Diebstähle an der Garderobe? Augenzeuge aus dem Naava in Melle kritisiert Auftreten der Polizei

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Terrorängste durch Steuerfahndung: Ein Augenzeuge kritisiert das martialische Auftreten der Polizei im Naava. Archivfoto: Moritz FrankenbergTerrorängste durch Steuerfahndung: Ein Augenzeuge kritisiert das martialische Auftreten der Polizei im Naava. Archivfoto: Moritz Frankenberg

Melle. Die Razzia in der Meller Großraumdisco Naava am vergangenen Wochenende stößt bei Besuchern auf Kritik. Ein Augenzeuge beklagt unserer Redaktion gegenüber das unverhältnismäßig martialische Auftreten der Polizei. Im Rücken der Beamten sei es zudem zu zahlreichen Diebstählen gekommen.

Als in der Sache vielleicht vertretbar, in der Ausführung aber mindestens fragwürdig bezeichnet Yannick Kolax den Einsatz der Polizei in der Meller Diskothek in der Nacht zum Sonntag. Kolax war mit seiner Freundin und einigen Bekannten spontan von einer privaten Geburtstagsparty ins Naava gefahren, um noch ein wenig länger zu feiern. „Ich hielt mich in der Nähe des Eingangsbereiches auf, als der Einsatz losging“, erzählt der 26-jährige Bünder. Von der auch in einem Youtube-Video dokumentierten Ansprache des Einsatzleiters hätten er und seine Begleitpersonen dort praktisch nichts mitbekommen.

Das plötzliche Auftauchen der Polizei habe für Beklemmung gesorgt. „Die sind in voller Kampfmontur in den Laden und uns war unklar, was hier gerade passiert“, sagt Kolax. Die Szenerie habe frappierend an Terror-Szenarien erinnert, beschreibt Kolax den Einsatzbeginn. „Eine schwer ausgerüstete Polizeieinheit stürmt mitten in der Nacht eine Disco – nach den Vorfällen wie zum Beispiel in Paris haben viele Leute offenbar eher einen Anschlag oder ein Attentat gedacht als an Steuerfahndung.“ In seiner Umgebung habe er eine ganze Reihe von Leuten bemerkt, die verängstigt, hysterisch und teils in Tränen aufgelöst auf das Eintreffen der Beamten reagiert hätten. Ein Sprecher der Polizeiinspektion verweist auf die Ansprache des Einsatzleiters: „Wir gehen davon aus, dass die Ansagen beim absoluten Großteil der Besucher angekommen sind, da es zu dem Zeitpunkt in der Disco absolut ruhig war. Das ein paar Leute dann diese Information nicht mitbekommen, wird sich in so einer Situation nie ganz vermeiden lassen.“

Verunsicherte und ratlose Besucher

Kolax indes kritisiert auch das weitere Auftreten der Polizei, die sehr entschlossen und eher aggressiv als vertrauensselig die Disco geräumt habe. „Das ist aus der Logik des Einsatzes sicher nachvollziehbar, zumal einige Besucher der Polizei gegenüber ja ebenfalls aggressiv und teils mit Gewalt aufgetreten sind.“ Dennoch hätte sich Kolax eine bessere Kommunikation seitens der Beamten gewünscht. „Das Gros der Leute in meiner Umgebung war schlicht verunsichert und wollte Informationen, was hier eigentlich gerade läuft.“ Entsprechende Fragen hätten die Beamten aber ignoriert und stattdessen auf eine schnelle Räumung der Disco beharrt.

Ärgerlich ist Kolax vor allem darüber, dass es im Bereich der Garderobe offenbar zu zahlreichen Diebstählen kam – im Rücken der Beamten. „Das dortige Disco-Personal wurde anscheinend umgehend zum Verhör in einen Nebenraum gebracht, jedenfalls war die Garderobe schon unbesetzt, als wir das Naava verlassen sollten.“ Die Bitte, noch schnell seine dort abgelegte Jacke zu holen, hätten ihm die Beamten verwehrt. Kolax musste im T-Shirt nach draußen und wartete dort gemeinsam mit anderen Besuchern, die noch Kleidungsstücke an der Garderobe hatten, auf das Ende des Einsatzes. „Als wir nach einer Stunde wieder rein konnten, war die Garderobe komplett leer.“

Jacken aus der Garderobe verschwunden

Die Polizei habe ihm gegenüber zunächst keine Angaben zum Verbleib der Sachen gemacht, genauso wenig die Mitarbeiter des Naava oder die Betreiber. „Fakt ist, dass meine Jacke, die einen Neupreis von 850 Euro hatte, jetzt weg ist.“ Glück im Unglück für Kolax: In seiner Jacke befanden sich immerhin keine weiteren Wertsachen. Andere Besucher hätten mit ihren Jacken beispielsweise auch Autoschlüssel verloren. „Für mich stellt sich die Situation derzeit so dar, dass Leute das Chaos der Räumung ausgenutzt haben müssen, um die Garderobe auszuräumen.“ Mit seiner Freundin fuhr Kolax dann zurück nach Bünde, mittlerweile habe er Anzeige wegen Diebstahls erstattet.

Bei der Polizeiinspektion Osnabrück sind diese Vorwürfe bislang unbekannt. Über das konkrete Einsatzgeschehen im Bereich der Garderobe könne man derzeit keine Angaben machen. „Und bei den Kollegen in Melle gibt es derzeit kein Anzeigenaufkommen, das diesen Vorwurf belegen würde“, teilt die Behörde mit, relativiert allerdings: Da die Disco einen großen Einzugsbereich habe und viele Gäste Anzeigen wohl bei der Polizei in ihren jeweiligen Heimatorten stellten, könnten die Vorgänge der Polizei Melle womöglich derzeit noch nicht bekannt sein: „Bis die Vorgänge an die Polizeistation am Tatort weitergeleitet sind, dauert es in der Regel ein paar Tage.“


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