Nach Kontroverse um Essener Tafel Meller Tafel-Chefin: Herkunft der Leute ist uns egal

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Melle. Die Tafel in Essen nimmt vorerst nur noch Deutsche auf, beim Gegenstück in Melle sind weiterhin Kunden aller Nationalitäten willkommen. „Das in Essen war ein Hilfeschrei. Bei uns gibt es so etwas nicht,“ versichert Hannelore Tommek.

Angeblich, weil sich einheimische Senioren und Frauen nicht mehr wohl fühlten, nehmen die Verantwortlichen in Essen nur noch Kunden mit deutschen Pass auf. Außerdem sei der Ausländeranteil in Essen mit rund drei Viertel besonders hoch, hieß es von den Verantwortlichen um Tafel-Chef Jörg Sartor. Der ungewöhnliche Fall hatte eine Debatte weit über die Stadt entfacht - selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte Kritik.

200 Kunden an drei Nachmittagen

Wie stellt sich die Situation in Melle dar? „Kleinere Probleme gibt‘s überall, aber alle müssen sich an die Regeln halten“, sagt Tafel-Vorsitzende Tommek. Bei Streitigkeiten habe es schon einmal kurzzeitige Hausverbote gegeben, aber Trennungen von Kunden nur in ganz speziellen Einzelfällen.

So habe es in Bünde, neben Rabber eine von zwei Außenstellen der Meller Tafel, schon größere Probleme gegeben: „Da bestand schon Handlungsbedarf. Aber für uns ist die Bedürftigkeit der Menschen entscheidend, alles andere wie zum Beispiel die Herkunft ist egal“, stellt der stellvertretende Vorsitzende der Meller Tafel, Hans Brokamp, klar.

Die Tafel in Melle, an der sich im Laufe der Woche an drei Nachmittagen rund 200 Kunden (Tommek: „Das sind zu 90 Prozent Stammkunden“) bedienen, beugt vor. So werden am Mittwoch besonders Benachteiligte versorgt: „Da sind Schwerbehinderte, alleimerziehende Mütter oder ältere Rentner dabei“, erklärt Tommek. Wie viele ihrer Kunden ausländischer Herkunft sind, kann Tommek nicht genau sagen. „Wir müssen mal eine Statistik erstellen“, sagt die Vorsitzende.

932 deutsche Tafeln

Haben sich Ausländer oder Flüchtlinge schon einmal ungebührlich benommen? „Anfangs gab es kleinere Probleme. Auch nachvollziehbare Handlungen, wie das gierige Greifen nach Lebensmitteln, sind schon mal vorgekommen. Aber das hat sich schnell beruhigt“, so Tommek.

Die Gesamtzahl der Tafeln in Deutschland liegt aktuell bei 932 Mitgliedstafeln im Bundesverband mit über 2000 Ausgabestellen (Stand: 17. Januar 2018). Die erste Tafel wurde 1993 in Berlin gegründet. Nach dem Vorbild anderer ehrenamtlich agierender Tafeln wurde im April 1998 die Meller Tafel ins Leben gerufen.

Die Tafeln versorgen regelmäßig rund 1,5 Millionen bedürftige Menschen mit Lebensmittelspenden, davon 24 Prozent Kinder und Jugendliche und 23 Prozent Rentner. Mehr als 60000 ehrenamtliche Helfer sind im Einsatz.

„Ein entscheidender Grund für die Gründung von Tafeln war, dass damals viele Lebensmittel einfach vernichtet wurden. Das wird in der heutigen Diskussion oft vergessen“, erinnert Tommek.


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