Vom „Chillen“ und „Chicks klarmachen“ Jan Weiler trifft den Nerv der Eltern von Meller „Pubertieren“

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Melle. Amüsiert und oftmals laut lachend verfolgten 150 Zuhörer die Lesung von Jan Weiler aus seinem Buch „Und ewig schläft das Pubertier“. Das lag vor allem daran, dass sich die große Mehrheit des Publikums ständig an Erfahrungen mit ihren eigenen pubertierenden Kindern erinnert fühlte. Aber auch einige vergnügte Großeltern und sogar leibhaftige „Pubertiere“ hatten sich am Donnerstagabend unter die Zuschauer im Meller Forum gemischt.

So beschrieb Jan Weiler in seiner pointierten Sprache, wie sein Sohn Nick kurz vor Schulbeginn von gleich mehreren heftigen Krankheiten befallen wurde. Nachdem der 15-Jährige endlich die dritte Chance zu einer endlich überzeugenden Krankheitssimulation genutzt hatte, erbarmte sich der Vater und meldete den Schüler in der Schule krank. Etwa nach der vierten Stunde kam es dann zu einer „Wunderheilung“, die Nick ermöglichte, FIFA 16 zu spielen und Pudding zu essen.

„Noch Luft nach oben“

In anderen Geschichten ging es um Liebesdinge heutiger „Pubertiere“. Etwa, das großspurig von Nick angekündigte „Chicks klarmachen“. So nennt der Heranwachsende seine geplante Party mit drei Jungs und drei Mädchen im Wohnzimmer des Elternhauses. Vater und Mutter müssen deshalb am Samstagabend das Haus verlassen und ausgehen. Als die Eltern etwas früher als vereinbart nach Hause kommen, beschäftigen sich die Mädchen mit ihren Handys im Wohnzimmer und die Jungs vergnügen sich im Wohnzimmer an der Konsole. „Bei Chicks klarmachen, ist noch Luft nach oben“, schlussfolgert Jan Weiler.

Tricks für Eltern

Jan Weiler machte sich aber nicht nur über seine beiden oftmals chillenden Pubertiere Carla (17) und Nick lustig, seine Lesung und seine eingestreuten freien Vorträge waren geradezu von Selbstironie geprägt. Er machte deutlich, wie fast alle krampfhaften Erziehungsversuche zum Scheitern verurteilt sind: „Ab dem Alter von acht Jahren ist es vorbei mit Erziehung, die Pubertiere lassen sich einfach nichts mehr sagen“.

Aber stattdessen hatte er einige (erlaubte) Tricks für andere leidgeprüfte Eltern parat. Beispielsweise habe er schon mehrfach Erfolge mit dem Herausziehen des W-Lan-Steckers erzielt, damit seine Kinder mit den Worten „das Internet ist weg“ endlich zum gemeinsamen Essen kommen. Oder: Sein mit pseudo-wissenschaftlichen Begriffen aufgemotzter Hinweis, dass herumliegende Gegenstände die W-Lan-Qualität im Zimmer einschränken führte tatsächlich dazu, dass Carla und Nick aufräumten, denn nur „wer aufräumt, hat schnelles Internet“.

Humorige Selbstkritik

Neben den Geschichten über „Pubertiere“ amüsierte Jan Weiler das Publikum aber auch mit selbstkritischen Berichten aus der Lebenswelt von Eltern, die er großenteils frei vortrug. Ihm gehe es um Familienunterhaltung und nicht um Therapie, versicherte er. In der Tat war der Abend eine humorige Auseinandersetzung mit den Eigenheiten junger Leute ohne jeden pädagogischen Anspruch.

Sein Angebot, Bücher zu signieren, wurde reichlich angenommen. Am Büchertisch gab es nicht nur seine bekannten älteren Werke, wie den später verfilmten Roman „Maria ihm schmeckt’s nicht“ oder „Das Pubertier“, sondern auch die allerersten Exemplare seines gerade an diesem Tag (1. März) neu erschienenen Romans „Kühn hat Ärger“.

Jan Weiler ist Journalist und Schriftsteller und war Chefredakteur des Magazins der Süddeutschen Zeitung. Seine bislang 567 Geschichten sind in der Kolumne „Mein Leben als Mensch“ in der Zeitung „Welt am Sonntag“ erschienen.


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