Fehler der Gartenbaufirma? Meller verärgert über abgeholzten Waldstreifen

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Melle. Ein umfassender Kahlschlag in Teilen eines Waldstreifens ärgert Anwohner des Denkmalsweges im Gewerbegebiet Gerden in Melle. Aus Sicht der Stadt hat eine Fachfirma Gehölzpflegearbeiten nicht wie beauftragt geleistet. Laut Firma wurde aber alles richtig ausgeführt.

Anfang Februar rückte eine Garten- und Landschaftsbaufirma im Auftrag der Stadtverwaltung an, um in dem Gehölz Pflegearbeiten durchzuführen. Die direkten Anwohner des Streifens wurden über die Maßnahmen informiert, dass die jedoch in einer aus ihrer Sicht fast vollständigen Abholzung enden würden, wussten sie zu diesem Zeitpunkt nicht. Das Unternehmen schnitt nicht nur Sträucher zurück, sondern auch Hochgewächse und Bäume hinunter. Im Laufe eines Arbeitstages verwandelten die Gartenbauarbeiter eine rund 20 mal 50 Meter große bewachsene Fläche mit Motorsägen und Minibagger in einen kahlen Platz. Diesen zieren nun kurze Baumstumpen und dunkle Erde anstelle von Sträuchern und Bäumen.

Anwohner des Denkmalweges sind sauer. Der westliche Teil eines Waldstreifens wurde aus ihrer Sicht abgeholzt; Pflegearbeiten einer Fachfirma nicht korrekt ausgeführt. Foto: David Hausfeld

Der Waldstreifen teilt sich in drei Flächen und verläuft südlich der Anton-Schlecker-Straße. Dort verbindet er den Denkmalsweg im Westen mit dem Maschweg im Osten. „Hätten wir nicht eingegriffen, sähe es jetzt überall so aus“, sagt Rolf Domscheit, einer der Anwohner des Denkmalsweges. Anlieger hätten die Arbeiter noch am selben Tag angesprochen und auf die Fehler hingewiesen. Die hätten wiederum beteuert, nur die aufgetragene Arbeit durchzuführen. Anrufe im Umweltamt blieben laut Domscheit ohne Folgen. Erst als Anwohner am Folgetag persönlich ins Umweltamt gingen und Fotos der abgeholzten Fläche vorlegten, wurden die Arbeiten unterbrochen.

Fehler der Gartenbaufirma

Nach Angaben der Stadt trägt die Gartenbaufirma Schuld an dem Kahlschlag. Die hätte „die Arbeiten nicht wie beauftragt und im Rahmen einer Vorbesprechung am 22.12.17 besprochen durchgeführt“, heißt es in einem Schreiben der Stadt an die Anwohner. Das von Stadtbaurat Holger Clodius unterzeichnete Papier liegt unserer Redaktion vor.

Laut Torben Fuchs, Leiter der Umweltbüros Melle, sollte die Firma Bäume belassen und vorrangig Gewächse, die wieder austreiben, „auf den Stock setzen“ um so den Bestand zu verjüngen. Dabei werden die entsprechenden Pflanzen bis auf den Stumpf (Stock) zurückgeschnitten und zum Neuausschlag gezwungen. Sie wachsen daraufhin dichter zusammen.

Bereits mit Firma zusammengearbeitet

„Wir waren auch erschrocken“, sagt Fuchs. Die Stadt habe bereits mit der Firma zusammengearbeitet. „In anderen Bereichen wurden die gleichen Arbeiten so umgesetzt, wie wir uns das gewünscht haben“, so Fuchs. Die Gartenbauarbeit im Bereich Am Rehteich/Am Kleefeld in Bakum etwa sei von der Firma „perfekt geleistet“ worden. Was ausgerechnet am Denkmalsweg schiefgelaufen sein soll, weiß Fuchs nicht. Der Auftrag sei eindeutig gewesen und standardmäßig formuliert.

Aus Sicht der betroffenen Firma haben die Arbeiter auch genau danach gehandelt. „Wie es gemacht worden ist, so ist es richtig gemacht und genau so von der Stadt beauftragt worden“, sagt ein Vertreter der Firma auf Nachfrage. Die Gehölze würden trotz des starken Beschnittes „problemlos wieder austreiben“.

„Letztendlich muss man den Anwohnern danken“

Fuchs ist anderer Meinung: „Es ist ein Fehler passiert. Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass die Anwohner verärgert sind.“ „Letztendlich muss man den Anwohnern danken, dass sie uns darüber informiert haben.“ Ob das Unternehmen nun für den Schaden aufkommen soll? Dazu wollte Fuchs keine Angaben machen. „Wir stehen mit der Firma in Kontakt.“

Der Waldstreifen ist eine sogenannte Ausgleichsfläche und wurde laut dem Umweltbüroleiter als Kompensationsmaßnahme zum Gewerbegebiet angelegt, um „optische Mängel auszugleichen“. Die Stadt habe kein Interesse daran, Waldstreifen abzuholzen, versichert Fuchs.

Pflanzen werden ersetzt

Laut Stadt und Firma haben die Arbeiter – anders als von den Anwohnern beschrieben – mit ihrem Minibagger keine Wurzeln gerodet, sondern lediglich die entstandenen Fahrspuren mit dem Planierschild nachgezogen. Fuchs: „Wir schauen uns das an. Die Pflanzen, die nicht wieder austreiben, werden von uns ersetzt.“ Dafür bedarf es Zeit: Laut dem Schreiben der Stadt Melle werden entstandene Pflanzenlücken „spätestens im Herbst 2018 mit hochstämmigen Gehölzen gefüllt“.

Wunschliste

Die Anwohner wollen derweil eine Wunschliste erarbeiten, wie die abgeholzte Fläche zukünftig gestaltet werden könnte. Einige Anwohner äußerten außerdem, die Stadt bei anfallender Pflege und Wässerung unterstützen zu wollen.


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