führen. Auch die Bauern hätten etwas davon: „Sie erfahren die wirklichen Probleme der anderen und können daraus Schlüsse für ihre tägliche Arbeit ziehen.“ Öffentlichkeitsarbeit und Imagepflege müssten dabei wie ein eigener Betriebszweig gesehen werden, der auch Zeit und Geld koste.

Dialog-Angebot an die Gesellschaft

Er kritisierte, dass in den Medien vielfach mit der Verbreitung von Schlagworten und Halbwahrheiten das Bild der Landwirtschaft in den Köpfen der Menschen bestimmt werde. „Einfache Lügen haben es leichter als komplizierte Wahrheiten“, stellte er fest. Und die Wahrheiten der Landwirte seien oft kompliziert und nicht in zwei Sätzen zu erzählen. Doch genau hier gelte es mit einem Dialog-Angebot an die Gesellschaft anzusetzen. Die Bauern seien leider oftmals Wortökonomen: „Wir reden zu wenig mit unseren Mitbürgern über uns und unser Tun“.

In seinem eigenen Kommunikationsverhalten sei er durch die Erfahrung mit seinem Blog mit der Zeit mutiger geworden. „Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich mit einem Beitrag zur Ferkelkastration, den ich aufwändig recherchiert hatte, lediglich 6000 Klicks erreichte.“, erzählte der Agrarblogger Willi. Aus Frust darüber habe er anschließend über „Kartoffeln aus Bodenhaltung“ sowie „Tomaten aus Anbindehaltung“ gepostet. Mit diesen, nicht ganz ernst gemeinten, Beiträgen habe er mehr als 60000 Klicks erreicht. Das zeige, dass man auch bei ernsten Themen mit pfiffigen Aussagen den Dialog mit der Gesellschaft ankurbeln könne.

Neue Ideen erforderlich

Jeden einzelnen Landwirt rief Bauer Willi auf, seinen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft zu leisten. Eine Einladung an Nachbarn, Schulklassen und auch an Journalisten sei ein erster Schritt. Die Einrichtung einer WhatsApp-Gruppe zur rechtzeitigen Information der Anwohner über bevorstehende Gülleausbringung oder Erntemaßnahmen, komme sehr gut bei den Nachbarn an. Solche Ideen seien erforderlich, um die Akzeptanz der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit nachhaltig zu verbessern. „Es kommt nicht darauf an, woher der Wind weht, sondern wie wir unsere Segel setzen“ gab Bauer Willi den Gästen mit auf den Weg.


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