Kavalier mit rostfarbener Hose Der Baumfalke: Grandioser Jäger auch im Meller Luftraum

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Ein Baumfalke mit Beute: Als geschickter Jäger schlägt er seine Beute im Flug. Foto: Tanja BrandtEin Baumfalke mit Beute: Als geschickter Jäger schlägt er seine Beute im Flug. Foto: Tanja Brandt

Melle. Unter den Falken, die allesamt Himmelsjäger sind, ist der kleine Baumfalke ein Könner, ein Meister unter den Flugakrobaten. Kleiner als ein Turmfalke fängt er aus der Luft heraus einen blitzschnellen Mauersegler ebenso wie eine quirlige Schwalbe. Dieses Schauspiel kann man mit Glück auch in Melle erleben.

„Das Besondere am Baumfalken ist seine Fähigkeit, große Insekten wie Maikäfer und Libellen im Flug mit Schnabel und Fängen zu zerlegen und anschließend zu verspeisen“, berichtet Volker Tiemeyer, Vorstandsmitglied der SON, der Stiftung für Ornithologie und Naturschutz in Melle. Verspeisen klingt vornehm – er frisst sie, kröpfen nennt man das bei Greifvögeln. Der Falke ist spezialisiert auf kleine Singvögel, schlägt aber eben auch gern Libellen oder andere Großinsekten im Flug. Auch vor einer Bienenkönigin macht er nicht Halt und kröpft sie noch in der Luft, ehe sie weiß, was mit ihr geschieht.

Zwei bis vier Brutpaare in Melle

Es muss ein ergreifendes Schauspiel sein, einen Baumfalken bei seinen Jagdflügen zu beobachten. Und das ist Tiemeyer zufolge im Grönegau durchaus möglich, beispielsweise in der Gesmolder Hase-Else Niederung, im Suttbachtal bei Buer oder rund um Wellingholzhausen. „In Melle liegt der Bestand derzeit lediglich bei zwei bis vier Brutpaaren. Demnach zählt er zu den absolut seltenen Brutvögeln in unserer Region“, weiß Tiemeyer zu berichten.

Der Vogel mit der rostroten Hose

Männchen und Weibchen sind äußerlich nicht voneinander zu unterscheiden. „Aber einen Baumfalken an sich kann auch ein Laie an der charakteristischen rostroten Hose erkennen“, so Tiemeyer und meint damit die Befiederung im Übergang vom Bauch zu den Beinen des Vogels.

Besonders kritisch wird es für den Zugvogel in Nordafrika

Als Zugvogel überwintert das Tier südlich des Äquators. Zurzeit befindet er sich bereits wieder auf dem Heimweg, passiert Kenia und Somalia Ende März, um im Mai in Melle einzutreffen. Der Reiseweg ins südliche Afrika und zurück in die hiesige Region stellt mit zusammen über 20.000 Kilometern eine enorme Flugleistung dar, birgt aber für den Baumfalken immense Gefahren. Die Sahara muss er überqueren, wie auch das Mittelmeer. Besonders kritisch wird es in Nordafrika, dort ist die Jagd auf Zugvögel weit verbreitet.

Wenn der Kavalier der Umworbenen galant die Beute übergibt

Erreicht der Baumfalke gesund und munter wieder europäische Gefilde, geht er auf Partnersuche. Mit seiner gefiederten Gefährtin trifft er dann gemeinsam womöglich in Melle ein. Als Nachmieter besetzt das Vogelpaar verlassene Krähennester, die idealerweise in kleinen Waldungen inmitten insektenreicher Feuchtgebieten liegen.

Erst einmal angekommen, beginnen die Baumfalken ohne Eile mit der Balz. Er imponiert ihr mit eindrucksvollen Flugspielen, an deren Ende der Kavalier der Umworbenen galant eine extra für sie geschlagene Beute übergibt.

Bis zum Spätsommer bleibt der Baumfalke in unserer Region

Der Legebeginn liegt zwischen Ende Mai und Juli. Die Gelegegröße umfasst zwei bis drei Eier. Und noch eine weitere Gentlemangeste hat der kleine Baumfalke drauf. Während sein Weibchen brütet, bewacht der Terzel (männlicher Greifvogel) den umliegenden Luftraum und vertreibt jeden sich nähernden Rivalen.

Sind die Kleinen geschlüpft, versorgt der frisch gebackene Vater Frau und Kinder zunächst allein. Später begibt sich das Weibchen ebenfalls mit auf den Beutezug. Nach einer Nestlingszeit von annähernd 33 Tagen fliegen die Jungfalken aus. Sie werden aber noch fast drei Wochen von den Eltern mit Nahrung versorgt. Bis zum Spätsommer bleibt der Baumfalke in unserer Region, dann macht er sich erneut auf seinen gefahrenreichen Weg in den Süden.

„Ein bedrückendes Phänomen, das vor Melle nicht Halt macht“

Sowohl landes- als auch bundesweit wird der Baumfalke in der Roten Liste der gefährdeten Brutvögel geführt. Die Entwässerung der Feuchtgebiete in den vergangenen Jahrzehnten hat ihm genauso zugesetzt, wie der Verlust von artenreichen Grünländern. Ganz besonders leidet die Art aber unter der Verknappung seiner Nahrungsgrundlagen. „Großinsekten sind um bis zu 80 Prozent im Bestand zurückgegangen. Zudem sind zwischen 1998 und 2009 allein in Deutschland 12,8 Millionen Vogelbrutpaare verschwunden. Ein bedrückendes Phänomen, das vor Melle nicht Halt macht“, unterstreicht SON-Ornithologe Tiemeyer und verweist darauf, dass „der enorme Freizeitdruck in der Landschaft“ zu Störungen in der Brutzeit führe und die Situation für den Falken zusätzlich verschlechtere. Ausgedehnt bewirtschaftete Wiesenlandschaften, wie sie von der SON und der Stadt Melle initiiert und betreut werden, können einen Beitrag leisten, um den hiesigen Bestand des Baumfalken zu fördern.


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