Bilanz der Möbelwirtschaft Exporte: Auch Meller Küchen auf dem Vormarsch

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Melle/Herford. Die gute Stimmung bei den Firmen aus dem Grönegau kürzlich auf der internationalen Möbelmesse in Köln schlägt sich auch in den aktuellen Zahlen der deutschen Möbelwirtschaft wieder. Die stellte jetzt Lucas Heumann als Geschäftsführer der Fachverbände der Möbelindustrie in Herford vor.

Besonders gut schneidet die Küchenmöbelindustrie ab, die in Melle und dem angrenzenden Rödinghausen traditionell gut vertreten ist. Der Gesamtmöbelmarkt hat sich nach Heumanns Angaben „ohne gravierende Veränderungen stabil entwickelt.“

Allerdings sind die Exporte in fünf der sechs wichtigsten Exportländer, nämlich Frankreich, Schweiz, Großbritannien, Österreich und Belgien leicht zurückgegangen. Lediglich gegenüber den Niederlande ist ein Exportzuwachs von 0,8 Prozent zu verzeichnen.

Polen als Markt

Deutliche Steigerungen gab es demgegenüber in andere Zielregionen: etwa in die Vereinigten Staaten mit einem Exportzuwachs von 14 Prozent, nach Polen mit einem Exportzuwachs von 12,1 Prozent und nach China mit einem Exportzuwachs von sogar 19 Prozent. „Insbesondere die Entwicklung der Ausfuhren nach Polen erfreut“, hob Heumann hervor. Das solide Wachstum deutscher Möbelausfuhren deute auf eine wachsende polnische Mittelschicht mit höherer Kaufkraft und gehobenen qualitativen Ansprüchen beim Möbelkauf hin.

Stabile Importlage

Ebenfalls stabil ist die Entwicklung bei den Importen nach Deutschland. Diese haben sich im Jahr 2017 um geringe 0,27 Prozent reduziert. Während sich diese Zahl überwiegend aus wertmäßig geringeren Importe aus Italien, Ungarn, Rumänien, der Türkei und Österreich zusammensetzt, gibt es Zuwächse der bedeutenden Importvolumina aus Polen, China und der Tschechischen Republik.

Exportschlager Küchen

Betrachtet man die einzelnen Segmente der Möbelindustrie, zeigen sich allerdings augenfällige Unterschiede. „Exportweltmeister ist unverändert die Küchenmöbelindustrie, die insgesamt Waren für 1,934 Mrd. Euro exportiert hat, während die Importe nach Deutschland nur bei 102,9 Mio. Euro lagen“, erklärte Heumann.

Damit sei die deutsche Küchenmöbelindustrie das einzige Teilsegment der Branche mit einem deutlichen Exportüberschuss. „Wieder einmal“, hob der Verbandsgeschäftsführer hervor.

Bei der Betrachtung einzelner Länder ist bemerkenswert, dass die Exporte von Küchenmöbeln in die zwei wichtigsten Zielregionen weiter anstiegen: nach Frankreich mit einem Zuwachs von 7,5 Prozent und in die Niederlande mit einem Zuwachs von 11,3 Prozent.

Brexit schadet

Heumann führt die „bedauerliche Exportentwicklung nach Großbritannien“ auf die ersten Auswirkungen des bevorstehenden Brexits zurück. „Die Entscheidung Großbritanniens, aus der EU auszutreten, hat das Klima für den Außenhandel nicht unerheblich verschlechtert.“

Der Polstermöbelsektor seinerseits hat unverändert das größte Außenhandelsdefizit aufzuweisen. Die Exporte liegen hier bei 714 Mio. Euro, die Importe allerdings bei gewaltigen 2,035 Mrd. Euro. Die wichtigsten Exportmärkte für deutsche Hersteller liegen unverändert in Westeuropa mit der Schweiz als Spitzenreiter, gefolgt von Österreich, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien, Belgien, Luxemburg und Italien. Erst an neunter Stelle steht mit den Vereinigten Staaten das erste nichteuropäische Land in der Exportstatistik der Polstermöbelindustrie.

Und schon wieder Polen

Bei den Einfuhren von Polstermöbeln nach Deutschland gibt es einen leichten Zuwachs von +1,2 Prozent. Wichtigster Möbelimporteur ist unverändert Polen mit einem Gesamtimportvolumen von 972 Mio. Euro. Damit importiert allein Polen knapp die Hälfte aller Importe von Polstermöbeln nach Deutschland.

Im Wohn-, Ess- und Schlafzimmerbereich liegt eine besondere Situation vor. Hier sind nach Angaben Heumanns sowohl die Exporte (-3,1 Prozent) als auch die Importe (-1,16 Prozent) rückläufig. Bei den Importen ist in desem Bereich erwartungsgemäß erneut Polen der dominierende Importeur. Der Marktanteil der polnischen Möbelindustrie an den Importen nach Deutschland beträgt etwa ein Drittel.

Die Fachverbände der Möbelindustrie vertreten vor dem skizzierten Hintergrund die Auffassung, dass in den nächsten Jahren eine deutliche Intensivierung der Exportaktivitäten der Möbelindustrie geboten und zu erwarten ist.

Chancen im Ausland

„Wir glauben auch, dass generell im Ausland die Wachstumschancen größer sind als im deutschen Markt – nicht zuletzt, da dort der Pro-Kopf-Verbrauch an Möbeln deutlich unterhalb des deutschen Niveaus liegt“, sagte Heumann.

Erfolgsrezept Küchen

Wie dies mit einer langfristigen Strategie möglich ist, habe die deutsche Küchenmöbelindustrie vorgemacht, die jetzt eine Exportquote von 40 Prozent erreicht habe. Das Erfolgsrezept der Küchenmöbler seien Produktinnovationen, internationales Design, hohe Qualität und ein vorbildlicher Service. „Diese Erfolgsfaktoren streben wir für alle Sektoren der deutschen Möbelindustrie an“, betonte Heumann abschließend.


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